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Remscheid: Als die Telefone noch eine Gabel hatten

Remscheid : Als die Telefone noch eine Gabel hatten

"Das riecht nach Heimat". Mit seinem dritten Programm tourt Christian Pape derzeit auf den Kleinkunstbühnen und gastierte jetzt im Rotationstheater in Lennep. An seiner Seite der "Leiter der kleinsten Big Band", Dr. Stefan Bimmermann, kongenialer Keyboarder, unverzichtbarer Bühnenbegleiter und "lecker wie ein Schmalzbrot".

Mit rheinländischem Humor beseelt, hatte Pape schon nach den ersten Sätzen die Zuschauer sympathietragend auf seiner Seite und der lockere Plauderton passte zum familiären Ambiente der anheimelnden Kleinkunstbühne. Nicht nur in Wegberg, im Ortsteil Beeck, Kreis Heinsberg in NRW, liegt seine persönliche Heimat, denn "am schönsten isset immer noch zu Hause".

Mit trockenem Humor fesselte er das Publikum und weckte heimatliche Gefühle in Erinnerungen an die "Relikte der Kindheit". Redselig beteiligten sich die begeisterten Zuhörer und standen Rede und Antwort. "Wir hatten früher nur drei Programme das Erste, das Zweite und Schnee". Kaum ausgesprochen, wurden laute Erinnerungen an das "Antennenhalten" wach, die Pape mit pointierten Kommentaren zur Spitze trieb und für permanente Lachsalven sorgte.

Kein pharmazeutisches Heilmittel befreite den Rheinländer vom grippalen "Fipps", sonders Ommas Nudelschüssel. "Mit der wurde inhaliert!". Gedanken an die ersten grünen Telefone mit Wählscheibe im Flur wurden auch vom Publikum verbalisiert. Was heute die Handyschale, war eben damals bei den "Bessergestellten" der Chic der Brokatverkleidung. "Und jetzt mal ehrlich: Sag mal heute einem Jugendlichen, er soll den Hörer auf die Gabel legen. Der läuft zum Besteckkasten!"

Familiäre Begebenheiten mit Tochter Amelie und seiner Frau "dat Silvia", seinem mitmenschlichem Denken wie Schwiegermutter Rosmarie bloß "mit ihren Krähenfüßen in die Schuhe kommen mag" und dem aufkommenden Heimatgefühl bei den Gedanken an Mamas Kochkünste, der quirlige Comedian machte Heimaterinnerungen zu einer individuellen Zeitreise.

Musikalisch untermalt vom altbackenen Pullunderträger Dr. Bimmermann, sang das Publikum selbst alte Kinderlieder lautstark mit. "Das hättest du vor zwei Stunden nicht gedacht, dass du Fuchs du hast die Gans gestohlen singst und dafür noch bezahlst".

Niemanden wunderte es noch, dass die beiden auch tänzerisch versiert sind. Vor der Zugabe wurde es nachdenklich: Das Umsiedeln von Dörfern durch den Rheinbraun-Abbau und das ehrliche Mitgefühl gegenüber den Flüchtlingen beeindruckte sichtlich. "Heimat kann man nicht umsiedeln."

(RP)