Ärzte warnen vor zu vielen Antibiotika

Gesundheit: Ärzte warnen vor zu vielen Antibiotika

Das Arztnetz Bergischland nimmt an einem Pilotprojekt teil. Hausmittel helfen bei Erkältungskrankheiten.

Das Arztnetz Bergischland, in dem etwa 40 Ärzte aus Remscheid und Umgebung mitwirken, nimmt seit Beginn des Jahres an einem Projekt teil mit dem Namen „ARena“. Der Name steht für „Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden“. Um das Bewusstsein für einen sinnvollen wie auch kritischen Umgang mit Antibiotika zu schaffen, gibt es ein Informations- und Kommunikationstraining sowohl für Ärzte wie auch für das Praxispersonal. „Um die Information zu verbessern, nehmen sich die Ärzte und Ärztinnen mehr Zeit für die Aufklärung über Antibiotika bei bestimmten, für das Projekt festgelegten Indexerkrankungen wie zum Beispiel häufige Infektionen der Atem- und der Harnwege, bei denen oft kein Antibiotikum notwendig ist“, sagt Martina Wetter, Vorstandsvorsitzende des Arztnetzes Bergischland. Nach den ersten Monaten findet die Kampagne gute Resonanz. Pressesprecherin Ute Köster zufolge sagen die Ärzte, dass sich die Patienten in der Regel sehr gut auf die strengere Haltung gegenüber Antibiotika einlassen.

Der falsche Einsatz und Umgang mit Antibiotika kann für den Patienten gravierende Folgen haben. Wer zu häufig Antibiotika nimmt oder sich nicht an die Dosierungsvorschrift hält, entwickelt eine Resistenz. Dieses hochwirksame und erfolgreiche Medikament kann bei Resistenz auch bei lebensbedrohlichen Erkrankungen nicht mehr helfen. Vielfach helfen bei harmlosen Krankheiten auch die alten Hausmittel. Das Arztnetz gibt Empfehlungen, wie zum Beispiel Erkältungskrankheiten zu kurieren sind – ohne Antibiotika.

Wie beugt man einer Erkältung vor? Zu den Schutzmaßnahmen zählen: Ausreichend trinken, bis zu zwei Liter am Tag, viel Bewegung an der frischen Luft, häufiges Händewaschen, ausgewogene Ernährung. Außerdem Hände im Gesicht vermeiden, geschlossene Räume regelmäßig lüften, entspannen und ausreichend schlafen.

  • Krankheiten, die auf Kälte reagieren

Wenn es einen doch erwischt hat, die Nase läuft und der Kopf schmerzt, müssen nicht direkt Antibiotika gegeben werden. Bei einer Viruserkrankung nützen sie so oder so nichts. Nur bei bakteriellen Entzündungen kommen sie in Betracht. Um das Immunsystem bei der Heilung zu unterstützen und um Symptome und Beschwerden zu lindern, empfehlen die Ärzte ein ganzes Paket an Maßnahmen.

Dazu zählt Schonung und viel trinken, ein Dampfbad und Nasenspülungen, mit Salzwasser gurgeln und Halsbonbons lutschen. Linderung verschaffen auch Hals- oder Brustwickel. Bei Fieber werden Wadenwickel empfohlen. Auch abschwellende Nasentropfen (gemäß Beipackzettel) können für ein freieres Atmen sorgen. Es spricht auch nichts dagegen, bei Schmerzen oder Fieber nach ärztlicher Rücksprache schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente einzunehmen wie Ibuprofen oder Paracetamol. Wann sollten die Patienten die Praxis aufsuchen? Wenn die Symptome nach zwei Wochen nicht abklingen.

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