„Cold Case“ aus Velbert 2007 vor Landgericht Prozessauftakt 17 Jahre nach Stewardessenmord

Kreis Mettmann · Als der damals 14-jährige Gregor K. am 1. Februar 2007 von der Schule nach Hause kommt, findet er seine Mutter in einer Blutlache liegend in der Küche. Der Fall schlug hohe Wellen. Nun startet der Prozess.

 Vor dem Wuppertaler Landgericht muss sich ein 58-Jähriger verantworten.

Vor dem Wuppertaler Landgericht muss sich ein 58-Jähriger verantworten.

Foto: dpa/Oliver Berg

Als der damals 14-jährige Gregor K. am 1. Februar 2007 von der Schule nach Hause kommt, findet er seine Mutter in einer Blutlache liegend in der Küche. Die 47-Jährige Stewardess war erschlagen worden, vom Täter fehlte jede Spur. Trotz intensiver Ermittlungen der Mordkommission „MK Friedrichstraße“, benannt nach der Wohnadresse der Ermordeten“, blieb der Fall ungelöst. Auch die bis dahin größte DNA-Untersuchung des Landes, bei der 700 Speichelproben gesammelt worden waren, hatte keine Spur ergeben. Der Fall landete bei den Akten - bis Ermittler den „Cold Case“ wieder aufgriffen. DNA-Spuren, die damals auf Folien gesichert und mit einem neuen Verfahren ausgewertet worden waren, hatten nach Hessen zu Sven K. geführt. Mehr als 17 Jahre nach der Tat sind sich die Ermittler sicher, den Täter gefasst zu haben.

Nun sitzt der 58-Jährige am Wuppertaler Landgericht wegen Mordes auf der Anklagebank, er sagt: „Ich habe die Tat nicht begangen“. Zuvor hatte Staatsanwältin Janina Bachtenkirch bei der Verlesung der Anklageschrift von einem Auftragsmord gesprochen. Der Ehemann von Claudia K. hatte sich nur wenige Tage nach der Tat in seiner Wohnung in Hessen erschossen, zuvor soll er den Mord an seiner Ex-Frau in Auftrag gegeben haben. Die Männer sollen sich gekannt haben, Sven K. soll damals arbeitslos und in finanziellen Schwierigkeiten gewesen sein.

Als er in den Saal geführt wird, spricht er kurz mit seinem Anwalt Athanasios Antonakis, dann setzt er sich auf die Anklagebank. Was er zu den gegen ihn erhobenen Tatvorwürfen zu sagen hat, liest er von einem Zettel ab. Hartmut K., den Ex-Mann des Opfers, habe er gekannt. Er habe Kurierdienste übernommen und sich dafür bezahlen lassen. Am Morgen des 1.Februar 2007 sei ein „André“ in seinen Audi gestiegen - Hartmut K. habe ihn gebeten, den ihm unbekannten Mann mit seinem Audi nach Velbert zu fahren. Dort angekommen, sei der Unbekannte ausgestiegen und zur Wohnung von Claudia K. gegangen. Er selbst habe im Auto gewartet und sei ihm dann - weil er wegen eines Termins unter Zeitdruck gestanden habe - dorthin gefolgt. Er habe die 47-Jährige in der Küche liegend vorgefunden und helfen wollen, der „André“ habe ihn aus der Wohnung gezerrt und gesagt: „Du bist jetzt still, oder Du bist tot“. Gemeinsam sei man zurückgefahren, der vermeintliche Mörder von Claudia K. sei aus dem Auto gestiegen und weg gewesen. Er selbst habe über das Erlebte nicht sprechen können, bis zu seiner Inhaftierung im vergangenen Sommer. Als es um seine Ehefrau und das Haus in Florstadt geht, gerät Sven K. ins Stocken. Den letzten Satz liest sein Verteidiger vor: „Ich schäme mich, dass ich damals weggelaufen bin und nun als Mörder angesehen werde.“ Zeugen wollten damals einen Mann gesehen, der vor dem Haus des Opfers gestanden und geklingelt haben soll. Auf dem Phantombild trägt er eine rote Wollmütze, die Haare zum Zopf gebunden.

Während die Ermittler sicher sind, dass das Bild zu Sven K. passt, sieht Verteidiger Athanasios Antonakis diese Ähnlichkeit nicht: Es gäbe Fotos seines Mandanten aus 2007, da habe er nicht viel anders ausgesehen als jetzt. Sven K. selbst hatte den Mann, den er nach Velbert gefahren haben will und der den Mord begangen haben soll, so beschrieben: Braune Haare, schulterlang.

Was sich an jenem Morgen im Februar 2007 in der Wohnung von Claudia K. abgespielt haben soll, war zuvor bei der Anklageverlesung zu hören: Die 47-Jährige soll dem Täter selbst die Türe geöffnet haben. Dann sei sie in ihrer Küche niedergeschlagen worden und bewusstlos vom Stuhl gefallen. Daraufhin soll der Angeklagte im Schlafzimmer einen Gürtel geholt, der Stewardess eine Plastiktüte um den Kopf gebunden und weiter auf sie eingeschlagen haben. Sieben Schläge auf den Kopf sollen zu einem erheblichen Blutverlust, und letztlich zum Tod des Opfers geführt haben.