Heiligenhaus: Wettkampf um neue Sporthalle

Heiligenhaus: Wettkampf um neue Sporthalle

In der Diskussion um Neubau oder Nicht-Neubau geht es um die Bewertung von Kosten und Nutzen. Die Verwaltung legt ein umfangreiches Papier vor. Kernpunkt: Es gibt keinen Notstand. Auch keinen Bedarf? Eine Vorentscheidung fällt am Montag.

Zeitdruck und ein ganzer Katalog offener Fragen — das ist die Ausgansgposition in der Diskussion um Für und Wider einer neuen Sporthalle für die Stadt. Ein Thema in der Aufwärmphase — wenn am Montag der Ausschuss für Bildung und Sport zur Sondersitzung zusammenkommt, geht es darum, einen Strich unter eine dreivierteljährige Diskussion zu ziehen, die bisher nur ein greifbares Ergebnis brachte: Die Meinungen über Kosten und potentiellen Nutzen gehen denkbar weit auseinander.

Augenfällig wird das beim Blick auf die möglichen Kosten. Denn nach Erkenntnissen der Verwaltung geht es nicht um eine einfache Fitnesshalle. Die wäre nach Angaben des Stadtsportverbandes für 400 000 Euro zu haben. Stattdessen, so die Verwaltung, stehe nun eine "vollwertige Sporthalle" als Neubau an der bestehenden Halle des Kant-Gymnasiums in Rede. Merkmale: Einfeldhalle in normgerechter Größe, mit Prallschutz, elastischem Sportboden, ballwurfsichere Ausführung. Dazu Kraft- und Geräteraum und ein Jugendraum, nicht zu vergessen eine Abstellfläche für einen Getränkeautomaten. Fazit der Verwaltung zum Thema Kosten: "Ein Anbau mit dem gewünschten Nutzungsprofil an die bestehende Dreifeldsporthalle wird mindestens eine Million Euro kosten." Plus Folgekosten von mindestens 50 000 Euro jährlich. "Nicht pragmatisch" nennt die Verwaltung das Anliegen des SSV, die neue Halle auch als Veranstaltungsraum zu nutzen. Dazu fehle es an ausreichend großen Toilettenraumen, an Garderoben und Brandschutz.

Auch in der Frage nach dem Bedarf hat sich die Verwaltung eindeutig positioniert: "Der Bau einer Sporthalle kann objektiv nicht mit der dringenden Notwendigkeit zur Behebung aktuell bestehender eklatanter Engpässe in den Belegungszeiten begründet werden." Eine Formulierung, die keinen Interpretationsspielraum lässt.

Rückblick: In die Diskussion gekommen war der Sporthallenbau Mitte vergangenen Jahres. Die Idee war, mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II etwas auf die Beine zu stellen. Aus diesem Fördertopf erhielt die Stadt insgesamt zwei Millionen Euro. Wobei die Verwendungszwecke relativ eng vorgegeben sind, ebenso der Zeitraum für Bau und Schlussabrechnung aller geförderten Projekte. Zerschlagen hat sich inzwischen die Idee, eine neue Sporthalle auf dem Kiekert-Areal zu platzieren, eventuell gemeinsam mit der Hochschule Bochum finanziert.

Spannend wird die Sondersitzung des Sport- und Bildungsausschusses am Montag in dem Fall, dass die Politiker die Verwaltungsargumentation vom Tisch wischen und den Neu- und Anbau empfehlen sollten. Danach sieht es eher nicht aus. In diesem Fall aber hätte der Verwaltungsausschuss am Dienstag noch Beratungsbedarf, was die eventuelle Förderung durch Mittel aus dem Konjunkturpaket angeht. Für den Dienstag liegt aber schon jetzt ein Antrag der CDU vor. In dem steht klipp und klar: Ein Neubau ist aus Kostengründen nicht machbar. Stattdessen schlägt man ein umzäuntes Kleinspielfeld an gleicher Stelle — neben der IKG-Sporthalle — vor. Einen Neubau auf Millionen-Niveau zu favorisieren — das liest sich beim aktuellen Stand der Dinge wie eine leistungssportliche Aktion. Denn so willkommen eine neue Halle zweifellos wäre: Es gäbe einen Balanceakt auf höchstem Niveau, mit entsprechender Absturzgefahr.

(RP)