Wundertier für Freunde des Schmetterlings

Großer Eichenkarmin: Experte findet seltenen Falter – mit einem Trick

Ein regelrechtes Wunder der Nacht ist das Große Eichenkarmin. Ein Nachtfalter, der jetzt seine Flugzeit hat. Er zählt wohl zu den schönsten und größten Ordensbändern, wie sie der Heiligenhauser Experte Dietmar Borbe nennt.

(RP/köh) In tropischen Gegenden gibt es von dieser Gattung der Eulenfalter über 10.000 Arten. Auch hier vor unserer eigenen Haustüre leben sie wie ein Geheimnis der Nacht. Mischwälder mit reichem Eichenbestand sind ihr Lebensraum. Obwohl das Große Eichenkarmin (Catocala sponsa) eine Flügelspannweite von fast sieben Zentimeter erreicht, ist es kaum zu entdecken.

Gewöhnlich ruhen sie in den oberen Bereichen des Stammes und der Kronen von Eichen und sind so unseren Blicken entzogen. Sie sind äußerst scheu und kommen nur bei großer Hitze in tiefere Bereiche oder, wenn es flüssige Nahrung gibt. Dann suchen sie nach Baumsäften in den Rinden, um sie mit ihrem Rüssel aufzusaugen. Mit Speck fängt man Mäuse,sagt der Volksmund. „Ähnlich kann man dann eine eigens hergestellte Alkohol-Zucker-Sirup-Früchte-Mischung in die Rinden streichen. Dieses Angebot ist für den Nachtfalter unwiderstehlich“, , wie der pensionierte Heiligenhauser Biologielehrer sagt. So begibt er sich meist erst in der Dämmerung oder noch später nach 23 Uhr in die unteren Gefilde. Er findet auf Anhieb solche Stellen und saugt und saugt, soviel er bekommen kann. Je länger er dort genießt, desto fester sitzt er. Das ist kein Wunder bei der jetzigen Trockenheit und den hohen Temperaturen.Bei dieser Beschäftigung ist er aus einem halben Meter Entfernung in Ruhestellung so gut wie nicht zu entdecken. Seine Flügelzeichnung ist perfekt an den Untergrund angepasst. Fühlt er sich aber dabei gestört, dann öffnet er einen großen Spalt in den Hinterflügeln und zeigt mit seinem kräftigen Rot seine ganze Pracht. Etwaige Feinde werden so abgeschreckt und vertrieben. Solche Köderstellen merken sich Ordensbänder.

So kann man sie mit etwas Glück am nächsten Abend an der gleichen Stelle wieder treffen.