Breitscheid: Taxi für Blutkonserven

Breitscheid: Taxi für Blutkonserven

Julia Bohm absolviert bei den Johannitern in Breitscheid ihr Freiwilliges Soziales Jahr. Sie transportiert Blutkonserven vom Blutspendedienst West in Krankenhäuser in ganz NRW. Die RP begleitete sie auf einer Fahrt.

"Julia, ein Auftrag für Dich." Schnell gibt die Einsatzzentrale den Auftrag an Julia Bohm weiter. Das St. Marienkrankenhaus braucht zusätzliche Blutkonserven. Schnell läuft Bohm ins Schlüsseldepot der Johanniter-Zentrale in Breitscheid und gibt ihren Code ein, dann geht es weiter in den weißen Johanniter-Kombi. Das Blackberry wird eingeschaltet, damit Julia Bohm immer mit der Zentrale verbunden ist. Schon geht es los.

Erste Station: Der Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), praktischerweise nur einige Straßen von den Johannitern entfernt. Dort nehmen die Fahrer ihre wertvolle Fracht auf und verteilen sie an die einzelnen Krankenhäuser. Durch halb NRW düsen die Fahrer und bedienen die Kliniken.

"Eigentlich werden die Krankenhäuser jeden Tag auf Versorgungsfahrten mit Blut versorgt", erklärt Julia Bohm. Sie und ihre Kollegen kommen nur dann, wenn plötzlich Konserven knapp werden, etwa wenn es einen Unfall gab. "Wenn es ganz dringend ist, bringen wir das Blut auch in Alarmfahrten mit Sirene und Blaulicht", so Bohm. Doch meistens reichen auch die normalen Fahrten aus. Die Zwanzigjährige absolviert derzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei den Johannitern in Breitscheid.

Für einen Schwatz bleibt keine Zeit

Kaum beim Blutspendedienst angekommen, macht sich schon das Blackberry bemerkbar. Die Zentrale gibt ihr gleich den nächsten Auftrag, einen Transport ins Evangelische Krankenhaus nach Mülheim. Die Mitarbeiter des DRK warten auch schon auf sie. Die Blutkonserven sind in kleine Kartons verpackt, dazu gehören Lieferzettel. Auf denen wird genau dokumentiert, wer wann welche Konserven übernommen hat. In der kleinen Wartehalle trifft Julia Bohm einen Kollegen von den Maltesern, der ebenfalls auf seine Ladung wartet.

Doch für einen Schwatz bleibt keine Zeit, zügig werden die Kartons in dem kleinen Kühlschrank im Kofferraum verladen, ein Statusbericht an die Zentrale gesendet und dann geht es los Richtung St. Marienkrankenhaus in Ratingen. Dort angekommen verschwindet Julia Bohm mit ihrer Ladung im Labor, tief im Inneren des Krankenhauses. "Am Anfang hab ich mich da nie rein getraut, weil ja überall die Schilder stehen ,Kein Zutritt für Unbefugte'", schmunzelt Bohm. Dass sie als Johanniterin befugt ist, daran musste sie sich erst einmal gewöhnen.

Nachdem die wichtigen Unterschriften von den Empfängern im Labor geleistet wurden, geht die Fahrt auch schon wieder weiter. Diesmal ist Mülheim das Ziel. Schon während der Fahrt kommt gleich der nächste Einsatz. Von Mülheim aus geht es also wieder zurück zum Blutspendedienst nach Breitscheid und dann Richtung Krefeld Uerdingen.

"An das stundenlange Autofahren muss man sich erst gewöhnen", so die Zwanzigjährige. In den ersten Tagen hatte sie sogar Muskelkater in den Knien. "Nach Dienstende brauche ich definitiv immer Bewegung." Doch bis dahin dauert es noch ein paar Stunden. Auf dem Weg zurück von Uerdingen fragt sie in der Zentrale nach, ob es einen weiteren Einsatz gibt. Da nichts vorliegt, fährt sie zurück, bringt Schlüssel und Lieferscheine an ihren Platz. "Jetzt mache ich erstmal Pause im Aufenthaltsraum."

Der Job bei den Johannitern macht ihr jedenfalls so viel Spaß, dass sie auch nach Ende ihres Freiwilligen Sozialen Jahres als Ehrenamtlerin weitermachen will. "Gerade an den Wochenenden werden Ehrenamtler für die Fahrten gebraucht."

(RP)