Apfelernte fällt sehr mager aus

Landwirtschaft : Apfelernte fällt sehr mager aus

Auf der Streuobstwiese in Reinshagen haben es viele Früchte bis zur Ernte gar nicht geschafft.

Mager ist die diesjährige Apfelernte ausgefallen: Statt der rund 600 Kilogramm, die Rolf Meyer für gewöhnlich von seiner Streuobstwiese erhält, sind es in diesem Jahr nur 120 Kilo geworden. Der heiße und vor allem niederschlagsarme Sommer hat den heimischen Früchten stark zugesetzt.

Tiefenentspannt lässt der 66-Jährige den Blick über die 23.000 Quadratmeter große Wiese in Lobirke bei Reinshagen schweifen. 250 Apfelbäume wachsen hier verteilt in Hanglage und Waldnähe. Ein idyllischer Ort und eigentlich ein optimaler Platz für seine Streuobstwiese, die er seit nunmehr 19 Jahren bewirtschaftet. Doch der Ertrag geht signifikant zurück. Grund: Der Klimawandel.

Die meisten seiner Bäume gehören der Sorte Gravensteiner an. Ein Sommerapfel, besonders bekömmlich, der in diesen Breitengraden seit Jahrhunderten gut wächst und gedeiht. „Es ist ein Apfel, der viel Wasser braucht, um zu reifen“, sagt Meyer. Doch davon gab es in diesem Jahr nicht genug. Der Gravensteiner ist im Vergleich zu den Vorjahren kleinwüchsiger. „Normalerweise ist der Gravensteiner Mitte September reif, diesmal war er aber schon Ende August fertig.“ Viele Früchte hätten es auch gar nicht bis zur Ernte geschafft, seien vorher abgefallen oder verfault. „Wenn es trocken ist, suchen auch die Vögel nach Flüssigkeit und picken dabei die jungen Äpfel an“, erklärt Meyer. Durch die Öffnung würden auch Wespen angelockt, der Apfel faule. Trotz geringerer Größe habe sein Lieblingsapfel am Geschmack aber nichts eingebüßt, betont der Fachmann. „Im Gegenteil. Dadurch dass er noch konzentrierter ist, schmeckt er noch besser.“

Dass seine diesjährige Ernte nicht so üppig ausgefallen ist wie sonst, steht Meyer scheinbar gelassen gegenüber. Doch der Schein trügt. Die Veränderungen beschäftigen den Fachmann, denn wenn die Sommer im Bergischen weiterhin so heiß und trocken bleiben, wie in diesem Jahr, werden einige einheimische Apfelsorten auf lange Sicht aussterben, ist Meyer überzeugt. „Der Rheinische Bohnapfel etwa oder der Rote Eiserapfel werden es schwer haben.“ Der Adersleber Kalvill hingegen könnte der Apfel der Zukunft werden, sagt der Fachmann. „Aderleber ist eine ziemlich robuste Sorte und kommt mit der Hitze gut klar.“ Auch jene, die bislang sonst nur im Süden angebaut werden, könnten Einzug in unseren Breitengraden erhalten. Doch nicht nur die: Dass seine Streuobstwiese in einigen Jahren als Weinbaugebiet funktionieren könnte, scheint für Meyer gar nicht so abwegig. „Das wäre tatsächlich denkbar, wenn das mit dem Wetter so weitergeht.“

Als Mitglied im Bergischen Streuobstwiesenverein ist es sein Bestreben, die Vielfalt aufrechtzuerhalten. Auf dem Gelände in Lobirke werden regelmäßig Schulungen angeboten. Auch was Schnitttechniken angeht: „Früher hat man gesagt, man sollte nicht zu viel schneiden, damit nicht zu viele Blätter nachwachsen und stattdessen Platz für mehr Äpfel da ist. Heute ist es das genaue Gegenteil: Möglichst viel schneiden, damit mehr Blätter wachsen, die den Äpfeln Schatten spenden.“ Sobald alle Blätter vom Baum abgefallen sind, ist der Winterschnitt angesagt. In drei bis vier Wochen geht es spätestens los.

Seine Streuobstwiese, das weiß Rolf Meyer selbst am besten, ist ein Generationenprojekt. „Erst die Nachfahren werden wirklich von der Streuobstwiese profitieren“, sagt der Fachmann. In zehn bis 20 Jahren, sofern der Klimawandel nicht alles zerstört und es gelingt sich den veränderten Gegebenheiten anzupassen, könnte ein Ertrag von bis zu zehn Tonnen erwartet werden. Meyer. „Der Weg ist das Ziel.“

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