Angeklagter bestreitet Vorwürfe bei Strohballenbrand nahe Lennep

Landgericht verhandelt Strohballenbrand nahe Lennep : Angeklagter bestreitet Vorwurf

67-Jähriger streitet ab, mit dem Strohballenbrand zu tun gehabt zu haben.

Vor einer Woche hatte die Berufungsverhandlung in Sachen „Strohballenbrand“ nahe Lennep dramatisch begonnen: Gerade beim Landgericht angekommen, war einer der beiden Angeklagten auf die Intensivstation eines Krankenhauses eingeliefert worden. Der 67-Jährige hatte sich nicht wohl gefühlt, die herbeigeeilte Notärztin hatte eine akute Blutdruckkrise diagnostiziert. War damals nicht sicher, ob die Berufung des 67-jährigem zeitnah weiterverhandelt werden könne, so ist jetzt klar: Der Angeklagte ist trotz gesundheitlicher Probleme verhandlungsfähig. Um das eindeutig feststellen zu können, hatte ihn ein Gutachter in der Haftanstalt besucht.

„Er hatte ein großes Redebedürfnis“, fasste der Sachverständige das Gespräch zusammen. Der Angeklagte habe ihm von Vorerkrankungen erzählt und auch von seiner Befürchtung, an Krebs erkrankt zu sein. Eine solche Diagnose könne er aus gutachterlicher Sicht hingegen nicht bestätigen. Und auch von einer Suizidgefährdung sei nicht auszugehen. Dass man ihm diese in der Haftanstalt unterstellt habe, brachte den Blutdruck des Angeklagten erneut in Wallung. „Wenn nachts alle fünf Minuten jemand in die Zelle kommt und ich mich bewegen muss, ist das nicht förderlich für meine Gesundheit“, beklagte er die „Belästigung“ durch Justizvollzugsangestellte.

Zuvor hatte der psychiatrische Gutachter ausgeführt, dass sich der Angeklagte in der Untersuchungshaft und auch von der Kammer schlecht behandelt fühle. Das Gefühl, unverstanden zu werden, trage er allerdings schon seit Kindertagen mit sich herum. Irgendwann sei er auf die „schiefe Bahn“ geraten - es folgten 19 Jahre in der Justizvollzugsanstalt. Von dort entlassen, habe er sich vereinsamt gefühlt und sei überfordert gewesen. Der Angeklagte selbst sagte dazu: „Ich kam raus und war allein. In der Haft hatte ich wenigstens Sozialkontakte“. Dazu seien innerhalb von zwei Wochen sein Bruder und seine Schwester gestorben - den Tod der Mutter habe man ihm auch erst viel später mitgeteilt.

Nun sitze er seit neun Monaten wieder in Haft – die Schulden und eine Räumungsklage hätten seinen Blutdruck erneut nach oben getrieben. Und die Brände, die ihm die Anklage gemeinsam mit dem bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilten Mitangeklagten vorgeworfen hatte? Nein, damit habe er nichts zu tun. Sein 23-jähriger Bekannter sei damals kurz im Gebüsch verschwunden und als beide wenig später von der Polizei aufgegriffen worden seien, habe der einen Hustenanfall gehabt und sei mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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