Rat : Vorstand will zwei Filialen schließen

Rat : Vorstand will zwei Filialen schließen

Der Vorstand der Sparkasse HRV will die Geschäftsstellen am Berliner Platz und an der Homberger Straße aufgeben. Doch der Widerstand gegen die Pläne ist groß. Im Rat gab es eine lange Diskussion mit wütenden Reaktionen.

Das hatten sich die Sparkassen-Vorstände Jörg Buschmann (Vorsitzender) und Wolfgang Busch (stellvertretender Vorsitzender) bestimmt anders vorgestellt. Mit einer mehrstündigen Diskussion über die Schließungspläne für die Filialen in Ratingen West (Berliner Platz) und Ratingen Ost (Homberger Straße) hatten die Manager nicht gerechnet.

Es ging hoch her im Rat, der für die Unternehmensstrategie der Sparkasse HRV gar nicht zuständig ist. Doch angesichts der sich aufschaukelnden Protestwelle und der Tatsache, dass Ratsmitglieder im HRV-Verwaltungsrat sitzen, gerieten die Pläne buchstäblich zum Politikum.

Bürger überreichten den beiden Vorständen Listen mit rund 2500 Unterschriften, untergebracht in einem dicken Ordner. Betroffene Kunden kamen zu Wort, teilweise durch schwere Behinderungen stark beeinträchtigt. Sie kritisierten, dass die Sparkasse ihrer sozialen Verantwortung nicht mehr nachkomme. Und auch der Seniorenrat bemängelte die ins Auge gefassten Schließungen der Filialen scharf, man sollte doch auch weiterhin der Sympathieträger der Bürger bleiben.

Ob dies gelingt? Busch hatte sich in seinem Vortrag über die Stärken des Unternehmens jedenfalls darum bemüht, die Nähe zu den Kunden herauszustellen. Eine Untersuchung habe ergeben, dass eine Filiale nur einmal pro Jahr für eine Beratung aufgesucht werde. Selbstbedienungsgeräte nutze man 24 mal pro Jahr, das Online-Banking 108 mal in diesem Zeitraum. Botschaft: Immer mehr Kunden nehmen die digitalen Angebote in Anspruch, so auch die Sparkassen-App.

Busch betonte, dass es eine Telefon-Filiale mit 35 ausgebildeten Bankkaufleuten gebe, dazu eine Internet-Filiale. „Wir werden für jeden Kunden eine individuelle Lösung finden“, fügte er hinzu.

Jürgen Lindemann, der Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Ratingen, hielt dagegen: Die Schließungspläne würden vor allem die schwächeren Leute treffen, und es stimme nicht, dass man mit Blick auf die Filiale am Berliner Platz in Ratingen West nur einmal pro Jahr zu einem Beratungsgespräch komme, „da gibt es immer lange Schlangen“.

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SPD-Fraktionschef Christian Wiglow sah in dem möglichen Aus der Geschäftsstelle am Berliner Platz eine verheerende Wirkung für das Einkaufszentrum, das ohnehin schon sehr fragil sei. Durch den Verlust der Filiale würde ein wichtiger Anlaufpunkt im Stadtteil fehlen.

Behandelt wurde auch die Frage, warum Ratsmitglieder wie Ewald Vielhaus (CDU) im Verwaltungsrat die Pläne durchwinken, die dann per Antrag (auch von der CDU) gestoppt werden sollen. Bürgermeister Klaus Pesch, selbst in diesem Gremium sitzend, betonte, dass die Mitglieder des Verwaltungsrates laut Sparkassen-Gesetz nicht an Weisungen gebunden und außerdem zur Verschwiegenheit verpflichtet seien.

Vorab hatte Rainer Vogt, Fraktionschef der Bürger Union (BU), kritisiert: „Sehr befremdlich ist es, dass mehrere Fraktionsmitglieder der CDU sich öffentlichkeitswirksam an Unterschriftenaktionen beteiligt haben, wohl wissend, dass ihr eigener Fraktionsvorsitzender dies mit beschlossen hat.“

Die BU konnte sich mit ihrem Antrag, die Pläne durch den Verwaltungsrat stoppen zu lassen, nicht durchsetzen. Man entschied sich für den gemeinsamen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, FDP, CDU, Optimisten und SPD, wonach der Verwaltungsrat die Pläne erneut beraten soll mit den Zielen: Entwicklung eines Übergangsszenarios für Ratingen Ost, Überprüfung der Standortentscheidung in West und Lösungsmöglichkeiten für den Bürgerservice.

Busch wiederholte am Ende der Debatte seine Botschaft, dass man für jeden Kunden eine Lösung finden werde. Eine Abkehr von den Plänen deutete er nicht ansatzweise an. Bereits am morgigen Freitag, 7. September, tagt der Verwaltungsrat.

Die BU war nach eigener Aussage an der gremiumsinternen Abstimmung über die Schließungspläne nicht beteiligt.

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