Theresa Dietz (22) arbeitet im Landtag, ist Reiterin, Jura-Studentin und Chefin der Jungen Union (JU) in Ratingen.

Frau der Woche: Sie hält die Zügel gerne in der Hand

Die Chefin der Jungen Union in Ratingen, Theresa Dietz (22), ist Reiterin und Jura-Studentin.

Als mit dem Pferd noch Kriege gewonnen wurden, war es ein Männertier. Soweit ein Psychologe in der ARD-Sendung Planet Wissen. Heute gibt es nur noch im Spitzensport viele reitende Männer. In den Ställen sieht man meist Frauen, und in den Reitschulen gibt es schon seit Jahren kaum noch männlichen Nachwuchs. Fast 90 Prozent der Pferdefreunde sind weiblich. Bei der Ratinger Familie Dietz ist es ein bisschen anders: Der Vater Horst Dietz stieg in einer erfolgreichen Zeit seiner hoffnungsfrohen Reiterkarriere vom Pferd und wandte sich als Florist den Pflanzen zu, seine Tochter Theresa blieb jenseits der Teenagerjahre auf dem Pferderücken.

Inzwischen ist klar, dass auch sie trotz hervorragender Ergebnisse beim Springreiten und im Bundeskader zwar noch einige Ambitionen hegt – dass sie allerdings keine berufliche Karriere auf dem inzwischen anerkannten Mädchentier Pferd anstrebt. Aber manches hat sie noch vor mit ihrem Wallach Carefino. „Der kennt mich so gut wie sonst kaum jemand.“

Er weiß, dass sie nicht alles rasant niederreitet, was da so auf dem Platz aufgebaut ist, dass sie nicht auf Geschwindigkeit steht, sondern eher auf Sicherheit. Und dass sie im Laufe ihrer Springreiterei beständige Zuverlässigkeit und die berühmte ruhige Hand bewiesen hat.

Nun ist die junge Frau 22 Jahre alt, nach einer ganz kurzen Volte zufrieden im Jura-Studium angekommen, wurde zur Chefin der Jungen Union (zwölf Mitglieder im Vorstand, 140 Mitglieder, die nicht unbedingt der CDU angehören) in Ratingen gewählt und kann sich in einigen Ratsausschüssen als sachkundige Bürgerin beweisen.

Während Vater Dietz unter anderem auch bei Reitturnieren die liebenswerte Bepflanzung verantwortet und Events begrünt, Mutter Dietz nah und fern Modemessen veranstaltet – während dessen entwickelt Kind Dietz, einzige Prinzessin zu Hause, Verantwortung für die Allgemeinheit. Schon in den frühen Jahren auf der Liebfrauenschule mischte sie in der Schülervertretung mit. Sie war im Jugendrat und konnte sich da natürlich schon einen frühen Einblick in politische Usancen verschaffen.

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Die CDU-Granden haben erst einmal gute Karten bei Theresa Dietz, weil sie ihnen altersangemessene einsichtsvolle Positionen zugesteht. Sie ist aber schlau genug, auch hinter die vaterländisch vorgetragenen Sequenzen zu schauen und abzuwägen. Das möge ihr erhalten bleiben und sich noch schärfen.

Sie muss schon zugeben, dass ihre Mutter sie gerne ein bisschen schicker sähe. Wie Mütter so sind. „Wenn ich auch noch Perlohrstecker hätte, könnte ich schon - als Einzelkind, als CDU-Nahestehende, als Jurastudierende - ganz prima ein Klischee erfüllen.“ Sie grinst und tut das mit der gewählten Alltagskleidung eigentlich nicht.

Worauf sie aber sehr stolz ist, kann man auch außenstehend nur loben: Sie ist, auch nicht alltäglich, hilfsbereit und zuverlässig. So, wie das auf viele Kinder zutrifft, die in einem Geschäftshaushalt aufwachsen und die mit Tieren, vornehmlich großen, umgehen. Da muss bei Bedarf jeder mal anpacken. Und, nebenbei gesagt: Ohne diese Eigenschaft hätte sie wahrscheinlich bei Turnieren keinen – familienmäßig gesagt – Blumenpott gewonnen.

Sie freut sich auf die nächsten Turniere, wertschätzt Menschen mit Sachverstand, macht gern ihr Studium, kommt mit guter Laune daher – auch, wenn ihre Familie eher innere Nähe bei äußerer Distanz bietet. Aber manchmal sind doch alle da und nehmen gemeinsam eine Mahlzeit ein.

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