Ansichtssache: Remscheider Zentralbibliothek first

Ansichtssache : Zentralbibliothek first

Die Bücherei wird in Zukunft für das Leben in der Stadt eine zentralere Rolle spielen als der Umbau des Friedrich-Ebert-Platzes.

Die Zentralbibliothek an der Scharffstraße gehört zu den stillen Flaggschiffen im Leben der Stadt. Sie könnte sich zu einem Aushängeschild für eine offene Bürgergesellschaft weiter entwickeln, wenn heute die Weichen für morgen gestellt werden. Dafür braucht es gute Ideen. Die sind vorhanden. Es braucht vor allem politische und finanzielle Unterstützung. Die ist nicht vorhanden. Die Bücherei wird in Zukunft für das Leben in der Stadt eine zentralere Rolle spielen als der Umbau des Ebertplatzes. Es geht um die Kernkompetenz des Lesens, um den Umgang mit Informationen und neue Formen des Lernens. Es ist nicht zu übersehen, dass die Zahl der Elternhäuser weiter abnimmt, in denen das Buch noch eine Rolle spielt, in denen das Vorlesen von Geschichten noch zum Ritual vor dem Einschlafen gehört. Die Gründe dafür sind vielfältig, die Folgen gravierend. Auch in diesem Bereich gibt es einen Klimawandel, der zu geistiger Dürre führt – wenn nicht gegengesteuert wird.

Die Zentralbibliothek kann einen größeren Beitrag dazu leisten, dass Kinder die Erfahrung machen, dass Lesen ihnen gut tut. Lesen ohne Notendruck, lesen aus Freude, lesen, was ich will, lesen, so viel ich will, gemeinsam lesen, Bücher austauschen, über Bücher reden – für das und vieles mehr steht die Bibliothek der Zukunft. Sie sollte zu einem Ort der Begegnung umgebaut werden. Dazu braucht sie eine andere Atmosphäre. Mehr Sofas und Sessel, kleine Ecken für Treffpunkte, eine Kaffeebar, neue Öffnungszeiten. Sie braucht Veranstaltungen aller Art für alle Altersgruppen. Und sie braucht kompetentes Personal, das die Kultur des Lesens leidenschaftlich unterstützt. Leider gibt es keinen Förderverein für die Zentralbibliothek, so wie in Lennep und Lüttringhausen. Das ist schade. Er würde beim Umbau zu einem Kulturzentrum helfen, in dem man sich treffen kann, auch ohne ein Buch auszuleihen.

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