Jahreswechsel Meine Uhr (4): Wissen, wie der Kunde tickt

Jahreswechsel Meine Uhr (4): Wissen, wie der Kunde tickt

Seit 123 Jahren wird an der Hildener Mittelstraße 65 mit Uhren gehandelt.

Hilden Da, wo die Mittelstraße am engsten wird, liegt ein kleines Fachgeschäft. Heute steht Juwelier Jost Krevet über dem Eingang. Aber viele Hildener kennen es noch unter dem Namen "Lindemann". 1894 gründet Herrmann Lindemann aus Gerresheim das Fachgeschäft für Optik, Foto, Uhren, Schmuck und Schwachstrom an der Mittelstraße 65. Es ist damit eines der ältesten der Stadt. Er hatte die Berliner Hochschule für Optik absolviert. In kurzer Zeit erarbeitet er sich einen besonderen Ruf, der weit über die Stadtgrenzen hinaus geht: Als Erster stellt er Kontaktlinsen und Glasaugen in eigener Linsenschleiferei her.

In den 1930er Jahren übergab er das Geschäft an seinem Sohn Theodor Lindemann. 1969 übernahmen Bernd und Gaby Busch den Betrieb. Für Bernd Busch (Jahrgang 1936) gehörten Uhren, Optik und Schmuck geschäftlich noch zusammen. Busch war staatlich geprüfter Augenoptiker und hatte parallel dazu seinen Meister als Uhrmacher gemacht. Gaby Busch machte mit 19 Jahren eine kaufmännische Lehre im Juwelier-Handel und sammelte in der Schweiz, Süddeutschland, Gütersloh und Krefeld viele Erfahrungen. 1969 heirateten beide und übernahmen im selben Jahr das traditionsreiche Geschäft. Mehr als 33 Jahre wohnten sie direkt über ihrem Laden. 1984 zog die Optik-Abteilung ins Haus Mittelstraße 56 schräg gegenüber. Mit Erfolg, denn "Optik Lindemann" musste 1998 seine Räumlichkeiten durch einen Anbau verdoppeln. Inzwischen hat Sohn Marc Busch, Diplom-Ingenieur für Optik, den Optik-Bereich übernommen, erweitert um ein optometrisches Institut. Auch das Geschäft mit Schmuck und Uhren lief glänzend. Denn viele Kunden wussten das kompetente Fachwissen, die stilsichere Beratung und die Diskretion von Gaby Busch zu schätzen. "Sie hat das Geschäft über 40 Jahre meisterlich geführt", sagt Jost Krevet: "Es war ihr Leben." Anfang 2010 übernahm er "Juwelier Lindemann". Mit 18 hatte der gebürtige Düsseldorfer eine Banklehre gemacht, mit 21 wechselte er in das Diamant-Geschäft zu Gassan Diamonds, einem der größten Händler in den Niederlanden. Anfang der 1970er Jahre eröffnet sein älterer Bruder Dieter ein zweites Fachgeschäft für Uhren und Schmuck in Düsseldorf-Holthausen: "Das habe ich dann für meinen Bruder geführt." Im doppelten Wortsinn Goldene Zeiten seien das damals gewesen, erinnert sich Jost Krevet."

Der Goldschmuck sei Ausdruck für das deutsche Wirtschaftswunder gewesen: "Man zeigte, dass man sich wieder etwas leisten konnte. Ein Gramm Feingold kostete damals sechs Mark, heute 35 bis 35 Euro." Später machte sich Jost Krevet mit der "Goldschmiede Böcking" in Solingen-Ohligs selbstständig. Inzwischen ist Krevet schon seit sieben Jahren in Hilden ansässig.

(cis)