Auf dem Weg zur eigenen Mitte mit Kulturprojekt in Remscheid

Kulturprojekt : Auf dem Weg zur eigenen Mitte

Morgen startet die Performance „Das Labyrinth — Fest der Sinne“ in der Halskestraße in Honsberg. Veranstalter ist die Galerie „Ins Blaue“. Die Aktion lebt von der Beteiligung der Besucher.

Die Wiese im Hinterhof der Halskestraße in Honsberg verwandelt sich morgen in einen Ort der Selbsterfahrung. Gleichhohe Äste bilden einen großen Kreis. Eine Stück des Kreises bleibt offen: der Eingang ins Labyrinth. Mit Bass-Tönen von Trommeln wird der aus Oberhausen angereiste Musiker Holger Teuber die Performance von Frohmut Anemone (mit bürgerlichem Nachnamen heißt sie Klemm) eröffnen. Ihre Performance widmet den Rasen zwischen den alten Gewaghäusern um zu „einer Erlebnisfläche mit eigenen künstlerischen Erfahrungen“, wie Frohmut Anemone sagt. Nicht ihre Performance stehe morgen Nachmittag im Mittelpunkt, sondern die Aktivität des Publikums. Jeder darf und kann das Labyrinth betreten.

In einem Labyrinth kann man sich nicht verlaufen, sagt Frohmut Anemone. Trotz aller verschlungenen Pfade, die mit einem Handrasenmäher ins hoch gewachsene Gras geschnitten wurden, der Weg führt immer zur Mitte. Und von dort aus wieder zum Ausgang zurück. Mit neuer Energie, Erkenntnis und Erfahrung, so die Hoffnung. Den Rückweg begleitet eine Klanginstallation von Krzysztof Burdzy.

Die Remscheider Künstlerin, die vor gut einem Jahr eine der Ateliers auf dem Honsberg bezogen hat, kennt sich mit der Geschichte und dem Mythos „Labyrinth“ aus. Als erstes fällt einem die wohl bekannteste Labyrinth-Geschichte vom Minitaurus ein. Der griechischen Sage nach herrschte in mythischen Zeiten auf Kreta der als gerecht und weise bekannte König Minos. Der Meeresgott Poseidon sandte ihm als Zeichen seiner Königswürde einen Stier, den er aber nicht wie versprochen opferte.

Durch die göttliche Rache verliebte sich Minos‘ Gemahlin Pasiphae in den Stier. Aus dieser Verbindung gebar sie den Minotaurus, ein Ungeheuer mit Menschengestalt und Stierkopf. Minos sperrte den gefährlichen Minotaurus in das von Dädalus gebaute Labyrinth ein. Fortan musste er ihm alle neun Jahre sieben Jungfrauen und sieben Jünglinge zum Fraß vorwerfen, die er als Tribut von den Athenern forderte. Von dieser Pflicht befreite der attische Königssohn Theseus das Volk: Mithilfe eines Garnknäuels, das er von Minos‘ Tochter Ariadne erhalten hatte, fand und besiegte er den Minotaurus und entkam aus dem Labyrinth.

Für Frohmut Anemone ist das Labyrinth ein Symbol und eine universale Form zugleich, die überall auf der Welt zu finden sei, in Mexiko, in Schweden und an vielen anderen Orten. Es unterscheidet sich fundamental von einem Irrgarten, in dem man sich verläuft und nicht mehr herausfindet. Der Weg im Labyrinth führt mit vielen Auf- und Abs zu einem Mittelpunkt. Der Weg sei eine Einkehr und Umkehr zugleich, ein Meditationsweg, an dessen Ende man bei sich selber lande. Die eigene Mitte kann vieles sein, ein unbekanntes Areal, ein Sehnsuchtsort, eine vertraute Stelle. Die Künstlerin wird einen roten Faden durchs Labyrinth am Honsberg ziehen, wie damals Theseus, der mit Hilfe des Ariadnefadens wieder herausfand, nachdem er den Minotaurus besiegt hatte.

Die Möglichkeit, durch eigene Aktionen an diesem Energiefeld „Labyrinth“ teilzuhaben, bieten weitere Spielräume im Anschluss an die Performance. Stiermasken können geformt werden, aber auch ein roter Faden gesponnen. Dazu gibt es Workshops in kleinen Zelten. Die Künstlerin Regina Thorn kommt mit einem Spielraum namens „Bienenikonen“. Der Flug der Bienen, so heißt es, soll von labyrinthischer Natur sein.

Der Gang durchs Labyrinth gehört zu den Aktionen, die von der Galerie „Ins Blaue“ initiiert wurde. „Ins Blaue“ gestaltet die Entwicklung im Honsberger Quartier mit. Es gibt regelmäßige Konzerte, Festivals und Ausstellungen mit lokalen und internationalen Künstlern. Das Projekt wird vom Land Nordrhein-Westfalen über die regionale Kulturpolitik unterstützt.

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