Ratingen : Westbahn soll im Jahr 2030 starten

Ratingen : Westbahn soll im Jahr 2030 starten

Eines der größten Verkehrsprojekte nimmt konkrete Formen an. Die Kosten liegen bei über 100 Millionen Euro.

Was die RP bereits vorab berichtet hat, nimmt immer mehr Schwung auf: Das Westbahn-Projekt wurde spätestens seit der veröffentlichten Machbarkeitsstudie zielsicher auf die Schiene gesetzt. Und so stand das hochaktuelle Thema im Mittelpunkt des jüngsten „Dialogs Stadt/Wirtschaft“, einer Veranstaltungsreihe des Unternehmensverbandes Ratingen (UVR) und der Stadt Ratingen. Bei der achten Auflage präsentierte Ralf Dammann, Abteilungsleiter für Angebots- und Infrastrukturplanung beim VRR, die Ergebnisse der Studie. Bei den Zuhörern im Museum der Stadt machte sich so etwas wie Aufbruchstimmung breit. „Wir wollen diese Bahn, und wir wollen sie so bald wie möglich“, sagte Bürgermeister Klaus Pesch. Der UVR-Vorsitzende Olaf Tünkers ergänzte: „Dies ist eine Riesenchance für Ratingen. Packen wir’s an!“

Das wichtigste Ergebnis der Machbarkeitsstudie: Die Reaktivierung des Personenverkehrs auf der „Ratinger Weststrecke“ ist baulich machbar, bezahlbar und volkswirtschaftlich sinnvoll. Der Nutzen für die Umwelt war ohnehin unbestritten. Die Studie zeigte aber auf, wie groß er voraussichtlich sein wird. Mehr als 1,5 Millionen Autofahrten zwischen Duisburg, Ratingen und Düsseldorf dürften pro Jahr durch einen S-Bahn-Betrieb auf der Ratinger Weststrecke auf die Schiene verlagert werden. Weiterhin errechneten die Gutachter: Der Nutzen der Westbahn ist so groß, dass sich sogar die hohen Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro lohnen. Der so genannte Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) liegt in allen untersuchten Planfällen (zum Teil deutlich) im Plus. Erforderlich für eine Förderung ist ein Wert über 1, die vier untersuchten Planfälle für die Westbahn liegen zwischen 1,2 und 1,85.

Die hohen Baukosten entstehen hauptsächlich dadurch, dass praktisch auf der gesamten Strecke zwischen Duisburg-Wedau und Düsseldorf-Rath ein drittes Gleis gelegt werden muss. Außerdem müssen Bahnhöfe am Sportpark Duisburg, in Duisburg-Wedau, Lintorf, Tiefenbroich und Ratingen West errichtet werden. In bestimmten Bereichen, zum Beispiel in Lintorf, sind sogar zwei neue Gleise erforderlich, damit sich die Züge dort begegnen können.

Die Gutachter haben auch untersucht, welcher Zugbetrieb möglich und sinnvoll ist. Es gab zwei Planfälle: einen 20-Minuten-S-Bahn-Takt und einen 30-Minuten-Regionalbahn-Takt. Für beides ist ausreichend Fahrgastpotenzial vorhanden. Die S-Bahn-Variante (Arbeits-Linienbezeichnung S 61) hätte den Vorteil, dass sie über Düsseldorf hinaus bis Langenfeld verlängert werden und somit ab Düsseldorf-Rath im Zusammenspiel mit der S6 einen Zehn-Minuten-Takt schaffen könnte. Dammann betonte: „Die S 61 hätte eine Auslastung ähnlich der S 6.“ Für den Planungsdezernenten Jochen Kral ist klar, dass dies die Vorzugsvariante ist.

Der Nutzen der neuen S-Bahn für Ratingen liegt auf der Hand, könnten doch auf einen Schlag Lintorf, Tiefenbroich, Ratingen West und Teile der Innenstadt direkt an den Schienennahverkehr angeschlossen werden. In Duisburg sieht es ganz ähnlich aus. Neben den bereits bestehenden Wohngebieten an der Bahn entsteht mit dem Projekt „Sechs-Seen-Wedau“ gerade ein ganz neues Stadtviertel. Es handelt sich um das größte Wohn-Neubauprojekt Nordrhein-Westfalens, und es liegt direkt an den Westbahn-Gleisen.

Die Fahrgastpotenziale der Weststrecke überschneiden sich geringfügig mit den Rhein-Ruhr-Express (RRX)-Angeboten zwischen Duisburg und Düsseldorf. Der Ausbau der Westbahn kann erst beginnen, wenn der RRX wie geplant fährt. Denn während der Bauarbeiten zwischen Düsseldorf und Duisburg werden die Güterzuggleise in Ratingen als Ausweichstrecke genutzt. Da kann nicht gleichzeitig auch dort gebaut werden. Die Gutachter sehen eine Inbetriebnahme der Westbahn im Jahr 2030 als realistisch an.

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