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Weiteres Projekt für Kreative

Kreative Projekte : Legale Graffiti-Wand am Bahnhof Ost

Junge Menschen können ihren Ideen freien Lauf lassen. Es gibt auch legale Flächen an Trafostationen. Die Projektidee für die „Wall of Fame“ entstand im Jugendzentrum Hösel. Wegen Corona musste die Eröffnung verschoben werden.

Sie sprühen vor Ideen – und können sich nun kreativ austoben. Ratingen hat jetzt eine „Wall of Fame“ – so heißt die legale Graffiti-Fläche, die vor ein paar Tagen mit Musik der Rapper Flaze, Kilometa, Nico-operiert, Rxca, Slim the Chemnist und Tachi.mc sowie den ersten bunten Bildern und Schriftzügen eröffnet wurde.

Die Wand befindet sich am S-Bahnhof Ratingen Ost unterhalb der Homberger Straße/Ecke Bergstraße, ist also mit öffentlichen Verkehrsmitteln für die zumeist jugendlichen Nutzer sehr gut zu erreichen. Ab sofort können sich dort alle Sprayer künstlerisch ausprobieren.

Entstanden ist die Projektidee im Jugendzentrum Hösel und wurde für das Jugendkulturjahr eingebracht. Gemeinsam mit den Sprayern, die bereits im vergangenen Jahr die Trafohäuschen der Stadtwerke verschönert haben, wurde ein Konzept für die Wall und für eine kleine Eröffnungsfeier erarbeitet.

Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Eröffnung mehrmals verschoben werden. Umso glücklicher waren die jungen Sprayer, dass es am vergangenen Wochenende endlich losging. Sie ließen ihrer Kreativität freien Lauf, und so sind bereits viele unterschiedliche Motive und Stile entstanden. Im Laufe der Zeit werden sich die Motive natürlich immer wieder verändern, weil die Flächen überarbeitet werden dürfen. Es lohnt sich also, öfter einen Blick darauf zu werfen und immer wieder Neues zu entdecken.

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Die Wand kann von Graffiti-Sprayern – sowohl von Anfängern als auch von Profis – als Übungsfläche genutzt werden und ist frei zugänglich. Appelliert wird an alle Sprayer, auf die Anwohner Rücksicht zu nehmen und sich auch untereinander respektvoll zu verhalten.

Farben und Ideen geben auch in diesem Jahr den Ton an. Und es war bereits im Jahr 2020 einer der Höhepunkte mit Blick auf das durch Corona mächtig durcheinander geratene Jugendkulturjahr. Es ging um das besondere Graffiti-Projekt mit Unterstützung der Stadtwerke Ratingen. Insgesamt 15 Trafostationen des Energieversorgers verschönerte eine Gruppe von Jugendlichen mit farbenfrohen Motiven.

Dann stand fest, dass das erfolgreiche Projekt in diesem Jahr fortgesetzt wird. Die Stadtwerke und das Kulturamt verlängerten ihre Kooperation bis zum Ende des Jahres. Dabei stellen die Stadtwerke den Jugendlichen weitere 15 Trafostationen zur Verfügung. Die jungen Spraykünstler entwickeln neue Motive, die sie dann mit den Stadtwerken abstimmen. Danach werden die Jugendlichen unter Berücksichtigung der geltenden Corona-Regelungen ihre Werke sprühen. Die Bürger können also weitere neu gestaltete Trafostationen im Stadtgebiet entdecken.

Bei Facebook gab es vor einiger Zeit recht kontroverse Diskussionen darüber, ob farbige Zeichen und Formate tatsächlich Kunst sind. Fakt ist: Viele Bürger stören sich an bunten Darstellungen auf öffentlichen Flächen. Und man hat den Eindruck, dass die Zahl der illegal besprühten Wände und Kästen weiter zunimmt. Die Innenstadt ist besonders stark betroffen. Die CDU-Fraktion fertigt immer wieder frische Bilder von Werken, die Sprayer illegal produziert haben.

Unlängst schickten die Christdemokraten eine weitere Liste mit aktuellen Fällen an die Stadt. Unter anderem ging es wieder um besprühte Wände und Schaltkästen in der Innenstadt.

Die Bahn kämpft nach eigenen Angaben seit Jahren gegen Schmierereien an. So gab es im Jahr 2018 eine „Graffiti-Offensive“ in NRW, bei der bundesweit die meisten Graffiti-Schäden gezählt wurden. Dabei seien 32.500 Quadratmeter mit Verunstaltungen an Bahnhöfen in ganz NRW entfernt worden.

Eine Maßnahme kostet nach Auskunft der Bahn pro Quadratmeter etwa 100 Euro, eine Neulackierung eines Zuges bis zu 30.000 Euro.

Das dauert rund eine Woche – und in dieser Zeit steht der Zug auch nicht zur Verfügung. Aber selbst hohe Geldstrafen schrecken viele Sprayer nicht davon ab, Bahnhöfe und Züge zu beschmieren.

Klar ist: Das große Graffiti-Projekt des Jugendkulturjahres ist ausdrücklich gewollt und wird auf Flächen realisiert, die dafür ganz offiziell freigegeben wurden. Und nun kommt die „Wall of Fame“ am Bahnhof Ost hinzu.