Heiligenhaus "Verunsicherung ist spürbar"

Düsseldorf · Ehemalige Mitarbeiter und Eltern erheben zurzeit öffentlich Vorwürfe gegen die private International School Heiligenhaus (ISH). Ein Gespräch mit Schulleiterin Dr. Ursula Mock.

Frau Mock, wie hat sich die ISH seit ihrer Gründung vor drei Jahren entwickelt?

Mock Aus zunächst 37 Schülern bis Klasse fünf und sieben Lehrern sind inzwischen rund 300 Schüler und um die 50 Mitarbeiter geworden. Ein wichtiger Schritt war Anfang des Jahres die IB-Autorisierung. Diese Zertifizierung trug maßgeblich dazu bei, dass wir nun bis in die Jahrgangsstufe elf hinein Schüler unterrichten. Im September haben wir das Gebäude an der Ludgerusstraße mit Fachräumen dazubekommen, dort sind alle Jahrgangsstufen ab Klasse sieben untergebracht. Es war aber nie einfach. Am Anfang hieß es, die nehmen der Hauptschule das Gebäude weg. Damals waren auch die Zugänge zu unseren Räumen optisch nicht sehr einladend.

Wie reagieren Sie auf Elternvorwürfe, Landesvorgaben nicht einzuhalten und Schülern zu viel abzuverlangen?

Mock Sicher haben wir hier ein etwas anderes Lern- und Arbeitsverhalten als hierzulande sonst üblich, aber dessen sind sich die meisten Eltern bewusst, die ihre Kinder hierher schicken. Dafür sind wir aber zum Beispiel die einzige Schule bundesweit, die Chinesisch durch alle Jahrgänge hindurch anbietet. Wir machen hier aber nichts, was gegen Landesvorgaben verstößt. Der Anteil des Unterrichtes in deutscher Sprache liegt sogar noch höher als gefordert.

Was ist dran an den Gerüchten ehemaliger Küchenmitarbeiter, dass Speisereste nicht im Abfall landen, sondern aufbereitet werden müssen?

Mock Das weise ich in aller Schärfe zurück! Ich kann diese Art der üblen Nachrede auch nicht verstehen. Ich frage mich, warum jemand, der angeblich von mir zu so was aufgefordert wird, erst nach der Kündigung darüber spricht und sich nicht schon vorher an zuständige Stellen wendet. Wir halten uns an Recht und Gesetz und davon darf sich jeder gerne auch in der Küche überzeugen.

In anderen Schulen würde das in Schul- oder Klassenpflegschaften diskutiert. Gibt es an der ISH ähnliche Strukturen?

Mock Die Elternschaft ist hochsensibel und ausgesprochen kritisch. Jeder Klassenlehrer steht immer für Gespräche zur Verfügung, dreimal im Schuljahr finden Eltern-Lehrer-Konferenzen statt und wir haben die "friends of ish". In diesem Kreis tauschen sich Eltern untereinander aus und er dient auch dazu, Schulaktivitäten aus der Elternschaft heraus zu organisieren. Bisher haben wir in einer Art Newsletter alle sechs bis acht Wochen informiert, auf Initiative der "friends of ish" wird das zukünftig über unsere Internetseite noch aktueller geschehen. Im Übrigen steht auch meine Tür jederzeit jedem offen.

Ein Vorwurf ganz anderer Art kommt von der Arbeitnehmerseite: Sie sollen Mitarbeiter mit System jeweils in der Probezeit kündigen...

Mock Probezeiten sind dafür da, den Mitarbeiter im Arbeitsalltag kennenzulernen. Wenn das nicht passt, muss man sich trennen. Und wenn Ihr Mitarbeiter vor allem durch Nichtanwesenheit in seinem Arbeitsbereich auffällt, würden Sie auch keine andere Konsequenz ziehen können. Auch vorgekommen ist, dass Arbeiten, die angeblich kein Problem darstellen, nicht ordnungsgemäß oder sogar unter Gefährdung der Schulkinder ausgeführt wurden. Ich könnte noch viele Gründe nennen, insbesondere, wenn mir Einzelfälle genannt werden. Klar, ich stelle eine hohe Leistungsanforderung, aber ich fordere nichts, was ich nicht auch von mir selbst erwarte. Ich halte das für eine gezielte Kampagne, gegen die ich mir auch rechtliche Schritte vorbehalte. Aber ich habe auch daraus gelernt und werde mich von der Idee, Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben, wohl entfernen.

Reden Sie mit der Gewerkschaft?

Mock Ich habe bereits mit einem Mitarbeiter von Verdi telefoniert und stehe grundsätzlich gerne für Gespräche zur Verfügung. Ein Problem habe ich damit, dass die Judikative auf die Straße verlagert wird.

Fürchten Sie einen Image-Schaden für die ISH?

Mock Ich denke, der ist schon da. Viele Elternreaktionen sind zwar wohlwollend, aber eine Verunsicherung ist spürbar. Ich habe ein gutes Team zusammen, in dem viele Mitarbeiter hochmotiviert dabei sind und denen die Schule persönlich am Herzen liegt. Als Schule sind wir stark aufgestellt und ich hoffe, dass wir das gemeinsam überwinden.

Stefan Mülders stellte die Fragen.

(RP)
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