68-Jähriger wegen Brandstiftung in Remscheid verurteilt.

Heuballenprozess: 68-Jähriger verurteilt : Gericht verhängt 40 Monate Haft

Heuballenprozess: 68-Jähriger wegen Brandstiftung und Körperverletzung verurteilt.

Am Ende war die Sache für den Berufungsrichter klar: Drei Jahre und vier Monate Haft wegen Brandstiftung und Körperverletzung für den 68-jährigem Angeklagten, der im Sommer 2017 gemeinsam mit einem Komplizen die Heuballen angezündet haben soll. Der Mitangeklagte (23) hatte zwar seine Berufung zurückgenommen – und dennoch seine Unschuld beteuert.

Die Berufungskammer hatte das Verfahren gegen den 23-Jährigenzuvor abgetrennt und ihn zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Auch der 68-Jährige behauptete bis zum Schluss, mit den Brandstiftungen nahe Birgden nichts zu tun zu haben. Sein Verteidiger hatte zuvor einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert. Grund: Die Indizien seien für eine Verurteilung nicht ausreichend.

Der Berufungsrichter sah die Sache hingegen anders. Demnach habe mit dem 68-Jährigen eindeutig der Brandstifter auf der Anklagebank gesessen. Die Kammer ging sogar soweit zu sagen, dass es der Angeklagte gewesen sei, der die Strohballen angezündet habe. Der ehemals mitangeklagte 23-Jährige sei nur Mitläufer gewesen. Die Beweisaufnahme hatte allerdings ergeben, dass nur der jüngere wegen einer Rauchvergiftung hatte behandelt werden müssen.

Für die Kammer waren die Indizien nach einer erneuten Beweisaufnahme dennoch ausreichend. Vor allem eine Zeugin habe die Angeklagten schwer belastet. Sie will beide schon zwei Tage vorher dabei beobachtet haben, wie sie die Heuballen mit einer Taschenlampe angeleuchtet hätten. Eine am Tatort installierte Wildkamera hatte beide drei Minuten vor dem Brand dort aufgenommen – dieselbe Zeugin hatte die Brandstifter später als diejenigen erkannt, die dort zuvor schon mit der Taschenlampe gestanden hätten.

Auch die ihm vorgeworfene Körperverletzung hatte der Angeklagte bis zum Schluss geleugnet. Er soll am Marktplatz mit einem Rentner in Streit geraten sein und den Mann mit dem Stock geschlagen und mit einer Waffe bedroht haben. Der 68-Jährige bestritt den Waffenbesitz und auch den Schlag mit dem Stockschirm. Die vom Opfer beklagte Platzwunde schob er dem 23-Jährigen in die Schuhe, der ihn auch damals begleitet haben soll.

Am Ende resümierte der Berufungsrichter nochmals das Leben des Angeklagten – wohlwissend, das der schon frühzeitig in schwierige Lebensumstände und auf die schiefe Bahn geraten sei: „Er hat keinen inneren Kompass und lässt sich launisch durch den Tag treiben.“ Nach der Verhaftung sei die Brandserie abrupt abgebrochen, seine Urteilsbegründung schloss der Richter mit den Worten: „Die beiden Angeklagten zogen damals marodierend durch das Bergische Land.“