Angeklagter erhält Drohbrief

Prozess gegen Ex-Rocker : Angeklagter erhält Drohbrief

Der Angklagte soll seine ehemalige Freundin geschlagen und zur Prostitution gezwungen haben. Das frühere Mitglied der Osmanen Germania hat einen Drohbrief ins Gefängnis geschickt bekommen.

Dazu soll er auch noch dem Wuppertaler Chapter der Osmanen Germania öffentlichkeitswirksam den Rücken gekehrt haben. Letzteres soll ihm Morddrohungen eingebracht haben. Sein Anwalt hatte schon vor dem Prozessauftakt davon gesprochen, dass man seinen Mandanten „wegmachen“ wolle und er froh sei, dass der sich derzeit in Untersuchungshaft befinde.

Die Vorwürfe der Zwangsprostitution und der Körperverletzung hatten dem damals in Remscheid wohnenden Angeklagten eine Anklage beim Amtsgericht und eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten eingebracht. Damals hatte der 35-Jährige offenbar gegen frühere Vereinsmitglieder der Osmanen Germania ausgesagt, was diese ebenfalls auf die Anklagebank gebracht hat. Nun wird vor dem Wuppertaler Amtsgericht die Berufung des Angeklagten verhandelt. Und der fünfte Verhandlungstag sorgte schon gleich zu Beginn für den ersten Aufreger.

Offenbar hatte man aus der Gefängnispost des Ex-Rockers einen anonymen Brief herausgefischt, der nun unter den Prozessbeteiligten herumgereicht wurde. „Mein Mandant wurde bedroht. Er soll die Klappe halten, die Brüder seien überall“, kommentierte der Anwalt des Angeklagten den Inhalt des Briefes. Nachdem der den Brief im Gerichtssaal erstmals zu Gesicht bekommen hatte, drängte er auf eine Pause. Offenbar auch, um seine Familie zu warnen.

Der Tag brachte noch weitere Überraschungen mit sich. Über mehrere Wochen hinweg hatte das Gericht versucht, eine ehemalige Freundin des Angeklagten in den Zeugenstand zu laden. Sie war schon zu früheren Verhandlungstagen geladen worden und kam nicht. Nun war sie endlich da und offenbar auch bereit, in der Sache auszusagen.

Was sie zu sagen hatte, brachte ihr nach ihrer Zeugenaussage den Hinweis des Vorsitzenden Richters und auch der Staatsanwältin ein, wegen Falschaussage angezeigt und gleich aus dem Gerichtssaal heraus verhaftet werden zu können.

Was war passiert? Die 23-Jährige will nicht nur eine Beziehung mit dem Angeklagten gehabt und mit ihm gemeinsam in Remscheid gewohnt haben, sondern auch noch das zum Tatzeitpunkt 18-jährige Opfer gekannt haben. Beide Frauen sollen sich im Frauenhaus kennengelernt haben und fortan gemeinsam unterwegs gewesen sein. „Man durfte das zwar nicht, aber wir sind trotzdem alle nachts rausgegangen“, gab die Zeugin Einblicke in die Abläufe im Frauenhaus. Dazu gehörte auch die Information, dass die 23-Jährige und deren von einer Nebenklageanwältin vertretene Freundin aus dem Frauenhaus geworfen worden sein sollen, weil sie dort eine dritte Frau massiv bedroht haben sollen.

Nun also plauderte die Zeugin munter drauflos über ihre Beziehung mit dem Angeklagten, der danach mit der Freundin liiert gewesen sein und diese laut Anklage zur Prostitution gezwungen haben soll. Von Zwangsprostitution könne aus Sicht der jungen Frau hingegen keine Rede sein – schon vom Frauenhaus aus soll das vermeintliche Opfer über eine Internetplattformen diversen Männern freiwillig Sex für Geld angeboten haben. Auch später soll sich die Freundin prostituiert haben, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. „Was Sie uns hier erzählen, ist Unsinn. Glauben Sie wirklich, das sie mit einer solch aalglatten Geschichte durchkommen?“, ließ der Richter die Zeugin wissen, dass er die Aussage für eine Lüge hielt. Sollten sich deren Angaben dennoch bestätigen lassen, stünde wiederum die Anklage auf ziemlich wackeligen Beinen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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