Aktion für vermisste Remscheiderin Leonie

Aktion für vermisste Remscheiderin : Hunderte Luftballons erinnern an Leonie

2016 verschwand die damals 15-jährige Remscheiderin spurlos. Ihre Tante gibt die Hoffnung nicht auf, sie wiederzufinden.

Einige hundert bunte Luftballons stiegen am Samstagnachmittag zum grauen Remscheider Himmel auf. „Leonie Gritzka immer noch vermisst!!!“ – heißt es auf der Karten, die von den Ballons davon getragen wurden. „Bitte schnappen Sie sich jetzt einen Luftballon, damit wir sie nicht vergessen“, hatte Melanie Petrick mit dem Megafon auf dem Theodor-Heuss-Platz am Remscheider Rathaus Freunde, Verwandte und Bekannte aufgefordert.

Die Tante und Patin des vermissten Mädchens hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, nach Leonie zu suchen. „So viele Kinder werden vermisst, nach denen niemand mehr sucht. Das soll mit Leonie nicht passieren“, sagte Melanie Petrick. Die Suche nach Leonie habe sie erfinderisch gemacht. Sie hoffe nach wie vor auf einen Hinweis auf ihre Nichte. Auch ein Foto der spurlos verschwundenen Leonie ist auf der Karte abgebildet.

Die damals 15-Jährige war mitten in Remscheid vor der Stadtsparkasse an der oberen Alleestraße am 22. Juli 2016 zuletzt gesehen worden. Sie verabschiedete sich dort von einer Freundin und stieg dann zu zwei älteren Männern in einen Pkw mit Kölner Kennzeichen.

In fetten Lettern trägt die Karte die Notrufnummer der Polizei (110) und die Direktwahl zum Sachbearbeiter bei der Kripo (0202/284 12 20), wo Hinweise auf Leonie entgegengenommen werden. Sollte Leonie leben, wäre sie heute volljährig. Im April hätte sie ihren 18. Geburtstag feiern können.

Ihre Tante, die in Hückeswagen zu Hause ist, hatte Leonies Freundinnen an diesem Tag zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Inständig hoffte sie auf einen Anruf ihrer Nichte, denn die nun volljährige Leonie hätte dann nicht mehr befürchten müssen, dass andere über ihr Leben bestimmen. Aber der erhoffte Anruf blieb aus.

Überhaupt gibt es seit dem Verschwinden des Mädchens nicht die geringste Spur von ihr. Leonie wurde in schwierige Familienverhältnisse hinein geboren. Mehrfach war das Mädchen in Pflegefamilien untergebracht, unter anderem auch in Hückeswagen, wo sie nach ihrem Verschwinden angeblich einmal gesehen wurde. Mit 15, als sie so plötzlich verschwand, lebte sie aber wieder bei ihrer Mutter.

In der Hoffnung auf Hinweise und damit Leonie nicht vergessen wird, hatte Melanie Petrick die Luftballon-Aktion am Samstag gestartet. „Das war mir vor zwei Wochen eingefallen“, sagte sie. „Ich habe gerade Urlaub und die Zeit, so etwas zu organisieren.“

Innerhalb weniger Tage gelang es ihr, Sponsoren und Unterstützer in ihrem Umfeld zu finden. Auch ihr Mann, der Malermeister Markus Petrick, war am Samstag ab Mittag auf dem Theodor-Heuss-Platz. Vor seinem Firmenfahrzeug hatte man einen Pavillon aufgebaut, um Menschen und Material vor den Regenschauern zu schützen. Leonies Geschwister halfen mit, die Karten an die Luftballons zu binden. Weitere Familienmitglieder und Freundinnen des verschollenen Mädchens waren dabei, aber auch viele Passanten beteiligten sich an der Aktion für Leonie.

Die Remscheiderin Melanie Hermanski war gekommen, um ein Zeichen für Leonie zu setzen. Sie hatte das Mädchen nicht gekannt, aber ihr Schicksal gehe ihr unter die Haut: „Vielleicht, weil ich selbst ein Kind in ihrem Alter habe“.

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