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Trinkwasser in Ratingen und Heiligenhaus abkochen

In Ratingen und Heiligenhaus : Trinkwasserschutz: Vorsicht ist besser

Für Ratingen lässt sich nicht abschätzen, wie lange die Verunreinigung des Trinkwassers anhalten wird. Deshalb soll es abgekocht werden. Das gilt auch für Heiligenhaus, obwohl dort seit jeher eigenes Grundwasser eingespeist wird.

Was seit dem Starkregen bei einigen Ratingern aus dem Wasserhahn kommt, lädt nicht gerade zum Trinken ein: eine trübe, seltsam riechende Brühe. Um Gesundheitsschäden zu vermeiden, empfiehlt das Gesundheitsamt, das Wasser abzukochen.

Die Stadtwerke Ratingen stehen in ständigem Austausch mit der Rheinisch Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW), die etwa zwei Millionen Kubikmeter Wasser jährlich für die Stadtteile Breitscheid, Eggerscheidt, Hösel und Lintorf liefern. Die übrigen Stadtteile werden aus Wasserwerken an der Broichhofstraße und Homberg versorgt. Wie lange die Verunreinigung andauern wird, können die Stadtwerke Ratingen derzeit nicht sagen. „Wir haben selbst keinen Einfluss auf die Wasserproduktion des RWW, sondern übernehmen das angelieferte Wasser an definierten Übernahmepunkten in unser Netz“, so die Stadtwerke.

Das Ratinger Unternehmen empfiehlt den betroffenen Stadtteilen, das Abkochgebot zu beachten und es zu vermeiden, nicht abgekochtes Wasser zum Trinken oder Reinigen von Nahrungsmitteln zu verwenden. Dies gilt insbesondere dann, wenn diese nicht gekocht, gegart oder gedünstet sind. Auch das Zähneputzen und das Herstellen von Eiswürfeln sei nicht empfehlenswert. Bei Nichtbeachtung könne es je nach körperlicher Konstitution zu unterschiedlich schweren Krankheitsverläufen kommen. Die Chlorung des Wassers sei jedoch ein Standardverfahren, das keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit habe.

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Beim RWW laufen derweil die Bemühungen auf Hochtouren, das Trinkwasser wieder in gewohnter Form aufbereiten zu können. Doch das Mülheimer Unternehmen kämpft selbst mit Wassereinbrüchen. Im Wasserwerk Kettwig kam es am gestrigen Nachmittag zum Wassereinbruch in den Pumpenkeller. Rainer Roggatz, Leiter Technik: „Der Keller konnte durch Unterstützung der Feuerwehr Essen mit mehreren Einsatzfahrzeugen plus Mannschaft unter Kontrolle gebracht werden.“ Die automatische kontinuierliche Qualitätsmessung des Trinkwassers ist ausgefallen, da die Stromversorgung unterbrochen ist. Stündlich wurden deswegen Qualitätsmessungen an zahlreichen Punkten wiederholt, um die Qualität des Trinkwassers zu überprüfen.

In den Mülheimer Werken ist das Wassergewinnungsgebiet großflächig überflutet. Mit der üblichen praktizierten Aufbereitung lässt sich die daraus entstehende Trübung nicht mehr zurückhalten, so dass mit Ozon, UV-Licht sowie Chlor in extrem hoher Konzentration desinfiziert werden muss – begleitet von Kontrollmessungen.

Von den Kettwiger Problemen hat der Heiligenhauser Stadtwerkechef Michael Scheidtmann natürlich Kenntnis: „Das ist schon dramatisch dort“, so kommentiert er den Stand in unmittelbarer Städte-Nachbarschaft. Für Heiligenhaus sieht die Sache anders aus: Hier gilt das Gebot, Wasser abzukochen, als reine Vorsichtsmaßnahme. Denn die Stadtwerke fördern das Trinkwasser für Heiligenhaus aus zwei eigenen Brunnen. Grundwasser, kein Uferfiltrat. „Nur bei Spitzenauslastung des Systems, wie an heißen Sommertagen, kommt über zwei Punkte Zulauf von RWW-Wasser“, erklärt er. Das Hochwasser habe eine solche Lage nicht herbeigeführt. Heißt: In diesen Tagen ist bisher kein Tropfen RWW-Wasser aus Mülheim in Heiligenhauser Wasserleitungen gelangt.

„Aber das kann sich schlagartig ändern“, sagt Scheidtmann. Theoretisch könne es ja auch Störfälle geben, die mit der aktuellen Lage gar nichts zu tun hätten. Dann sprängen die Zusatz-Pumpen einfach an und es gäbe keine Warnfrist mehr. Insofern seien die Heiligenhauser sehr gut beraten, Vorsicht walten zu lassen und das Trinkwasser abzukochen. Es sei übrigens auch nicht ratsam, Obst einfach unter kaltem Wasser abzuwaschen und abzuwischen, um des dann zu verzehren. Der Heiligenhauser Wasserbrauch liegt an einem Durchschnittstag bei etwa 4500 Kubikmetern, an Spitzentagen bei 7000 Kubikmetern.