Alarmzeichen für die Bildungslandschaft in Remscheid

Ansichtssache zur Bildungslandschaft in Remscheid : Alle Schulen brauchen „Fortasia“

Verantwortlich für das schlechte Abschneiden bei Pisa sind die Leistungsschwachen und die Migrantenkinder. Sie brauchen Hilfe.

Die Pisa-Studie der OECD ist ein Alarmsignal für die Remscheider Bildungslandschaft. Denn sie bestätigt nun offiziell, was man immer wieder aus den Schulen hinter vorgehaltener Hand hört: Die Grundfähigkeiten der Kinder und Jugendlichen in Lesen, Schreiben und Rechnen nimmt weiter ab. Trotz aller Bemühungen ist es nicht gelungen, dass der größte Teil der Kinder ihr Grundrecht auf eine gute Bildung wahrnehmen (können). Verantwortlich für die schlechte Entwicklung sind ausgerechnet jene Schüler, die schon vor 20 Jahren als das größte Problem des deutschen Bildungssystems ausgemacht wurden: die Leistungsschwachen, die Jungen und Mädchen aus benachteiligten Familien, die Migrantenkinder. 20,7 Prozent der getesteten Neuntklässler lesen auf dem Niveau eines Grundschülers, bei Pisa 2000 lag der Wert, der die Nation bestürzte, bei 22,6 Prozent.

Der Anteil an Bürgern mit Migrationshintergrund ist in Remscheid hoch. Er liegt inzwischen bei gut einem Drittel. Außerdem leben in der Werkzeugstadt viele Menschen, die auf die Unterstützung des Staates angewiesen sind. Jedes fünfte Kind lebt an der Armutsgrenze. Das sind keine guten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bildungsweg. Wenn der Satz noch gelten soll, kein Kind darf verloren gehen, sollte man vor Ort überlegen, wie auf diesen Bildungsnotstand reagiert werden kann. Es gibt dafür sehr gute Beispiele. „Fortasia“ heißt der Leseclub im Untergeschoss des EMA-Gymnasiums, in einer ehemaligen Hausmeisterwohnung. Es ist der erste Leseclub im Bergischen Land, der in einer Schule untergebracht ist und nur wenig mit Schule zu tun hat. Die Freude am Lesen wollen die Pädagogen in Leichtigkeit vermitteln. Denn alle wissen, Lesen und der Umgang mit Büchern verliert an Anziehungskraft bei den Kindern. Grund: Es gibt immer mehr Eltern, die nicht lesen oder vorlesen. Also bleiben die Kinder auf der Strecke, wenn sie nicht durch Zufall in einem Leseclub wie dem an der EMA landen. Eigentlich bräuchte jede Schule einen Leseclub wie „Fortasia“. Mit der Initiative „Möhrchen“ ist gesichert, dass kein Kind in der Schule hungern muss. Einen ähnlichen Einsatz fürs Lesen, Schreiben und Rechnen ist nötig. So wie ihn Lehrer ehrenamtlich leisten, die Migrantenkinder in den Ferien unterrichten. Vorbildlich.