Gesundheit: Zu lange Wartezeiten in Notfallambulanz

Gesundheit : Zu lange Wartezeiten in Notfallambulanz

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat einen Referentenentwurf zur Reform der Notfallversorgung vorgelegt.

Gesundheitliche Probleme treten oft zur Unzeit auf. Nämlich dann, wenn der Hausarzt am Freitagmittag schon ins Wochenende gegangen ist oder am Wochenende selbst. Wohin also soll sich der Patient mit dem grippalen Infekt oder der Schnittwunde an der Hand wenden? In Ratingen gilt die Regel: Bei leichteren Erkrankungen an die Notfallpraxis im Ärztehaus an der Mülheimer Straße wenden, bei wirklichen Notfällen wie Knochenbrüchen oder Verdacht auf Herzinfarkt an die Notfallambulanz im St.-Marien-Krankenhaus.

Doch das ist längst nicht allen bekannt. Und deshalb sind die Notaufnahmen in den Krankenhäusern häufig überlaufen, die Wartezeiten lang. Um dieses Problem zu lösen, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen Referentenentwurf zur Reform der Notfallversorgung vorgelegt. Gemeinsame Notfallleitsysteme, erreichbar unter 112 oder 116117, sollen gefördert und integrierte Notfallzentren in ausgewählten Krankenhäusern einrichtet werden. Diese sollen künftig entscheiden, ob Patienten stationär in der Klinik oder ambulant versorgt werden und die erforderliche ambulante notdienstliche Versorgung leisten.

„Viele Bürgerinnen und Bürger, auch bei uns in Ratingen, beklagen bei Notfällen zu lange Wartezeiten in den Krankenhausambulanzen. Deswegen begrüße ich die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Maßnahmen, damit die Notfallambulanzen der Krankenhäuser, die kassenärztlichen Notdienste und die Rettungsdienste besser zusammenarbeiten“, sagt dazu die Ratinger SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Arbeit und Soziales, Kerstin Griese. Ziel sei es, Hilfesuchende frühzeitig zum richtigen Ansprechpartner zu lotsen, denn für Bürgerinnen und Bürger sei zum Beispiel der Unterschied zwischen der Notdienstpraxis des St.-Marien-Krankenhauses und den Klinikambulanzen nur schwer zu verstehen. „Deswegen geht das geplante Gesetz in die richtige Richtung, hin zu mehr Verzahnung und Koordinierung in der Notfallversorgung. Denn um diese zersplitterte Versorgung zu beenden, brauchen wir Integrierte Notfallzentren und ein gemeinsames Notfallleitsystem“, sagt Griese. Aus ihrer Sicht sei darüber hinaus auch eine einheitliche Telefonnummer notwendig, die den Patientinnen und Patienten den Weg zur bestmöglichen Hilfe ohne lange Wartezeiten biete.

Dass die Patientenzahl in der Notaufnahme steigt, hat schon vor zwei Jahren der Chefarzt der Inneren Medizin am St. Marien-Krankenhaus, Dr. Markus Freistühler, bestätigt. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre, so seine Bilanz, habe sich die Patientenzahl nahezu verdoppelt. Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) wird inzwischen hauptamtlich ärztlich geleitet von Katrin Janberg, Fachärztin der Inneren Medizin mit der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin. Darüber hinaus sind weitere Fachärzte aus den Bereichen Innere Medizin und Chirurgie und speziell in der Notfallversorgung geschultes Pflegepersonal in der ZNA tätig.

Durch eine schnelle Ersteinschätzung durch die Pflegekräfte werden die Behandlungsprioritäten festgelegt und kritisch kranke Patienten herausgefiltert. Diese werden dann vor weniger dringlichen Fällen behandelt. Für Patienten, die keinen gesundheitlich kritischen Zustand aufweisen, kann diese Priorisierung auch längere Wartezeiten mit sich bringen und die können, wie eine Ratingerin mit Verdacht auf Thrombose im vergangenen Jahr erlebte, schon mal bis zu acht Stunden dauern. Wirkliche Notfälle werden jedoch immer vorgezogen, erklärt die Sprecherin des Krankenhauses, Gina Anna Viola. Zudem erreichten zahlreiche Patienten die Zentrale Notaufnahme auch über die Liegendanfahrt mit dem Krankenwagen ohne bereits wartende Patienten zu passieren.

Trotz der deutlichen Patientenzunahme betonen alle Beteiligten die gute Zusammenarbeit zwischen Notfallpraxis und Notfallambulanz. Selbst von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, die die Ratinger Praxis vor einigen Jahren schließen wollte. Das Zusammenspiel sei vorbildhaft auch für andere Städte, erklärte ein Sprecher der Institution. Die Zusammenarbeit besteht seit dem Jahr 2008. Die Notfallpraxis kann von Patienten ohne Voranmeldung außerhalb der Sprechstunden niedergelassener Ärzte aufgesucht werden. „Die langjährige Zusammenarbeit hat sich sehr gut etabliert“, so Dr. Boris Korioth, Vorsitzender des Ärztevereins Ratingen-Mettmann.

Kritik gab es von ihm in der Vergangenheit aber am Verhalten einiger Patienten. Die scheinen nach Meinung der Mediziner das Wort „Notfall“ immer großzügiger auszulegen und sehen in den Institutionen eher eine Art medizinische Rundumversorgung, die auch schon aufgesucht wird, weil man gerade Zeit hat.