Heiligenhaus: Vereinte Kräfte für das Ehrenamt

Heiligenhaus: Vereinte Kräfte für das Ehrenamt

Alfred Salmon ist sauer. Als Vorsitzender des Bürgervereins Unterilp hat er aus der Vereinskasse für den kleinen Rosenmontagszug mit den Kindergartenkindern durch die Unterilp über 50 Euro an die Gema bezahlen müssen, ein kleines Beschallungsgerät sorgte für Karnevalsmusik.

Für das Urheberrecht hat er natürlich Verständnis. Doch das fordert er auch ein für die ehrenamtliche Arbeit kleiner Vereine, wie den seinen. "Wir können so keine öffentlichen Veranstaltungen mehr für den Stadtteil machen. Bei anderen Veranstaltungen müssen wir zum Teil noch erheblich mehr zahlen. Für einen Verein, der einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von zwölf Euro verlangt, ist das kaum möglich."

Sein Problem schilderte Salmon am Samstag beim "Forum Ehrenamt", das im Club stattfand. Dazu lädt SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese regelmäßig ehrenamtlich Tätige ein; warum sie das unter anderem tut, wurde zum Beispiel bei Salmons Problem deutlich, denn eine Velberter Amtskollegin gab Salmon den Tipp, mit seinem Verein einem Verband anzugliedern, bei dem es Ermäßigungen bei ehrenamtlicher Arbeit gebe. Vernetzung von ehrenamtlich Engagierten über die Stadtgrenzen hinweg, Tipps für Projekte, aber auch die Diskussion rund um Fragen zum Ehrenamt beschäftigten die Teilnehmer im gut gefüllten Club. Auch Bernd-Dieter Leuschner hatte eine dringende Frage: In seinem Tennisclub gebe es zwei Minijobber auf 450 Euro-Basis, die sich um die Tennisplätze kümmern. "Für unseren ehrenamtlich arbeitenden Finanzvorstand ist die Dokumentierung aufgrund des Mindestlohns ein Mehraufwand." Gebe es hier Fehler, drohe eine Geldstrafe. Er macht sich Sorgen, dass deswegen keiner mehr diesen Posten übernehmen wolle. Griese klärte auf: "Auch die Arbeit von Minijobbern muss registriert werden. Gerade hier ist in der Vergangenheit, zum Beispiel in der Gastronomie oder den Gebäudereinigern, viel Schindluder getrieben worden." Man müsse hier genau trennen, zwischen Ehrenamt und Erwerb, betont Griese. Für die Dokumentierung selbst, auf den notwendigen Bögen, brauche man nur wenig Zeit. Generell sei Ehrenamtliche Arbeit kein Ersatz für staatliche Aufgaben. "Das Ehrenamt kann nur ergänzen". Trotzdem müsse man verstärkt bei Jugendlichen für das Ehrenamt werben, hier habe die Zahl laut Statistik im letzten Jahr abgenommen. Eine Mutter erzählte, dass ihre Kinder durch die verkürzte Schulzeit kaum mehr Zeit fänden fürs Engagement. SPD-Landtagsabgeordnete Elisabeth Müller-Witt erklärte, dass das Schulministerium hier derzeit an einem runden Tisch eine Lösung ausarbeite, die die Schüler wieder entlasten solle.

(sade)
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