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Remscheid: "Amazon ist keine Stadt"

Remscheid : "Amazon ist keine Stadt"

Ausstellung thematisiert Leerstände auf der Alleestraße. Fernseher in Schaufenstern mit dem Handy ansteuern.

Lange waren die Schaufenster im leerstehenden Geschäft des früheren Herrenausstatters Vogel auf der unteren Alleestraße dunkel. Seit gestern leuchten dort in kräftigem Blau mehrere große Fernsehschirme. Vorbeigehende Passanten drückten sich am Morgen schon neugierig die Nase an der Scheibe platt. Tut sich hier wieder was, kommt ein neues Geschäft?

Damit hat die Ausstellung "Gute Geschäfte - was kommt nach dem Einzelhandel?" ihr erstes Ziel schon erreicht. Sie will sensibilisieren für die Bedeutung eines lebendigen Einzelhandels in den Innenstädten. Mit dem Verschwinden kleinerer inhabergeführter Geschäfte gehe "ein Stück Stadtkultur" verloren, sagt Tim Rienits von der Landesinitiative Stadtbaukultur NRW 2020. Sie hat die Ausstellung konzipiert, um sowohl Verbraucher als auch Ladenbesitzer anzusprechen. Finanziert wird das Projekt vom Land NRW.

Mit dem Smartphone lassen sich die blauen Bildschirme bei Vogel aktivieren. Die Passanten sehen dann Beispiele, mit welche Konzepten es in anderen Städten gelungen ist, leerstehende Geschäftsräume wieder zu beleben. Können sie als Vorbild für Remscheid dienen? Diese Frage steht beim Betrachten gleich mit im Raum.

In insgesamt acht leerstehenden Ladengeschäften wird die Ausstellung bis zum 29. Oktober zu sehen sein. Dabei wird auch die Rolle des Kunden thematisiert. "Amazon ist keine Stadt" steht in der alle Standorte verbindenden blauen Schrift auf einer Schaufensterscheibe. Die Tendenz, Waren zunehmend im Internet zu bestellen oder den Einkauf komplett im großen Verbrauchermarkt am Stadtrand zu erledigen, sind Faktoren, die den Niedergang auch der Alleestraße beflügelt haben.

Ralf Wieber von der Immobilien und Standort-Gemeinschaft (ISG) Alleestraße und Joachim Karp von der Wirtschaftsförderung der Stadt haben die Ausstellung im November 2016 bei ihrer Premiere in Herten gesehen, und sich spontan dazu entschlossen, sie auch nach Remscheid zu holen. Brennen doch die angesprochenen Themen in Remscheid genauso unter den Nägeln wie im nördlichen Teil des Ruhrgebiets.

Für das Pressegespräch hatten die Veranstalter gestern das noch nicht so lange leerstehende Schuhgeschäft Rohr auf der unteren Alleestraße gewählt. Jochen Rohr steht stellvertretend gleich für zwei Themen der Ausstellung. Sein Schuhgeschäft hat dem steigenden Konkurrenzdruck durch Online-Handel und dem zeitgleichen Verschwinden der Kunden von der Allee Tribut zollen müssen. Als Inhaber der Immobilie ist er nun daran interessiert, eine wirtschaftliche Nachnutzung zu finden. Er sei dankbar, dass die Ausstellung neue Ideen und Ansätze für den Kampf gegen den Leerstand mitbringe, sagte Rohr.

Eröffnung In den Räumen in der Alleestraße 10 wird die Ausstellung heute um 19 Uhr offiziell von Oberbürgermeister Mast-Weisz eröffnet Gäste sind willkommen..

(hr)