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Anklage gegen Remscheider - Zeugen mit Gedächtnislücken

Remscheider vor dem Landgericht : Große Gedächtnislücken bei den Zeugenaussagen

Etwas über ein Jahr ist es her, dass auf dem Bürgersteig der Blumenstraße in Richtung Markt eine schwarze Limousine den Betreiber eines arabischen Lokals angefahren und verletzt hatte. Danach soll der Fahrer ohne zu bremsen wieder auf die Blumenstraße gefahren und ins Dunkle der Nacht geflüchtet sein.

Poltern durch umgefahrene Mülltonnen, Schreie der Zuschauer und aufheulendes Motorengeräusch: Bei Zeugen hatte der „Unfall“ für Angst und Schrecken gesorgt. Und genau so hatten sie es den herbeigeeilten Polizeibeamten in allen Einzelheiten geschildert. Erstaunlich nur, dass einige der nun vernommenen Tatzeugen am Landgericht in Wuppertal sich ein Jahr später an nichts erinnern konnten. Direkt nach der Tat hatten sie noch Name und Anschrift des mutmaßlichen Fahrers zu Protokoll gegeben und auch, dass es bereits vorher einen heftigen Streit zwischen Opfer und Angeklagtem gegeben habe. Jetzt aber wurden die damaligen Aussagen als „bösartige Erfindungen der Polizei“ dargestellt und als „unter Schockstarre zusammenfantasiert“.

Ob der Angeklagte der Fahrer gewesen sei? Nichts gesehen. Die Vorhaltungen des Gerichts und des Staatsanwalts wurden nicht nur in Zweifel gezogen –  mit der Bemerkung „Schwachsinn“ und „das ist ja wie bei RTL“ entkam einer von ihnen nur knapp an einer Ordnungsstrafe und einer Beleidigungsklage.

Immerhin konnte sich einer der drei Zeugen erstaunlich detailgenau an die Erste-Hilfe-Maßnahmen erinnern, mit denen er das Opfer versorgt hatte – alles andere habe er vergessen. Die Ermahnung des Gerichts, dass Falschaussagen und Verschweigen von Details strafbar sein können, weckte bei den Zeugen weitere Aggressionen. Ob sie dem Angeklagten mit ihrem Auftritt einen Gefallen getan haben, bleibt abzuwarten. Da noch ein wichtiger Zeuge wiederum unentschuldigt fehlte, wird dessen polizeiliche Vorführung abgewartet, bevor im Juni das Urteil verkündet werden soll.