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Wenn die Glocken zu Ostern schweigen

St. Peter und Paul : Wenn die Glocken zu Ostern schweigen

Hans Müskens kennt die interessante Geschichte der besonderen Klangkörper von St. Peter und Paul ganz genau.

Mit den Klöstern kamen die Glocken, und mit ihnen wurden Sonntag und Alltag strikt getaktet. Die Kirchenglocken machen weiterhin ihren Job, die Lebensläufe richten sich nach anderen Einteilungen. Aber die zu Klangkörpern gegossenen Tonnen aus Metall existieren weiter – Ehrfurcht gebietend, Heimat beschreibend und auch für die Menschen hörbar, die dem Kirchenraum entfliehen.

In St. Peter und Paul hängt zum Beispiel eine Glocke – die Märch – die fünf Jahrzehnte nach den Kölner Prachtstücken Pretiosa und Speciosa im Jahr 1498 gegossen worden ist. Allein: Die Vermarktung des Doms ist eindeutig besser. D’r decke Pitter oder decker Pitter, die Hit-Glocke im Kölner Dom, ist übrigens erst im vergangenen Jahrhundert entstanden.

Drei der Ratinger Glocken sind im Ersten Weltkrieg beziehungsweise nach neuem Guss auch im Zweiten Weltkrieg fürs finstere Kriegsgeschäft eingeschmolzen worden. Sie kamen auf einen Glockenfriedhof. Das ist die Bezeichnung eines Platzes für Glocken, auf dem im Ersten und Zweiten Weltkrieg Kirchenglocken, Rathausglocken und ähnliches im Zuge von sogenannten „Glockenablieferungen“ gesammelt wurden.

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Glocken waren wegen ihrer Bronze kriegswichtiges Material und wurden während des Ersten und Zweiten Weltkrieges zuerst freiwillig, dann zwangsweise eingezogen, um eingeschmolzen in der Rüstungsindustrie Verwendung zu finden. Von den Sammelplätzen aus gelangten die Glocken zur industriellen Weiterverarbeitung. In Deutschland waren sie Teil der sogenannten Metallspende des deutschen Volkes.

Die neu angefertigten Ersatzexemplare tragen dann auch die Inschrift: „Das Wüten des schrecklichen Krieges vernichtete mich zweimal, zweimal wurde ich wiederhergestellt, Kraft der Tugend. Im Jahr des Herrn 1958).“

Kindern unserer Zeit und deren Eltern ist übrigens eine Geschichte weitgehend unbekannt, die ihren Großeltern mit großem Erfolg erzählt wurde. Von Gründonnerstag-Abend bis in die Osternacht (von Karsamstag auf Ostersonntag), in der Zeit von Leid, Tod und Auferstehung Christi, schweigen die Glocken – genau wie die Schellen am Altar. Und so es wird auch diesmal sein.

Um das näher zu erklären, wurde einst erzählt, dass die Glocken nach Rom geflogen seien, um mit dem Papst Reisbrei zu essen und sich für ein neues Jahr zu stärken. Diese Erzählung ist einfach zu mysteriös, als dass man sie zu ergründen versuchen sollte. Leider wird sie stattdessen eher vergessen.

Hans Müskens, der absolute Kenner der Ratinger Kirchengeschichte, weiß bei seinen Führungen durch Kirche und Turm außer korrekten Dingen mancherlei Dönekes zu erzählen. Immer wieder gibt es diese Rundgänge zu unterschiedlichen Themen. Und immer noch klettert er den Interessenten voran ins hohe Gebälk. Er weiß auch, dass man – wären die Klöppel nicht in den Glocken fixiert – mit ihnen tatsächlich Kirchenlieder intonieren könnte.

Die acht Glocken unter der Zwiebelhaube im Nordturm von St. Peter und Paul haben alle Inschriften, Stempel, Jahreszahlen und Sinnsprüche.

Und das alles wiederum ist erst einmal hoch interessant – auch im Zusammenhang mit anderen Exemplaren im Erzbistum Köln. Auch die musikalische Stimmung ist bis ins kleinste dargestellt – Im Glockenbuch des Bistums.

In diesem Jahr haben sich evangelische und katholische Gemeinden auf weiteres Läuten geeinigt: Am Ostersonntag wird hier wie da NRW-weit geläutet, und zwar von 9.30 bis 9.45 Uhr. Und die Katholiken legen um 12 Uhr noch einmal nach.