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Wenn in Homberg die Glocken festlich erklingen

St. Jacobus Homberg : Beiern: Wenn die Glocken festlich erklingen

Peter Peiffer, der Initiator und zuverlässiger Spieler der klingenden Glocken von St. Jacobus in Homberg war, überlässt jüngeren Kräften seine Aufgabe.

Es gibt Begriffe in Ratingen, die nur im ganz speziellen Stadtteil Homberg Sinn machen: Wiesnasen zum Beispiel, die in dem Fall die Türme der beiden Kirchen, der evangelischen und der katholischen, beschreiben. Oder das Beiern, bei dem an besonderen Festtagen die Kirchenglocken zum Klingen gebracht werden. Ostersonntag ist wieder so ein Festtag. Dann wird ab 17 Uhr gebeiert. Und am Besten hört man’s im Freien.

Allerdings wird in diesem Jahr einer nicht mehr mitmachen, und zwar der musikbegeisterte Tischlermeister Peter Peiffer, der seit der Jahrtausendwende Initiator und zuverlässiger Spieler der klingenden Glocken war. Er überlässt jetzt jüngeren Leuten den Job, der sie wenigstens dreimal pro Jahr gut 80 Stufen hinauf in den Kirchturm treibt. Das muss man mit 90 Jahren nicht mehr haben.

Nun muss man nicht denken, dass Peiffer mit der Entscheidung der Musik abschwören würde – spielt er doch mit Frau, zwei Töchtern und anderen Hombergern Tischharfe, ist er firm an der Drehleier und mit dem Dudelsack – allesamt Instrumente, die sich sehr reizvoll anhören und sehr wohl zu ebener Erde erfolgreich betrieben werden können. Schon im Sommer 2000 hatte er im Glockenstuhl der Jacobuskirche eine Art Hebelklavier eingerichtet, mit dem er die Klöppel des pentatonischen Geläutes allein in Gang setzen konnte. Drei Termine zum Beiern wurden für ihn in Homberg längst Brauch: Neujahr, Ostersonntag und der 7. November (Jacobustag).

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Fünf Glocken in der Stimmung F, As, B, Des hängen seit 1960 im Turm von St. Jacobus, allesamt gegossen in der Werkstatt Petit und Edelbrock, die auch Glocken für St. Peter und Paul hergestellt hat (zuletzt die Brauchtumsglocke). 2003 kam als sechste die tiefste und größte Glocke, wiederum in Es gestimmt und durch Spenden aus der Gemeinde mitfinanziert, dazu. Ihr Klöppel wiegt 16 Kilogramm. Der Klöppel der kleinsten, der Engelsglocke, wiegt nur zwei Kilogramm.

Mit der Weihe der Petrusglocke war das pentatonische Geläut komplett und konnte zum Beiern von einer Person mit einem Hebelwerk bedient werden. Die drei Glocken der evangelischen Christuskirche stammen aus dem Jahr 1947 und sind in Es, Ges und As gestimmt.

Alles hatte überhaupt mit der Versetzung von Pfarrer Kurt-Peter Gertz nach Kaarst begonnen. Natürlich hatte Peter Peiffer schon vorher Ideen entwickelt, liebte er doch die Glocken und ihren Klang, die für ihn immer eine Botschaft an Menschen und Gott zugleich waren. Er hatte sich umgeschaut und umgehört an anderen Kirchen – und dann wollte er zum Abschied von Pastor Gertz beiern. Das klappte.

Die Anfänge waren einfach. Fünf Glocken – fünf Rolladengurte – drei Beierleute: Meinhard Trennhaus, Nicola Barth und er selber. Meinhard Trennhaus und Nicola Barth hatten je zwei Glocken anzuschlagen, er selber eine, aber dazu zu dirigieren. Doch jeder kann sich denken, dass angesichts der Trägheit der Technik ein präzises Spiel ersonnen wurde; er „erfand“ das Hebelklavier, von dem aus Seilzüge zu den Klöppeln der fünf Glocken führten. Von hier aus konnte einer allein alle fünf Glocken anschlagen – ein Fortschritt. Ein nächster Fortschritt war, als die Gemeinde im Jahr 2003 – durch Spenden finanziert – eine sechste Glocke erhielt, die Petrusglocke.

Das Feuer fürs Beiern brennt – es wird also nicht einschlafen. Und dann, wenn die Not am größten würde, ist der Chef ja auch noch da. Im Verkündigungsblatt „Bileams Esel“ jedenfalls hat Mitstreiter Dr. Josef Pietron dem Musiker einen herzlichen Text gewidmet, der rundum Zuversicht ausstrahlt.