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Corona in Flüchtlingsheimen: Stadt hat Coronaplan für Flüchtlinge

Corona in Flüchtlingsheimen : Stadt hat Coronaplan für Flüchtlinge

Vorkehrungen für Flüchtlingsheime seien getroffen. Im Ernstfall setze sie auf eine getrennte Unterbringung von Infizierten.

Es ist eine gute Nachricht in aktuell schwierigen Zeiten: Die Stadt ist vorbereitet, sollte es einen Verdachtsfall oder gar den ersten bestätigten Coronafall in einem ihrer Flüchtlingsheime geben.

„Für den Ernstfall haben wir Vorkehrungen getroffen“, sagt Harald Filip, Beigeordneter, auf RP-Anfrage. Die Stadt habe demnach bereits „Kapazitäten zur Unterbringung von möglichen Infizierten“ geschaffen.

Konkret sind laut Filip zwei Etagen in zwei unterschiedlichen Unterkünften – die Standorte will man namentlich nicht nennen – geräumt worden, um dort etwaige mit dem Coronavirus infizierte Flüchtlinge separat unterbringen und entsprechend versorgen zu können.

Ein ähnliches Vorgehen gibt es dem Vernehmen nach auch in den anderen neun Städten im Kreis. Zudem stehe die Stadtverwaltung Ratingen sowie der Krisenstab im ständigen und engen Austausch mit dem Kreisgesundheitsamt, sagt der 57 Jahre alte Beigeordnete.

Derzeit gibt es in der Stadt 18 Unterkünfte, „alles reine Asylunterbringungen“, sagt Filip. Insgesamt wohnen in diesen städtischen Unterkünften 450 Flüchtlinge, aus allen Konfliktherden der Welt.

Daneben gibt es noch auf Ratinger Stadtgebiet die vom Land NRW betriebene Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Cemex an der Daniel-Goldbach-Straße in Tiefenbroich.

Mit der ZUE hat die Stadt aber nichts zu tun. Auf der Homepage der Stadt Ratingen steht dazu, dass dort nochmals für 930 Flüchtlinge Platz ist.

Auf die Einhaltung der Hygienevorschriften des Robert-Koch-Instituts (RKI), so Filip weiter, achte man in den von der Stadt betriebenen Flüchtlingsunterkünften aber besonders gründlich. Überall in den Heimen, wo viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen auf engen Raum wohnen, sollen die Hinweise des RKI aushängen.

„Auch unsere Hausmeister sind vor Ort und sensibilisieren für das Thema und achten auf Sauberkeit sowie auf die Einhaltung der Regeln wie Kontaktsperren und Ansammlungsverbote“, sagt Filip.

Dass das für alle Beteiligten kein einfaches Unterfangen angesichts der räumlichen Enge in den Heimen sowie gemeinsamer Zimmer, Küchen, Toiletten und Duschen ist, dürfte jedem klar sein. „Deshalb ist Hygiene aber dort besonders wichtig“, unterstreicht Filip, der diesbezüglich zurzeit keinen Grund zur Beanstandung in den Heimen sieht.

Aber auch die Eigenverantwortung der Flüchtlinge sei hierbei zentral. Um das Coronavirus möglichst fern von den Unterkünften zu halten, brauche es das Mitwirken der Flüchtlinge.

„Eigenverantwortung wahrzunehmen ist ein wichtiger Schritt, insbesondere auch für ein späteres eigenständiges Leben in Deutschland“, sagt Filip.

Ihm ist aber auch bewusst, dass für die Flüchtlinge die derzeitige Situation besonders schwierig ist. Die normalen Angebote in den Heimen seien eingeschränkt. „Wir können aufgrund der derzeitigen Lage unsere Angebote lediglich noch in abgespeckter Version anbieten“, sagt Filip und nennt als Beispiel den für traumatisierte Flüchtlinge so wichtigen psychosozialen Dienst, der jetzt deutlich seltener angeboten werde.

Weil auch das öffentliche und kulturelle Leben kaum noch stattfinde und es nur noch vereinzelt Sportangebote gebe sowie Sportstätten und Geschäfte geschlossen seien, hätten die Flüchtlinge kaum noch Freizeit- und Betätigungsmöglichkeiten.

Dieses Problem stellt insbesondere Flüchtlinge vor extreme Herausforderungen. Auch deshalb hat etwa der Flüchtlingsrat NRW, ein gemeinnütziger Verein, an das Land die Forderung erhoben, „dringend in Kooperation mit den Kommunen die Anzahl der Personen in den Massenunterkünften deutlich zu reduzieren und möglichst viele Menschen dezentral unterzubringen“.

Hierzu sind laut Flüchtlingsrat NRW sämtliche freie Kapazitäten einzubeziehen, zur Not muss über die Anmietung von Hotels oder Pensionen nachgedacht werden, um die Belegungsdichte zu reduzieren.

Für Ratingen sei die Anmietung von leer stehenden Zimmern in Hotels oder Pensionen derzeit keine Option, sagt Filip. „Wir haben bereits die Belegungsdichte entzerrt. Wo etwa 60 Bewohner hätten untergebracht werden können, haben wir bereits auf 30 Bewohner reduziert.“

Filip bemängelt an der Forderung des Flüchtlingsrats NRW, dass die soziale Kontrolle bei der Unterbringung in Hotels rasch abhanden komme und man genau schauen müsse, wer mit wem zusammengebracht werden könne. Das sei in Anbetracht der jetzigen Krise nicht möglich.

Sollte es sogar zu einer Verschärfung der Lage und zu einer Ausgangssperre in NRW kommen, sei die Stadt auch hier vorbereitet, weiß der Beigeordnete. Dazu will Filip jedoch keine näheren Details preisgeben.