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Wie der Maibaum wieder auf den Marktplatz kam

1, Mai in Ratingen : Wie der Maibaum wieder auf den Markt kam

Den Baum schmücken die Wappen der einzelnen Ratinger Stadtteile. In früheren Jahren marschierte darunter das Tambourcorps mit Musik auf.

Es ist doch wirklich schöner, wenn man sagen kann: „Wir feiern den Frühling und gehen tanzen“, als nur zu murmeln, dass die Winterreifen jetzt endlich runter können. Oder? Zeitlich liegen beide Sätze da, wo wir inzwischen im Jahr 2021 angekommen sind. Während bei den Reifen noch andere Mächte zuraten, dreht es sich beim Maifeiertag einfach um ein zum Datum-gewordenes Gefühl. Die vier ersten eher kühlen Monate des Jahres sind vorbei – es kann nur besser werden. Wie die aktuellen Wetterberichte bestätigen.

Also galt der 1. Mai als saubere Trennung zwischen dunkel, kalt und warm, hell, zwischen bösen und guten Geistern. Die bösen feierten ihren Abschied von der Regentschaft unter anderem als Hexen auf dem Stinkesberg, als es dort noch Bäume und dichtes Unterholz gab. Aber auch im Wald zwischen Breitscheid und Lintorf – weshalb diese Gegend von der Bevölkerung gemieden wurde. Dort hatte man sogar den Leibhaftigen gesehen, mit einer Feuerkrone und einem Pferdefuß. Genau in dieser Minute ist der 1. Mai nun schon seit Mitternacht im Gange und sind wir auf der sicheren Seite. Es ist nämlich bereits hell.

Und weil man sich nicht mehr nach ganz strikten Regeln verhalten möchte, wenn es um Mai, Wein und Tanz geht, sind die exakten Vorschriften für Mai-Bräuche auch ziemlich locker. Klar aber ist, dass Bäume darin vorkommen müssen. Sehr gerne aufgeastete Birken mit Rest-Laub an der Spitze oder sogar kleine komplette Birken.

Im Süden – so ab der Eifel – und ganz im Süden – in ganz Bayern – pflegten junge Männer zum Maifeiertag diese Bäumchen, mit bunten Bändern dekoriert, der Angebeteten an die Haustür zu klemmen, um dem Mädel einen Beweis ihrer Zuneigung zu geben. Wie wir aus „Mord mit Aussicht“ wissen, gab es auch das Gegenteil. Auch in Hängasch, Kreis Liebernich, bekam eine junge Dame, die den männlichen Zorn auf sich gezogen hatte, einen Schandbaum mit schwarzem Schmuck. In der TV-Serie gehörte dann auch noch ein toter Mann dazu.

Es gibt Dörfer, in denen nach ganz unterschiedlichen Regeln Maibäume geklaut, versteckt, zurückgebracht werden. Es gibt das überschaubare Grün und die viele Meter hohen Bäume. Und sogar die Art, wie man sie auf den Dorfplatz bringt und dann mit purer Manneskraft aufrichtet, genau die ist vorgeschrieben. Hier so, dort anders.

Der Baum, der in Ratingen auf dem Dorfplatz vor dem Bürgerhaus steht, wurde mit den Vorschriften des Arbeitsschutzes dort errichtet. Sein Stamm ist eine geschälte und dann angestrichene Fichte, nach vielen Maibaum-losen Jahren von Manfred Fiene vom Amt für Kommunale Dienste beschafft und hergerichtet. Und weil sich die Wappen der Randstadtteile am Markt-Brunnen schon einmal bewährt hatten, kamen die gleich nochmal zum Einsatz.

In Bayern wiederum gibt es ganze Geschichten mit kleinen Figuren auf den stilisierten Ästen – dort sind die Maibäume aber auch als Dorfdekoration gut für ein ganzes Jahr. Das Ratinger Schmuckstück wurde erst einmal für einen Monat aus dem Lager geholt. Und es kam auch sang- und klanglos in die vorgesehene Halterung. Als das Ratinger Tambourcorps mit Köbes Zimmermann noch die Trommel rührte, gehörte sein Auftritt natürlich zum 1. Mai dazu.

Während in anderen Zeiten tägliche Maiandachten mit allerliebstem Blumenschmuck und ähnlichen Marienliedern in die Kirche luden, ist das gegenwärtig auch sehr reduziert. Aber immerhin laden St. Jacobus in Homberg an jedem Freitag im Mai, St. Suitbertus am 4. und St. Peter und Paul am 5. Mai zum Gebet. Die Pfarrnachrichten geben exakte Uhrzeiten bekannt.