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Trotz Niedrigzinsen: Jahresüberschuss von 3,5 Millionen Euro erzielt.

Bilanz : Sparkasse HRV blickt zufrieden auf Geschäftsjahr 2019

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen erwirtschaftet die Sparkasse HRV Jahresüberschuss von etwa 3,5 Millionen Euro erzielt. Keine Filialschließungen in Sicht

Die gegenwärtige Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie zunehmende bürokratische Auflagen seitens der EU oder des deutschen Staats machen es auch der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert (HRV) nicht leicht, erfolgreich zu wirtschaften. Die Zeiten für den Finanzdienstleistungssektor sind schwierig, bilanziert Jörg Buschmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse HRV. Die Verdienstmöglichkeiten für regionale Geldinstitute seien stark beschnitten.

Dennoch zieht Buschmann zusammen mit seinem Vorstand am Montag auf der Bilanzpressekonferenz der Sparkasse HRV ein positives Fazit für das Geschäftsjahr 2019. „Wir haben unsere gesteckten Ziele erreicht. Man muss allerdings ganz klar sagen, dass wir uns nach Jahren der Nullzinsphase und gestiegener Bankenregulierung inzwischen auf einem anderen Ertragsniveau bewegen als in früheren Zeiten“. Unter diesen Rahmenbedingungen könne die Sparkasse HRV dennoch mit dem Ergebnis zufrieden sein. Insbesondere konnte das Kreditinstitut im Wertpapier-, Versicherungs- und Kreditneugeschäft zum Teil deutlich zulegen, teilt Buschmann am Montag mit.

Gesteigerte Bilanzsumme

Eine wichtige Kennziffer ist und bleibt die Bilanzsumme, also die Summe aller Vermögensgegenstände auf der Aktiv- und Passivseite einer Bilanz. „Unterm Strich“ ist sie um 4,1 Prozent auf nunmehr etwa 3,5 Mrd. Euro gestiegen. Dazu passt dann auch, dass die Ertragslage der Sparkasse HRV nach wie vor solide sei, so dass auch in diesem Geschäftsjahr eine Ausschüttung an die Träger möglich sei, sagt Buschmann. Wie hoch diese Ausschüttung an die drei kommunalen Träger  (die Städte Hilden, Ratingen und Velbert sind Gesellschafter der Sparkasse HRV) letztlich sei, bestimme der Verwaltungsrat. In den vorigen Jahren lag diese Ausschüttung bei etwa zwei Millionen Euro.

Wieder Jahresüberschuss

Insgesamt konnte die Sparkasse HRV einen Jahresüberschuss im vergangenen Geschäftsjahr von rund 3,4 Millionen Euro erwirtschaften. 2018 lag dieser Jahresüberschuss bei 3,9 Millionen Euro, heißt es. Hier schlugen sich laut Sparkassen-Vorstand erneut die aktuell schwierigen Rahmenbedingungen nieder. Die Eigenkapitalquote lag bei 17,9 Prozent, das Zinsergebnis bei 53,3 Millionen Euro. Dem gegenüber steht ein Verwaltungsaufwand von etwa 64,5 Millionen Euro, teilt die Sparkasse HRV mit.

Kreditgeschäft, Wertpapiere und Versicherungsgeschäft laufen gut

Im gewerblichen Kreditgeschäft verzeichnete die Sparkasse HRV ein überdurchschnittliches Wachstum von 4,8 Prozent. Der Grund: Das Kreditgeschäft mit Investoren habe deutlich zugenommen. Die Sparkasse HRV konnte ebenso im Kreditgeschäft mit ihren Privatkunden eine Steigerung von knapp 1,1 Prozent oder rund 10,5 Millionen Euro erzielen. Neben dem Baufinanzierungsgeschäft trugen auch die Konsumfinanzierungen zu diesem Ergebnis bei, teilt der Sparkassen-Vorstand mit.

Nach eigenen Aussagen lief 2019 auch das Wertpapiergeschäft gut. „Das extrem niedrige Zinsniveau und die Perspektive, dass die Zinsen in den klassischen Anlageformen auch langfristig deutlich unterhalb der Inflationsrate liegen oder sogar negativ sind, sorgten dafür, dass sich viele Kunden erstmals oder erneut Alternativen an den Kapitalmärkten suchten“, heißt es. Von einer „Renaissance von Lebensversicherungen“ ist sogar die Rede beim Sparkassen-Vorstand. Auch die Themen Altersvorsorge und Vermögensaufbau würden sich immer mehr mit der Anlage in Wertpapieren verbinden.

Mit dem zurückliegenden Versicherungsgeschäft sei man auch zufrieden. „Haupttreiber dieser Entwicklung ist die private Vorsorge“. Vor allem die Vermittlung von Rentenversicherungen konnte im Vorjahresvergleich deutlich gesteigert werden. Das bescherte der Sparkasse HRV bei den Absicherungen gewerblicher Risiken wie im Vorjahr einen sehr guten Platz im Vergleich der rheinischen Sparkassen.

Erneut deutliches Wachstum im Einlagenbereich

„Trotz anhaltender Niedrigzinsen zeigte das Einlagengeschäft (129 Millionen Euro) insgesamt auch 2019 einen positiven Verlauf“, sagt Buschmann. Der Zuwachs falle zu 2018 jedoch geringe aus. „Wir werden aber nach wie vor mit Geld überflutet und wissen kaum wohin mit den ganzen Einlagen“, sagt Buschmann.

Bei den klassischen Geschäfts- und Privatgiroeinlagen gab es eine Bestandsausweitung von 9,7 Prozent, die deutlich über den Wachstumszahlen des Vorjahres lag (82,9 Mio. Euro). Und selbst das "normale" Sparbuch habe  mit 7,9 Prozent oder 32,1 Millionen Euro auch 2019 noch einmal zugelegt.

Strafzinsen kommen

Das unbeliebte „Verwahrentgeld“, auch Strafzinsen tituliert, spielt auch für die Sparkasse HRV eine Rolle. Es betrifft aber vorwiegend Kommunen und Firmen. „Wir nehmen bei Firmen, die mehr als 500 000 Euro bei uns auf dem Konto haben, 0,5 Prozent und bei Kommunen, die mehr als eine Million Euro liegen haben, einen Prozent Strafzinsen“, erklärt Jörg Buschmann. Der Vorstandsvorsitzende gibt aber für den normalen Sparkassenkunden Entwarnung. „Aber rund 99 Prozent unserer Kunden sind davon nicht betroffen“.