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Ratingen: Wirbel um Beigeordneten-Wahl

Ratingen : Wirbel um Beigeordneten-Wahl

Der Nachfolger von Dirk Tratzig wird im Rat keine breite Mehrheit finden. Die SPD will die Stelle nun neu ausschreiben lassen.

Man stelle sich vor: Da werden neun Kandidaten von 29 Bewerbern insgesamt in einem kräftezehrenden Verfahren auf Herz und Nieren geprüft, am Ende setzen sich zwei Personen durch. Doch Hurra-Schreie bleiben aus. Intern glaubt man nicht, einen geeigneten Top-Kandidaten gefunden zu haben. Jedenfalls zeichnet sich weder für Harald Sievers, zurzeit Erster Beigeordneter der Stadt Düren, noch für Professor Reiner Tillmanns, der an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Köln lehrt, eine breite und damit tragfähige Mehrheit ab. Tillmanns ist in der Ratinger Verwaltung kein Unbekannter. Er ist Ermittlungsführer im Disziplinarverfahren gegen den Technischen Beigeordneten Ulf-Roman Netzel, der sich zurzeit wegen Vorteilsannahme vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten muss.

Im Auswahlverfahren (Assessment-Center) mussten die Kandidaten mehrere Aufgaben lösen und diverse Rollenspiele übernehmen. Gewählt ist, wer im Rat mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen bekommt, also 31. Diese Mehrheit ist zurzeit nicht realisierbar. In einem zweiten Wahlgang würde dann die einfache Mehrheit reichen. Der SPD kommt es darauf an, eine breite Mehrheit für den neuen Beigeordneten zu finden. So schlugen die Sozialdemokraten im Ältestenrat am Freitagabend vor, eine neue Ausschreibung einzuleiten. Die Stelle sollte nicht mehr ausschließlich auf Juristen zugeschnitten sein, es sollten sich Verwaltungsexperten bewerben können, hieß es.

Dies hätte den Vorteil, dass sich die beiden aktuell verbliebenen Bewerber unbeschadet aus der prekären Situation herausziehen können. Unterdessen blicken Fraktionen und Verwaltung gespannt auf den Ausgang des Prozesses im Fall des suspendierten Technischen Beigeordneten Netzel. Wie die RP berichtete, hatte die Vorsitzende Richterin der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft in Sachen Ermittlungsarbeit eine schallende Ohrfeige verpasst. Der Beweismittelordner sei unbrauchbar.

Der Prozess vorm Landgericht wird am Mittwoch ab 9 Uhr fortgesetzt.

(RP)