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Ratingen: Was die Heiligen im Museum mit der Stadtgeschichte zu tun haben

Ratingen : Was die Heiligen im Museum mit der Stadtgeschichte zu tun haben

Im Erdgeschoss heißt es "city on car", im Obergeschoss sind die Heiligen früherer Zeiten zu Hause: Das Museum Ratingen hat eben sowohl für die Götter der Neuzeit als auch für die Anbetungswürdigen früherer Jahrhunderte Plätze frei.

So finden sich in der stadtgeschichtlichen Abteilungen drei Heiligenfiguren: Zwei davon sind in die Zeit um 1700 zu datieren, eine stammt wohl aus den Jahren um die Mitte des 18. Jahrhunderts.

Lebensgroß und ein bisschen länger präsentieren sich alle drei, nach umfangreichen Restaurierungs- und Bestandssicherungsarbeiten sehen sie natürlich nicht aus wie flammneu. Aber sie sehen wirklich gut aus. Hier dreht es sich um die Statuen der Maria Immaculata, um die der Hl. Katharina und des Hl. Johannes von Nepomuk.

Wer macht sich nun auf den Weg ins Museum, um alte Heilige zu betrachten? Sind das fromme Besucher, die außerdem auch noch begeistert in die Kirche gehen? Sind das allein kunstgeschichtlich Interessierte, sind es vornehmlich Ratinger oder kommen die Betrachter von fern? Vielleicht kommen all diese Überlegungen zusammen, wenn Interesse an der Besichtigung besteht.

Alexandra König als Chefin des Museums Ratingen sieht sich nicht nur als Ausstellungs-Veranstalterin zeitlich aktueller Kunst, sondern auch als Bewahrerin des historischen Schatzes der Stadt. Und dazu gehört zweifelsfrei dessen Bewahrung und Pflege. Und in diesem Fall ist sie auch jemand, der die gründliche Renovierung in Auftrag gegeben hat. Nun kann man die hölzernen Heiligen derzeit nicht ausführlich in Augenschein nehmen, weil das Museum noch mit der endgültigen Präsentation der stadtgeschichtlichen Abteilung beschäftigt ist. Aber in wenigen Monaten wird auch die Öffentlichkeit zugelassen sein.

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Die drei hölzernen Heiligenfiguren - Nepomuk aus Obstbaumholz, die beiden anderen Figuren aus Lindenholz - hatten ihr irdisches Dasein natürlich nicht unbeschadet durchlebt. Dem Hl. Nepomuk fehlte die rechte Hand samt Kreuz - beides wurde nachempfunden, und zwar vom Kölner Bildschnitzer Alexander Diczig. Er glänzt nun prachtvoll und in Gestus und Bemalung stimmig.

Die beiden Frauengestalten, immer noch mit einem deckenden, elfenbeinfarbenen Anstrich versehen, waren ursprünglich wohl auch farbig - eine mit blauem Gewand, das golden abgesetzt war, mit einem hautfarben bemalten Gesicht und detailliert "geschminkt", die andere mit hellem Gewand, das auch eine Bordüre zeigte. Bei der Restaurierung wurden diese Feinheiten zwar freigelegt, aber eben nicht komplett. Die Gefahr war zu groß, dass die ursprüngliche Bemalung fehlerhaft war oder eben nicht unverletzt hätte freigelegt werden können.

Es ist davon auszugehen, dass die Statuen Geschenke von Anna Maria Luisa de Medici waren, der zweiten Ehefrau des in Düsseldorf residierenden Kurfürsten Jan Wellem. Ob die Heiligen mit ihrer stattlichen Größe - auch die Frauenfiguren messen 216 und 186 Zentimeter - auf Nebenaltären in St. Peter und Paul ursprünglich zu finden gewesen waren, ist eher unwahrscheinlich.

Alexandra König ist fast sicher, dass die kunstgeschichtlich bedeutsamen Heiligenfiguren ursprünglich im Minoritenkloster gestanden haben. "Vielleicht waren sie unter anderem dafür verantwortlich, dass die Ratinger die Gottesdienste dort den Gottesdiensten in St. Peter und Paul vorgezogen haben." Immerhin gab es eine Absprache zwischen den Geistlichen hier und dort darüber, dass die Mess-Anfangszeiten zeitlich versetzt wurden, damit St. Peter und Paul nicht den Kürzeren zog. Immerhin belegen spätere schriftliche Aufzeichnungen, dass die Statuen ramponiert auf dem "Söller", dem Speicher des Rathauses, aufbewahrt worden seien. Das Rathaus war bekanntlich viele Jahre im ehemaligen Minoritenkloster untergebracht. Und 1930 wurden die Figuren eben genau dort aufgefunden.

Als Beispiel für Prachtstücke barocker Gestaltung dienen sie dem Museum ganz hervorragend - auch ohne komplette Gliedmaßen und mit verschleierndem Anstrich. Für die Pfarrkirche wären sie in diesem Zustand eher ungeeignet.

(gaha)