Remscheid: Angeklagte nimmt Berufung zurück

Remscheid : Angeklagte nimmt Berufung zurück

Vor dem Brunnen am Allee-Center eskalierte ein Streit um einen Hundehaufen.

Es ging mal wieder um Hinterlassenschaften. Nein, nicht um die großen Erbschaften, um die so gerne gestritten wird. Für Aufregung vor dem Wuppertaler Landgericht sorgte stattdessen der Hundehaufen auf dem Bürgersteig, den der Vierbeiner einer 55-jährigen Remscheiderin dort hinterlassen hatte. Genau genommen gehörte der Hund ihrer Tochter, was die Mutter jedoch nicht davon abhielt, sich wie eine Furie aufzuführen.

Aber was war überhaupt passiert? Es ging ums große Hundegeschäft - obwohl das eigentlich für das Verfahren nicht ausschlaggebend war. Das waren eher die Schläge und Kratzwunden, die die Angeklagte einer Passantin vor dem Brunnen am Allee-Center-Platz zugefügt hatte. Die wiederum hatte es gewagt, einen Protest anzubringen, als sie versehentlich in das reingetreten war, was der Hund an der Stelle hinterlassen hatte.

Das kam augenscheinlich nicht gut an und brachte auch kein Glück. Denn im Nu eskalierte der Streit lautstark, die Angeklagte - so die Zeugen - wurde zur Furie. Sie würgte und kratzte die Protestführerin, bis ein Passant die Frauen auseinanderriss und die mittlerweile alarmierte Polizeistreife für Klärung sorgen konnte.

Es sei nicht ganz einfach gewesen, die aggressive Angeklagte soweit zu zähmen, dass die Aufnahme der Personalien möglich war und auch, dass eine Vernehmung ohne dauerndes Stören durchgeführt werden konnte. Und selbstverständlich gab's völlig gegensätzliche Schilderungen des Vorfalls. Die gingen bis dahin, dass Mutter und Tochter behaupteten, die Angegriffene habe sich ihre Verletzungen selbst zugefügt.

Schon das Remscheider Amtsgericht konnte nach Abwägung aller Zeugenaussagen diese Schilderung augenscheinlich nicht ernst nehmen und hatte die Angreiferin im Vorverfahren zu einer Geldstrafe von 4000 Euro verurteilt.

Einen schlechten Eindruck hatte offenbar auch ihr umfangreiches Vorstrafenregister hinterlassen. Von ähnlich gearteten Gewalttaten bis hin zu räuberischer Erpressung: Als "Kind von Traurigkeit" ging die Angeklagte vor Gericht nicht gerade durch.

Auch jetzt in der Berufungsverhandlung verlangte sie deutlich hörbar nach Gerechtigkeit - wobei ihre Vorstellung davon definitiv eine andere war als die der Kammer. Dort sah man keine Milderungsgründe, die Zeugenaussagen waren eindeutig.

Stattdessen Kopfschütteln auf der Richterbank und der Hinweis auf noch deutlich unangenehmere Konsequenzen. Natürlich dürfe jeder Angeklagte behaupten, was er wolle und müsse sich nicht selbst belasten. Diese Freiheit gelte jedoch nicht für Zeugen wie die Tochter der Angeklagten, die im Zeugenstand zur Wahrheit verpflichtet sei.

Könne man ihr eine Falschaussage nachweisen, würden empfindliche Strafen drohen. Hätte die Angeklagte also ihre Berufung aufrechterhalten, hätte der Staatsanwalt die bislang noch nicht erfolgte Strafanzeige wegen Falschaussage gegen die Tochter der Angeklagten auf den Weg gebracht.

Es brodelte mal wieder unübersehbar in der Angeklagten und deren Anwältin hatte große Mühe, sie zur Rücknahme der Berufung zu bewegen.

Der Tritt in den Hundehaufen bringt Glück? In diesem Fall wohl eher nicht.

(RP)
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