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VHS Heiligenhaus schaltet jetzt auf Onlinebetrieb

Neue Angebotswege : VHS schaltet jetzt auf Onlinebetrieb

In Velbert und Heiligenhaus laufen die ersten Onlinekurse jetzt im Testbetrieb. Bei den Schulabschlüssen jedoch fühlt sich die Volkshochschule vergessen. Die Schüler müssen weiterhin zuhause lernen.

Während die zehnten Jahrgänge der weiterführenden Schulen seit Donnerstag wieder zurück in ihren Klassen sind, müssen die Schulabschlussklassen der VHS noch zuhause bleiben. „Die Volkshochschulen wurden von den Ministerien wohl vergessen, wir dürfen den Unterricht noch nicht wieder aufnehmen“, bedauert Rüdiger Henseling, Chef der VHS Velbert/Heiligenhaus. „Dabei wäre gerade hier die Rückkehr zum Präsenzunterricht wichtig.“

Ob sich das virtuelle Klassenzimmer bei den Schulabschlussklassen der VHS langfristig bewähren kann, das bezweifelt Henseling: „Gerade in diesen Fällen, in denen der Schulabschluss ja nachgeholt wird, ist die Bindung zu den Lehrkräften enorm wichtig, allein um die notwendige Struktur in den Lernalltag zu bekommen, die möglicherweise schon einmal gefehlt hat.“ Auch für das Team der VHS gibt es derzeit viel zu tun: Vor dem Lockdown wurden hier die Kurse für Senioren früh abgesagt – dafür sei man zunächst kritisiert, dann aber schnell gelobt worden. Nach der Schließung sei es dann zwei Tage sehr still geworden, jetzt laufen die Drähte aber wieder heiß und es gibt Fragen von den Kunden.

Derzeit arbeite man an der VHS n Konzepten für virtuelles Lernen und Arbeiten. Mit einem Sprachkurs und Angeboten für die Firmen der Schlüsselregion, befindet sich die Einrichtung in der Erprobungsphase auf der Lernplattform „vhs.cloud“, einem System der deutschen Volkshochschulen. „So komisch es klingt: Da ist es fast schon gut, dass die Türen hier gerade geschlossen bleiben und wir einmal etwas ‚Luft‘ haben, um das Online-Angebot in Angriff zu nehmen“, sagt Henseling.

An dessen Konzeptionierung, die bereits länger auf der To-Do-Liste stehe, sitzen derzeit die drei Programmplanerinnen Beate Buchborn, Susanne Wege und Anna Herrmann. „Es soll eine Parallelwelt zum Präsenzunterricht werden, die zusätzlich Online-Angebote zum Präsenzunterricht schaffen soll“, sagt Henseling. Dazu schaue man auch in die Länder, in denen das bereits funktioniere. Im Herbst will man diese Ideen dann der Politik vorstellen. Bis dahin soll aber auch die Planung des Herbstsemesters selbst nicht zu kurz kommen, auch daran werde derzeit gearbeitet. „Bewegungskurse könnten dann mit der Hälfte der Teilnehmer arbeiten, so dass die Abstandsregelungen eingehalten werden können.“

Beim Umgang mit der Technik im Online-Bereich erlebe man derzeit, dass die Älteren immer besser mit den technischen Neuerungen umgehen könnten, bei Jüngeren sei das hingegen auch nicht selbstverständlich, sagt Henseling. „Technisches Neuland“ seien auch die virtuellen Diensträume, die das Volkshochschulteam sich geschaffen hat. In einer Hau-Ruck-Aktion hat VHS-Verwaltungschef Marcus Nüse gemeinsam mit dem zuständigen Telekommunikationsunternehmen die technischen Bedingungen geschaffen, bei denen die Mitarbeiter, nun auch von zuhause arbeiten können. Wer nicht in die Risikogruppe falle, der kann aber auch schichtweise ins Büro an der Nedderstraße zurück. „Jeden Mittwoch gibt es eine lange Videokonferenz.“

Wo es geht, wolle man den Alltag aber aufrecht erhalten: Die Nähkurse arbeiten an Schutzmasken und die Seniorenzeitungen werden auch erscheinen, mindestens online, ob auch gedruckt, wird derzeit diskutiert. Außerdem träumt der VHS-Chef von einem sozialen Angebot, in dem Pädagogen über das Internet Familien unterstützen können. „In den flächendeckenden Strukturen der VHS in Deutschland stecken große Potentiale, gerade in einer Krise wie der jetzigen und dem was folgen wird. Wenn man alte Zöpfe abschneidet, kann man mit den richtigen Konzepten viel bewegen. Die Strukturen sind gelegt, sie müssen nur erkannt werden.“