Remscheid 45 Bewerbungen für die GMD-Stelle

Remscheid · Der Name Mihhail Gerts klingt bei den Mitgliedern der Bergischen Symphoniker wie ein hoher Schleifton im Ohr. Er tut weh und keiner will ihn mehr hören. 75 Prozent der Musiker haben dem jungen Dirigenten und promovierten Philosophen ihr Vertrauen geschenkt und ihn als Nachfolger von Generalmusikdirektor Peter Kuhn gewählt.

 Wer in der Spielzeit 2019/2020 die Bergischen Symphoniker dirigiert, steht noch nicht fest. Foto: Moll

Wer in der Spielzeit 2019/2020 die Bergischen Symphoniker dirigiert, steht noch nicht fest. Foto: Moll

Foto: Moll Jürgen

In den Proben und beim Gastdirigat hat er Eindruck hinterlassen. Doch Gerts schlug das Angebot aus, Generalmusikdirektor in Remscheid und Solingen zu werden. Er will weiter "Einspringer" für erkrankte Kollegen bleiben, hieß es.

So unhöflich sein Verhalten auch war, der Attraktivität der Stelle hat es nicht geschadet. Seit gestern liegen 45 Bewerbungen auf dem Tisch von Geschäftsführer Stefan Schreiner in seinem Büro in Solingen. 45 Bewerbungen mit "vielen interessanten Kandidaten", wie OB Burkhard Mast-Weisz betont. Die Bergischen Symphoniker sind eine gute Adresse, auch wenn sie für Gerts nicht gut genug war.

Die Findungskommission tritt nun Ende der Woche zusammen, um aus den Bewerbungen einige Kandidaten auszusuchen, die für die Aufgabe infrage kommen. Die Aufgabenbeschreibung lässt sich in vier Worten zusammenfassen: Er muss alles können. Das Orchester bedient so viele Formate - vom Schulkonzert bis zu Freilichtauftritten, vom Serenadenkonzert bis zum Philharmonischen Konzert, von der Musicalbegleitung bis zum Opernabend -, dass ein wirklicher Generalist gefordert ist.

Bis zum Ende des Jahres will die Findungskommission einen Dirigenten gefunden haben. Die Kommission besteht aus den beiden Oberbürgermeistern Tim Kurzbach und Mast-Weisz sowie Mitgliedern des Aufsichtsrates und Vertretern des Orchesters. Die Stimme der Musiker hat das größte Gewicht. Sie arbeiten in der privilegierten Lage, sich ihren Chef selbst bestimmen zu können. Dabei darf man sich die Abstimmungsprozesse nicht als einen lockeren Gesprächskreis vorstellen. Da stoßen disparate Welten aufeinander. Formal entscheidet am Ende der Aufsichtsrat. Ob es beim neuen Bewerbungsverfahren wieder ein öffentliches Vorspielen geben wird, oder nur Probenbesuche angesetzt werden, ergibt sich aus der Anzahl der Kandidaten, die zu Vorstellungsgesprächen geladen werden. Derweil bastelt GMD Peter Kuhn am Programm für die Saison 2019/2020, in der er selbst nicht mehr am Pult steht. Zumindest die Solisten für die Philharmonischen Konzerte wird er buchen. Solche Auftritte haben bis zu zwei Jahren Vorlaufzeit. Es ist guter Brauch, pro Saison auch Gastdirigenten den Stab zu überlassen. Fest steht nur, Mihhail Gerts ist nicht dabei.

(RP)