St, Marien Krankenhaus Ratingen Schlüssellochoperationen am Simulator

Ratingen · Der Förderverein des St. Marien Krankenhauses hat einen Simulator finanziert, an dem Assistenzärzte ihre Fertigkeiten verbessern können. Einige haben ihn schon ausprobiert.

  Kai Etzkorn, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Assistenzärztin Anna Fraas am neuen Simulator.

Kai Etzkorn, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Assistenzärztin Anna Fraas am neuen Simulator.

Foto: RP/Marien Krankenhaus

(RP) Laparoskopische Eingriffe stellen eine besondere Herausforderung für Chirurgen dar: Es handelt sich hierbei um minimalinvasive Eingriffe, bei denen mit Hilfe eines optischen Instrumentes und weiterer Instrumente Eingriffe innerhalb der Bauchhöhle vorgenommen werden.

Der Operateur hat also keine freie Sicht auf den zu operierenden Bereich, sondern steuert seine Instrumente über ein Bild auf einem Bildschirm. Der zentrale Vorteil dieser Methode sind sehr kleine Schnitte und somit eine deutlich kürzere Rekonvaleszenzzeit (Heilungsdauer). Der Förderverein des Sankt Marien Krankenhauses hat nun einen Simulator zum Verfeinern der handwerklichen Fähigkeiten der chirurgischen Assistenzärzte finanziert.

Laparoskopische Eingriffe sind eine noch vergleichsweise junge Operationstechnik. Erst im Jahr 1980 gelang der Durchbruch in der chirurgischen Laparoskopie mit einer erfolgreich durchgeführten Appendektomie (Entfernung des Wurmfortsatzes des Blinddarms). 1986 folgte mit der laparoskopischen Cholezystektomie (Entfernung der Gallenblase) ein weiteres laparoskopisches Operationsverfahren.

Mittlerweile haben sich die technische Ausstattung und das Wissen um diese Verfahren so weit entwickelt, dass sie aus keinem Krankenhaus mehr wegzudenken sind.

Laparoskopische Eingriffe bieten im Vergleich zu Laparotomischen (größere Bauchschnitte) zahlreiche Vorteile: Die Hautschnitte, die mittels „Schlüssellochchirurgie bei der Laparoskopie entstehen, sind deutlich kleiner. Dies führt zu einem deutlich geringeren Infektionsrisiko. Der stationäre Aufenthalt ist deutlich verkürzt, da die Heilungszeit allgemein kürzer und aufgrund geringerer Schmerzen sowie geringerer Narben deutlich angenehmer für die Patienten ist. Ebenso ist das Risiko für Narbenbrüche (Narbenhernien) geringer. Allerdings sind laparoskopische Verfahren deutlich schwerer zu erlernen und  erfordern eine Vielzahl von Fertigkeiten und Erfahrung.

Die Operationsverhältnisse sind aufgrund der räumlichen Enge, der eingeschränkten Sicht sowie der Handhabung der Laparoskopie-Instrumente deutlich erschwert. Die Video-Augen-Hand-Koordination sowie die veränderte Tiefenwahrnehmung stellen weitere Herausforderungen dar.

„Stellen Sie sich vor, Sie haben ein zweidimensionales Bild, müssen aber in drei Dimensionen denken. Das ist reine Übungssache und wird mit jeder Operation besser. Um unseren angehenden Chirurgen die Möglichkeit zu geben, ihre laparoskopischen Fähigkeiten ohne den Stress einer realen Operation weiterzuentwickeln, ist der neue Simulator optimal. Sie können einzelnen Schritte wieder und wieder üben, Routine entwickeln und sogar Nähte laparoskopisch setzen“, erklärt Kai Etzkorn, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Sankt Marien Krankenhauses begeistert.

Die Assistenzärztin Anna Fraas hat das Übungsgerät schon fleißig bedient und kann bereits von ihrem persönlichen Lernprozess berichten: „Die Instrumente, die in den Bauchraum eingeführt werden, sind identisch mit denen einer richtigen Operation und Techniken, die ich bisher nur bei meinen erfahrenen Kollegen auf dem Monitor begleitet habe, konnte ich auf diese Weise bereits selbst am Simulator ausprobieren.“

Der Chefarzt vergleicht dieses neue Angebot gerne mit dem Führerschein beim Autofahren: „Je sicherer man in der Bedienung ist, desto sicherer ist man im Straßenverkehr unterwegs, da man sich auf seine Fähigkeiten verlassen kann und somit auch flexibel auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren kann.“

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