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Ratingen: Wieder Wirbel um gefährliche Radwege

Ratingen : Wieder Wirbel um gefährliche Radwege

Zu kompliziert und teilweise unübersichtlich – bei einer Versammlung wurde das Radwegenetz erneut heftig kritisiert.

Zu kompliziert und teilweise unübersichtlich — bei einer Versammlung wurde das Radwegenetz erneut heftig kritisiert.

Carsten Knoch muss ein dickes Fell haben. Der Fahrradbeauftragte aus dem Rathaus durfte sich bei einer Bürgerversammlung im mit rund 70 Teilnehmern gut gefüllten Freizeithaus am Berliner Platz so einiges anhören. Und auch Arne Blase, der als externer Gutachter seit fast fünf Jahren in Sachen Masterplan Radverkehr für die Stadt arbeitet, bekam sein Fett weg: "Sind Sie eigentlich schon einmal Rad gefahren auf der Straße?", schleuderte ihm irgendwann ein erboster Dumeklemmer entgegen.

Gleich zu Beginn der fast zweistündigen Veranstaltung kochte Volkes Seele hoch. Dabei hatte es eigentlich nur um Grundsätzliches zum Thema Straßenverkehrsordnung gehen sollen. Und dabei wurde einmal mehr deutlich: So wirklich verständlich ist das, was der Gesetzgeber da vom und für den Fahrradfahrer will, in der Regel nicht. Blase referierte unermüdlich über Radwege, die als solche gekennzeichnet und aufgebaut sind, dann aber rein rechtlich eigentlich gar keine sind. Doch das war vielen der Anwesenden dann des Guten zu viel. Als die Tagesordnung Nachfragen zum Vortrag über die neue Gesetzeslage vorsah, wurden Knoch und Blase mit Kritikpunkten über das Radwegenetz in der Stadt förmlich torpediert.

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Und im Fall Maubeuger Ring musste sogar der Fahrradexperte aus dem Rathaus zugeben: "So wie dort sollte man einen Radweg nicht bauen." Wer dort in Richtung Westen fährt, hat gerade einmal rund einen Meter Breite zur Verfügung, die sogar noch von Laternenmasten eingeschränkt werden — rechtlich eigentlich gar nicht zulässig. Denn Blase hatte vorher erläutert, dass Radwege nach der neuen Verordnung mindestens 1,50 Meter breit sein müssen. Dass eine Demontage des Gebotsschildes für diesen Radweg aber schwere Folgen haben würde, machte Knoch gleich deutlich: "Das würde bedeuten, dass man dort auf der Fahrbahn fahren muss."

Doch nicht nur diese Gefahrenstelle erboste die radelnden Ratinger. Hedi Kuklick, lange Jahre als Außendienstkraft in Diensten des Ordnungsamtes, ließ kein gutes Haar an den neuen Markierungen auf der Westtangente: "Das sind wirklich wunderbare Malereien, aber viele Radfahrer haben Angst, sich daran zu halten. Man könnte das schon fast als Todesstreifen bezeichnen", ärgerte sie sich und erntete viel Zustimmung.

Ihr Fazit: "Sowohl Auto- als auch Radfahrer wissen nicht, wie sie mit diesen Markierungen umgehen sollen." Eine Beobachtung, die einige Teilnehmer auch in der Innenstadt gemacht haben. So ist die Wallstraße für Fahrräder in beide Richtungen freigegeben. "Ortsunkundige wissen das nicht, wenn sie von der Düsseldorfer Straße dort einbiegen", lautete eine Beschwerde, die Knoch jedoch nicht gelten lassen wollte: "Dass Einbahnstraßen für Radfahrer auch in Gegenrichtung freigegeben werden, ist bundesweit so."

Viel Hoffnung setzt er auf den Masterplan, der den Ausbau des Wegweisungsnetzes, die Verbesserung von Führungen an Kreuzungen und die Prüfung der Markierungen von Radwegen vorsieht. Am morgigen Donnerstag gibt es ein weiteres Bürgerforum in Lintorf — und zwar ab 19 Uhr im Jugendzentrum an der Jahnstraße.

(wol)