Remscheid: 100 Jahre Gewag im Schnellwaschgang

Remscheid: 100 Jahre Gewag im Schnellwaschgang

Eine Theaterrevue zeigt wichtige Stationen der Firmengeschichte. OB Mast-Weisz dankt für Hilfe in der Flüchtlingskrise.

Eine Jubiläumsfeier der etwas anderen Art erlebten am gestrigen Donnerstag rund 80 Gäste (die Wetterverhältnisse hatten für einige Absagen gesorgt) in der Klosterkirche. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewag hatte für den Empfang zu ihrem 100. Geburtstag beim Scharlatantheater aus Hamburg eine Revue bestellt, die die erfolgreiche Geschichte des am 20. Februar 1918 gegründeten Unternehmens in einer Mischung aus Boulevardstück und Musical erzählte.

Spielort war die gemeinschaftlich genutzte Waschküche eines Gewaghauses, wo am Beispiel der Familie Schlüter schlaglichtartig auf wichtige Meilensteine geblickt wurde. So wurde deutlich, wie eng Welt-, Stadt- und Firmengeschichte miteinander verwoben sind.

Etwa in der Freude über die erste eigene Wohnung nach langer Wartezeit als Folge des Ersten Weltkrieges, oder der Umzug mit Kind in die größere Wohnung im dritten Stock. Auch die neue türkische Nachbarin, der freundliche Handwerker, der die Vorzüge der neuen Waschmaschine anpreist, oder der Traum vom Eigenheim mit Garten an der Vöpelswiese kamen in kurzen Szenen auf die Bühne. Das war kurzweilig gemacht. Wäschestücke mit Jahreszahlen machten den Zeitsprung klar, und bekannte Lieder zur Klavierbegleitung sorgten für Zeitkolorit, etwa wenn der Installateur erst die gute Zusammenarbeit mit der Gewag lobt, um dann am Klavier eine witzige Elvis-Kopie mit "All shook up" zu geben. Immer wieder gab es Szenenapplaus.

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Jeweils nur kurz unterbrochen wurde diese Revue von den Gastreden. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) lobte die Gewag als zentralen Player in der Stadtentwicklung und betonte die wichtige Rolle, die die Gesellschaft seit 2015 in der Flüchtlingskrise gespielt hat. "Ohne sie hätten wir diese Herausforderung nicht geschafft", sagte er in Richtung von Gewag-Vorstand Hans-Jürgen Behrendt.

Der kannte zwar die Themen der Aufführung, nicht aber die szenische Umsetzung. Ihm und auch den Gästen gefiel es, wie der langanhaltende Applaus am Ende zeigte. Behrendt betonte in seinen Begrüßungsworten, dass der soziale Gedanke der Gründerväter bei der Gewag immer noch sehr wichtig sei, auch wenn es die namensgebende Gemeinnützigkeit mittlerweile nicht mehr gibt. Migration, Digitalisierung und Klimawandel nannte er als drei Herausforderungen der Zukunft. Dass sehr viele der mehr als 10.000 Gewag-Mieter in Remscheid schon 30 Jahre oder länger ihr Zuhause bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft haben, sieht er als Treuebeweis. "Wir sind Teil dieser Welt und wollen sie mitgestalten", sagte der Vorstand. Die Gewag werde sich in den Stadtumbau weiter einbringen.

Viel Lob gab es von Alexander Rychter, Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen. Remscheid könne stolz und froh darüber sein, eine eigene Wohnungsbaugesellschaft zu haben, bei der sich die Mieter gut aufgehoben fühlen. Andere Städte hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten von dieser Idee verabschiedet und würden das nun bereuen.

(hr)
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