Kreis Mettmann: Warum die Feuerwehr Tiere retten muss

Kreis Mettmann: Warum die Feuerwehr Tiere retten muss

Gehört Tierrettung zu den Kernaufgaben der Feuerwehr? Wegen vieler überflüssiger Einsätze stellt das der Feuerwehrchef von Essen in Frage. Im Kreis Mettmann gilt: "Wenn jemand um Hilfe ruft, kommt die Feuerwehr!"

Die bibbernde Katze im Baum und der kläglich heulende Dackel im Fuchsbau dürfen weiterhin im Notfall auf Rettung durch die Feuerwehr hoffen. "Da spreche ich für alle Feuerwehren im Kreis Mettmann, zumal wir gesetzlich dazu verpflichtet sind", sagt Kreisbrandmeister Torsten Schams.

Da es sich um eine Lebensrettung handele, zahle die Allgemeinheit die Einsatzkosten. Nicht umsonst ziere ein Retter mit einer Katze im Arm die Facebookseite des Kreisfeuerwehrverbandes Mettmann. Der Slogan dazu: "Wir retten Leben. Manchmal auch sieben auf einmal".

Der Feuerwehrchef von Essen, Ulrich Bogdahn, hatte die Tierrettung als originäre Aufgabe der Feuerwehr in Frage gestellt. Seine Argumentation: Unter den 400 Essener Einsätzen pro Jahr seien jede Menge, die sich im Nachhinein als überflüssig herausstellten. Katzen kämen in der Regel allein aus einem Baumwipfel. Eine angebliche Schlange in einem Essener Garten stellte sich als altes Tau heraus. Im Zweifel, so der Hinweis aus Essen, binde solch ein unnötiger Einsatz Retter und Fahrzeuge, die anderswo gebraucht würden.

"Natürlich haben wir eine ganz klare Priorisierung: Oberste Priorität hat bei uns die Rettung von Menschen, danach kommen Tiere und Sachwerte", sagt Schams. Im Zweifel werde durch einen Tiereinsatz aber auch der Halterin oder dem Halter aus höchster Not geholfen. Eine alte Dame aus der Sorge um ihren vierpfotigen Liebling zu erlösen, gehöre durchaus dazu, wenn es um die Sinnhaftigkeit solcher Einsätze gehe.

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Echte Notfälle will auch Marco Zerweiss aus der Leitung der Mettmanner Feuerwehr gar nicht infrage stellen. "Ich habe es allerdings auch schon erlebt, dass eine Katze im Zweifel schneller vom Baum runter ist, als wir unser schweres Gerät in Stellung bringen konnten." Oder das Tier erklimmt aus Angst vor dem heransurrenden Korb des Leiterwagens noch höhere Baumregionen. Etwas weniger Aufregung würde so manche Situation schneller lösen, ist der Eindruck. Und dafür, umherstreunende, herrenlose Hunde einzufangen, sei die Feuerwehr nun wirklich nicht zuständig. Solche Meldungen würden in Richtung Tiertaxi des Kreises Mettmann oder an Tierschützer delegiert. Dies seien im Zweifel kundigere Tierexperten als die Feuerwehrleute.

Auch in Wülfrath gibt es eine Arbeitsteilung. Dort zwischen der Feuerwehr und dem Ordnungsamt. Letzteres kümmert sich um die Beseitigung von Tierkadavern auf öffentlichen Straßen und um lebende Fundtiere. Als am 3. November ein reiterloses Pferd durch den Stadtpark trabte, musste aber dennoch die Feuerwehr ran. Und war rasch damit fertig: Bürger hatten das entsprungene Ross bereits an einem Klettergerüst angebunden.

"Seit das Ordnungsamt einen Teil unserer Aufgaben übernommen hat, werden wir vielleicht 12 bis 15 Mal pro Jahr zu Tiernotfällen gerufen. Und dann rücken wir selbstverständlich aus", sagt Guido Großmann, der Wülfrather Feuerwehrchef.

Ähnlich schallt es auch aus der Erkrather Hauptwache. "Wenn ein Hilferuf an die Feuerwehr ergeht, kommen wir natürlich", heißt es dort von einem Sprecher. Erst vor wenigen Tagen wurden zwei Hunde aus einer verrauchten Dachwohnung an der Breslauer Straße gerettet. Ein defekter Kaminofen hatte für starken Rauch unter dem Dach eines Mehrfamilienhauses gesorgt. Die Kohlenstoffmonoxidwerte waren bedrohlich hoch - für jede Art von Leben.

(RP)
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