Remscheid: Altem Holz neues Leben eingehaucht

Remscheid: Altem Holz neues Leben eingehaucht

Balken aus Röntgens Geburtshaus gestaltet Johannes Küßner zu Skulpturen.

Was möglicherweise als Abfall oder Bauschutt entsorgt worden wäre, hat Johannes Küßner für die Nachwelt erhalten. Aus alten, verwitterten Holzbalken aus dem Geburtshaus Wilhelm Conrad Röntgens hat der Lenneper Künstler teils mannshohe Skulpturen gefertigt, die jetzt im Foyer des Deutschen Röntgen-Museums gezeigt werden.

Die massiven Eichenbalken tragen die Spuren der Vergangenheit. Wenn er auch bei der Bearbeitung mit Dremel, Bürste und Schleifpapier den Hölzern ein neues Antlitz verliehen hat, hat Küßner die sichtbare Patina nicht verändert. Die grobe Holzstruktur, Zapfenlöcher und auch der Wurmfraß ist in Teilen immer noch gut sichtbar.

Als "Transformation einer alten Geschichte in die heutige Zeit", bezeichnet Küßner, der im Lenneper Kraspütt die "Galerie Rouge" betreibt, seine Arbeiten. "Die Balken haben viel erlebt und geben uns Informationen auch von denen, die in dem Haus gelebt haben", ergänzt er. So sind es ausschließlich Menschen, die seine Objekte zeigen.

Interessant ist da etwa ein Trio aus unterschiedlich großen Figuren, die in der Mitte des Raumes zwischen einer Sitzgruppe platziert wurden. Die "drei Weisen", wie der Künstler die Gruppe genannt hat, wenden sich einander zu und scheinen angeregt in ein Gespräch vertieft. Auch wenn die Gesichter nur angedeutet sind, liegt vor dem Hintergrund des Ausstellungsortes der Vergleich mit drei diskutierenden Wissenschaftlern nahe.

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Überhaupt scheint Johannes Küßner zu jeder seiner Skulpturen eine Beziehung zu entwickeln. Je nach Beschaffenheit des Holzes wählt er die Namen. "Luna" trägt einen Mond aus Metall, "Herzensnah", "Stolz" oder "Ruhe" hat er andere Arbeiten genannt und damit aus dem natürlichen Material einen Charakter geschaffen.

Museumsdirektor Uwe Busch wünscht sich, dass die Objekte bei einem der nächsten Röntgen-Kongresse einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Vielleicht, so denkt er nach, könnte man die Ausstellung im nächsten Jahr bei der Veranstaltung in Leipzig zeigen. "Es wäre doch interessant, mit den Mitteln der Kunst auf unser Projekt Geburtshaus aufmerksam zu machen", sagt er in Bezug auf die umfangreichen, kostenträchtigen Sanierungsarbeiten am denkmalgeschützten Gebäude am Lenneper Gänsemarkt.

Wie berichtet, soll aus dem Haus eine Tagungs- und Begegnungsstätte entstehen. Dafür werden derzeit Spendenmittel eingeworben.

(bona)