Ratingen/Düsseldorf: Vier Ratinger Rolex-Räuber stehen vor Gericht

Ratingen/Düsseldorf: Vier Ratinger Rolex-Räuber stehen vor Gericht

Es wäre zu einfach, den Angeklagten einen exquisiten Geschmack zu unterstellen. Denn die Vierer-Gruppe (oder Vierer-Bande, wie es die Anklageschrift sieht) war nicht etwa entzückt über die Schönheit bestimmter Herrenarmbanduhren. Sie sahen rein pekuniär nur den Vermarktungspreis, den sie bei einem Hehler würden erzielen können. Der soll bei diesen Rolex-Uhren höher sein als bei anderen Fabrikaten. Wenn man Pech hat und die Sache zu heiß ist, gibt's manchmal nur ein Zehntel des offiziellen Kaufpreises. Aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Deshalb beließ man es auch nicht bei einem einzigen Raubzug.

Genau das, nämlich drei verschiedene Fälle, warf die Anklageschrift den vier Angeklagten mit unterschiedlichen Nationalitäten vor. Zwei davon, 40- und 50-jährig, wohnen in Ratingen. Minutiös schlüsselte der Staatsanwalt das Vorgehen bei drei Raubzügen im Sommer 2017 auf. Augenscheinlich wurde das Quartett da bereits intensiv überwacht. Und nein, es waren keine Einbrüche bei Juwelieren! Man ging bedeutend kleinteiliger vor - eher nach dem Drehbuch eines drittklassigen Hollywoodfilms.

Einer aus der Truppe wurde vorgeschickt, um sich in der Düsseldorfer Altstadt mit Rolex-Trägern anzufreunden. Nach der notwendigen Menge Alkohol und vielleicht auch anderer Rauschmittel war es vermutlich gar nicht besonders schwer, das zukünftige Opfer auf einen abgelegenen Parkplatz am Grünen See zu bringen. Die Aussicht auf besondere, einmalige 'Kopfüber-in-die-Nacht'-Erlebnisse in Volkardey wurde jedoch anders als erwartet wahr. Denn dort wurde das Opfer mit dem Auftritt der drei anderen Kumpane konfrontiert.

Nicht, dass man den Opfern jetzt einfach die Uhr abgenommen hätte - viel zu plump. Stattdessen mussten die Rolex-Träger mit ansehen, wie ihr neuer 'Altstadt-Freund' von den drei Anderen heftig angegangen, geschlagen und mit einer Waffe bedroht wurde, weil er angeblich hohe Schulden von mehreren Zehntausend bei denen gehabt haben soll.

Und so ein Schauspiel kann schon einschüchtern, wenn die Angreifer von der Statur her keinesfalls in ein Elfenorchester passen. Dazu ein blitzendes Messer - und einer der beiden Ratinger wedelte mit seiner Hand, an der drei Finger fehlten.

Zugunsten der Inszenierung fuhr man sogar gemeinsam zu angeblichen Geldquellen des 'Freundes', um ihm eine Chance zu geben, das angeblich geschuldete Geld aufzutreiben. Aber vergeblich. Da nichts Flüssiges aufzutreiben war, blieben jetzt nur noch die nicht mehr ganz nüchternen Rolex-Träger, die von ihren Zeiteisen befreit wurden. Nur als 'Pfand' natürlich, mehr oder weniger bedroht und alles für ihren vermeintlichen 'Freund´.

Gab es einen Grund für ein derartiges Schauspiel? Vermutlich wird man in der Verhandlung die Freiwilligkeit der Uhren-Opfer beteuern und deren Großzügigkeit loben.

Die geraubten Uhren bewertet die Anklage mit 6000, 7800 und 11.000 Euro. Das schien der Viererbande allerdings nicht genug gewesen zu sein. Einer der Uhrenträger wurde um zusätzliches Geld erpresst, weil es sich bei seiner Rolex angeblich um eine Fälschung gehandelt haben soll.

Wegen anderer Delikte sitzt das Quartett bereits in unterschiedlichen Vollzugsanstalten ein. Erwartungsgemäß verweigerten beim Prozessauftakt am Düsseldorfer Landgericht alle Angeklagten ihre Aussage, so dass nun 13 zusätzliche Verhandlungstermine bis in den Juli angesetzt werden mussten.

(magu)