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Anti-Corona-Demo in Remscheid abgesagt

Nur wenige Corona-Skeptiker kamen nach Remscheid : Querdenker-Demo verpufft im Regen

Die Polizisten waren mit einem massiven Aufgebot da, rund 100 Querdenker und auch Gegendemonstranten. Am Ende gebar der Berg eine Maus: Die „Querdenker“-Demonstration in der Remscheider Innenstadt wurde am Sonntagmittag kurzerhand abgesagt.

Als kurzes Intermezzo entpuppte sich am Sonntag die in Remscheid angekündigte „Querdenker“-Demo. Der bergische Regen machte den angereisten Corona-Skeptikern einen Strich durch die Rechnung: Der geplante „Herbstspaziergang zur Stärkung des Immunsystems“ durch die Innenstadt mit anschließender Kundgebung auf dem Rathausplatz wurde angesichts weniger Teilnehmer und Dauerregen vom Versammlungsleiter kurzfristig abgesagt. Eine Spontan-Demo der Maskenverweigerer gab es trotzdem.

Um 14 Uhr sollte dass Stelldichein der „Querdenker“ auf dem Remscheider Theodor-Heuss-Platz losgehen. Eine Demonstration, bei der bis zu 1500 Teilnehmer gegen die Corona-Maßnahmen protestieren wollten. Als kurz vor Beginn der Veranstaltung der Versammlungsleiter allerdings mit nur wenigen Gleichgesinnten im Remscheider Dauerregen stand, meldete er die Veranstaltung kurzerhand ab, berichtet Polizeisprecher Stefan Weitkämper. Einen konkreten Grund habe der Versammlungsleiter dabei nicht genannt, so der Polizeisprecher weiter. Ein Großteil der zahlreichen eingesetzten Polizisten zog sich daraufhin zurück.

Doch wenig später, als weitere Teilnehmer auf den Platz eintrudelten, meldete der Veranstalter eine Spontandemo an. Eine halbe Stunde gewährten die Beamten den rund 100 Demonstranten, die die deutlich kleinere Versammlung für zwei Redebeiträge nutzten.

Einer der Redner verurteilte über ein Megafon die Maskenpflicht im öffentlichen Raum als „Körperverletzung“. Um ihn herum klatschten einige unter Regenschirmen und Regencapes zustimmend Beifall. Auch auf dem Rathausplatz, wo sich die „Querdenker“ versammelten, herrscht seit vergangener Woche Maskenpflicht. Doch daran schienen sich einige Demonstranten provokativ nicht halten zu wollen. Einige wenige verzichteten im Schutz der Menge ganz auf eine Mund- und Nasenbedeckung, andere hatten Rauten in die grüne OP-Maske geschnitten. Das Ordnungsamt nahm davon Notiz, schritt während der Kundgebung augenscheinlich allerdings nicht ein. Auf Nachfrage bei der Polizei erklärte Stefan Weitkämper, dass Teilnehmer ohne Maske tatsächlich von der Ordnungsbehörde angesprochen und verwarnt wurden.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz lobte die gute Arbeit und Besonnenheit der Ordnungskräfte und freute sich, dass die Demonstration und damit „der Spuk“ schnell vorbei waren. Vom Balkon seines Büros aus hatte er das Geschehen verfolgt. Die Querdenker hätten ihr Demonstrationsrecht ausüben können, betonte das Stadtoberhaupt. Allerdings, merkte Mast-Weisz an, seien die Anwesenden keine Remscheider gewesen, sondern unter anderem aus Oberhausen, Dortmund und Olpe angereist. „Solche Leute, die unsere Gesellschaft spalten wollen, brauchen wir bei uns nicht.“

Er freute sich daher über den Gegenwind der Remscheider Bevölkerung, die sich innerhalb weniger Tage für eine Gegendemonstration am Markt organisiert hatten und auch in den sozialen Netzwerken ihren Unmut gegenüber den Querdenkern äußerten. Anne-Marie Faßbender, Vorsitzende von „Remscheid Tolerant“, hatte die Gegendemonstration als Privatperson angemeldet, „weil wir im Vorstand so schnell keinen Beschluss fassen konnten.“ Doch Mitglieder des Aktionsbündnisses sowie der Aktion „Muteinander“, die Remscheider SPD und der Verein „My Viertel“ halfen tatkräftig mit, erstellten binnen weniger Tage bunte Banner und Plakate, die seit Samstag an einigen Masten für Respekt, Abstand, Hygiene und Alltagsmasken plädieren.

„Ich bin wie immer positiv überrascht, wie solidarisch unserer Stadt ist und wie super wir zusammenhalten, wenn es darauf ankommt“, sagte Faßbender. Bereits kurz vor 13 Uhr, zum Beginn der Gegendemo, hatten sich am Markt über 25 Teilnehmer eingefunden, als der Einsatzleiter der Polizei sie über die Absage der „Querdenker“-Demo informierte. „Wir haben natürlich gejubelt.“ Corona-Maßnahmen dürften selbstverständlich infrage gestellt werden, urteilte Faßbender: „Allerdings sollte man darauf achten, mit welchen Leuten man bei so einer Demo aufmarschiert.“