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Remscheid: Auf dem Weg vom Ei zum Küken

Remscheid : Auf dem Weg vom Ei zum Küken

Die kleine Laura Meyer schaut mit großen Augen zu ihrem Großvater auf. Karl-Heinz Meyer hat gerade zusammen mit seiner Enkelin 20 Eier, die seine Hühner der Rasse "Italiener" gelegt haben, in die Brutstation der Natur-Schule Grund gebracht. "In knapp drei Wochen kommen wir wieder her, um die Küken schlüpfen zu sehen", erklärt er Laura. "Genau so wie im vergangenen Jahr." Das Mädchen lächelt, als es sich an die gelben kleinen Vögel mit dem flauschigen Federkleid zurückerinnert.

Jörg Liesendahl, der Leiter der Natur-Schule, möchte mit dem Projekt "Vom Ei zum Küken" Kindern einen Bezug zur Natur geben — und dazu gehören eben auch Nutztiere wie Hühner. "Bei vielen Kindern herrscht zunächst Sprachlosigkeit", sagt Liesendahl schmunzelnd. "Viele haben noch nie zuvor ein Huhn oder Küken in natura gesehen."

In wenigen Wochen sollen aus den Eiern kleine Küken schlüpfen. In der Natur-Schule Grund kann man bei diesem Prozess zusehen. . . Foto: Fischer (Archiv)

In dieser Woche startete das Projekt, die ersten von insgesamt rund 100 Eiern wurden in den Brutkasten gesetzt. Bei einer Temperatur von 37,8 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von knapp 80 Prozent verbringen die Eier nun etwa 21 Tage in einem Brutkasten, der auf den ersten Blick wie ein aus Holz gezimmerter Backofen anmutet. "Erst nach circa vier Tagen können wir feststellen, ob die Eier tatsächlich befruchtet worden sind", erklärt Liesendahl. "Nach dieser Zeit durchleuchten wir die Eier mit einer starken Lampe." Diese Methode nennt sich fachsprachlich "Schieren". Wenn sich ein dichtes Adernetz unter der Schale erkennen lässt, weiß Jörg Liesendahl, dass im Inneren ein Embryo heranwächst. Das Adernetz diene dazu, das heranwachsende Küken mit Nährstoffen aus dem Dotter zu versorgen.

. . . und die Küken sogar anfassen. Foto: Archiv (aRchiv)

Alle Eier, die nicht befruchtet seien, werde man aus dem Kasten herausholen und durch andere ersetzen. Etwa 50 Eier stammen von den Hühnern der Natur-Schule, die andere Hälfte von Privatpersonen.

Voraussichtlich ab dem 17. April werden in der Natur-Schule schlüpfende Küken zu beobachten sein. Ein Erlebnis: "Zum einen dürfen die Kinder die Küken auf die Hand nehmen und streicheln. Aber mit etwas Glück können sie auch live dabei sein, wenn ein Küken schlüpft", sagt Liesendahl.

Spätestens nach zwei Wochen ziehen die Küken dann nach draußen ins Hühnergehege um. "Hühnerküken sind Nestflüchter", erklärt der Diplom-Biologe. "Sie wollen schon früh selber auf Nahrungssuche gehen." Gefüttert würden sie mit speziell dafür produziertem Kükenfutter, aber auch mit getrockneten und zerkleinerten Brennnesseln und anderem Unkraut.

Das Projekt "Vom Ei zum Küken" besteht seit vielen Jahren und hat bereits Tradition in der Natur-Schule Grund. Aufgrund des langen und kalten Winters schlüpft der Nachwuchs dieses Jahr leider nicht mehr rechtzeitig zum Osterfest. Liesendahl ist dennoch davon überzeugt, dass der Besucherandrang groß sein wird. "Wir erwarten 600 bis 700 begeisterte Kinder", sagt er.

(RP)