Ratingen: Tänzer fühlen sich wie eine große Familie

Ratingen: Tänzer fühlen sich wie eine große Familie

Steffi Keller hat den Spaß am Tanzen zum Beruf gemacht. Inzwischen ist sie "Tanzlehrende", wie es der Dachverband offiziell nennt.

Dem einen fallen beim Stichwort "Tanzen" Rilke-Zeilen ein: "Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht", der andere hat einen gewissen Schmidtchen Schleicher im Ohr und die Dritte die mit Krönchen geschmückten höheren Töchter beim Wiener Opernball. Steffi Keller dachte hauptsächlich daran, Spaß zu haben.

Steffi Keller ("Niemand nennt mich Stefanie") ist in Kaiserslautern geboren und in Langenfeld aufgewachsen. Sie wird jetzt 31 Jahre alt, hat den angestrebten Spaß in den Beruf herüber gerettet und kann sich nicht vorstellen, dass sie einmal etwas anderes machen möchte als Tanzlehrerin zu sein - vom Dachverband Tanzlehrende genannt.

Und so soll es auch gewesen sein, als es nach Grund- und Realschule und Gymnasium irgendwie darum ging, einen Beruf zu erlernen. Ums Geld ging es dann erst mal. Und Steffi machte das, was viele Jugendliche machen, wenn der weitere Weg zum Broterwerb noch nicht so ganz klar ist: Sie jobbte. Sie tanzte aber auch schon, Videoclip-Dancing und so manches, was sich irgendwann und irgendwie aus dem HipHop entwickelt hatte.

Und dann begann sie - man muss volljährig sein - eine hauptberufliche Ausbildung, und zwar betrieblich - allerdings funktioniert die ohne Berufsschule. Sie war für anderthalb Jahre Auszubildende in einer Tanzschule, um den theoretischen Teil ihres Berufs zu erlernen. Da ging es unter anderem auch um kundenorientiertes Dienstleistungsverhalten und betriebsspezifische Abläufe. Den praktischen Teil der Ausbildung, der noch einmal anderthalb Jahre dauerte, absolvierte sie in Ratingen am Wall, wo sie auch heute noch arbeitet.

Wem eine staatliche Anerkennung seines Berufsabschlusses wichtig erscheint, ist beim Tanzlehrerjob nicht richtig. Wer aber seine Bestätigung auch aus der Wertschätzung der Unterrichteten beziehen kann, der ist hier gut aufgehoben.

Kollegin Johanna Skoerys, Auszubildende, meint über Steffi Keller, dass sie nicht nur den Schülern eine Menge an Wissen vermitteln kann, sondern auch ihr und der weiteren Auszubildenden. "Wir können uns hier wie eine Familie fühlen". Ganz klar, dass man sich duzt - was auch für den Rest aller Vor- und Nachtanzenden gilt und keinem Probleme macht.

Ob nun die Kursteilnehmer "zwei linke Füße" haben, wie manch einer sagt, oder einfach ein bisschen langsam sind: "Sie lernen es alle und brauchen ihren Mut nicht sinken zu lassen", meint Steffi Keller. Als ausgesprochenes Anbagger-Terrain möchte sie die Tanzschule nicht sehen, und schon gar nicht als die Stätte, wo Mauerblümchen vor großen Spiegeln verkümmern. Man bekommt in jedem Kurs noch paarweises Tanzen hin.

(RP)