Remscheid: An dieser Schule schmeckt die Arbeit

Remscheid : An dieser Schule schmeckt die Arbeit

Mit einem Stand auf dem Wochenmarkt nahm das Team von "Catering & Eingemachtes" gestern am Tag der Produktionsschulen teil. Sozialdezernent Thomas Neuhaus ist optimistisch, dass die Arbeit weitergehen kann.

Pulled-Porked-Burger mit amerikanischem Krautsalat, dazu ein eisgekühlter Smoothie aus Pfirsich und Wassermelone. Was das Team von "Catering & Eingemachtes" gestern in einem Verkaufswagen auf dem Wochenmarkt vor dem Rathaus anbot, hätte sicher auch beim Park Food Festival am vergangenen Wochenende im Stadtpark seine Abnehmer gefunden.

Das bei der Arbeit Remscheid angesiedelte Projekt zur Integration von schwer zu vermittelnden jungen Menschen in den Arbeitsmarkt nutzte den gestrigen bundesweiten Tag der Produktionsschulen, um noch mal öffentlich Werbung für seine Dienste zu machen. In den vergangenen Monaten habe die Zahl der Catering-Aufträge zugenommen, berichtet Koch Jan de Buhr. Sein Team liefert Essen für Grillpartys und Familienfeste.

Doch die Fortsetzung des mit einer guten Vermittlungsquote daherkommenden Projektes wackelt. Weil die neue NRW-Landesregierung auf einen anderen Ansatz setzt, läuft die finanzielle Förderung durch das Land Ende August aus.

Das Jobcenter Remscheid würde ab Anfang 2020 einspringen. Nun gilt es, die Zwischenzeit zu überbrücken - und die dafür benötigten rund 100.000 Euro aufzutreiben. Geprüft werde, ob das Jobcenter an anderer Stelle Gelder loseisen kann, hatte Sozialdezernent Thomas Neuhaus am Abend zuvor im Hauptausschuss berichtet. Denkbar sei auch, über Spendenakquise das Projekt zu retten.

Dass die Stadt selber Geld zuschießt, hat der Verwaltungsvorstand ausgeschlossen. Es könne nicht sein, dass die Stadt erneut einspringen müsse, weil das Land oder der Bund einem erfolgreich gestarteten Projekt die Zuschüsse streiche, sagte Kämmerer Sven Wiertz (SPD) und erinnerte an die immer wieder aufs Neue geführten Diskussionen um die Schulsozialarbeit.

Neuhaus gab sich gestern beim Besuch auf dem Wochenmarkt optimistisch: "Es sieht positiv aus."

Die Politik hat der Verwaltung klargemacht, dass sie möchte, dass die Stadt einen Weg findet, diese niedrigschwellige Qualifizierung fortzusetzen. Gerade für die Zielgruppe der unter 25-Jährigen sei der verfolgte Ansatz ideal, sagte SPD-Fraktionschef Sven Wolf.

Die Teilnehmer des Projektes hätten bereits viele Negativerlebnisse hinter sich, berichtete de Buhr gestern. Vorrangiges Ziel sei es nicht, gastronomischen Nachwuchs auszubilden, sondern die jungen Menschen überhaupt wieder an den Arbeitsmarkt und seine Erfordernisse heranzuführen.

Dafür bietet die Teamarbeit in der Küche offenbar gute Ansätze. Sie liefert täglich sichtbare Erfolgs-Ergebnisse, die man schmecken kann - und verkaufen. Wenn es gerade keinen Catering-Auftrag gibt, produziert die Schule Soßen oder Marmelade. Gestern wurde passend zum Burger auch eine Würzmischung (Rub) verkauft, mit der das Schweinefleisch eingerieben wird.

(hr)
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