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Wolfgang Heitbrink arbeitet nicht nur mit SG Ratingen und TV Ratingen

In der Coronakrise : Physiotherapie geht auch virtuell

Die Coronavirus-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Arbeit von Physiotherapeut Wolfgang Heitbrink und sein Team, das aber Lösungen findet, vor allem durch Online-Angebote. Ärgerlich sind nur aktuell überzogene Preise für Mundschutze.

Durch die Coronavirus-Krise ist es auch bei Wolfgang Heitbrink deutlich ruhiger geworden. Der Physiotherapeut zählt zwar mit seien Praxen in Ratingen und Düsseldorf zum systemrelevanten Bereich, verzeichnet aber trotzdem einen rund 50-prozentigen Einbruch an Patienten. In unserer Samstagsausgabe hatte es im Info-Kasten des Artikels „Nachgefragt bei Alexander Oelze“ noch geheißen, die Regionalliga-Handballer der SG Ratingen könnten bei Heitbrink in Kleingruppen trainieren. Das ist inzwischen nicht mehr der Fall, diese Information war in den täglich aktualisierten Maßgaben zur Prävention veraltet.

Und die Hygienestandards sind auch in der derzeitigen Arbeit der Therapeuten unerlässlich, gerade weil viele Patienten der Risikogruppe angehören. „Dafür haben wir Kittel und Mundschutz – mal sehen, wie lange noch“, sagt Heitbrink. Denn diese Güter sind gerade jetzt überall gefragt, was auch dieses Beispiel verdeutlicht: „Wir haben eine Mail von jemandem bekommen, der noch Rest-Bestände hat: 50 einfache Mundschutze hätten da 75 Euro gekostet. Sonst sind das nicht mal zehn Euro“, berichtet Heitbrink, dessen Therapeuten auch weiterhin Hausbesuche machen und dort teilweise Mundschutze und Kittel vorrätig haben. „Alle, die eine Heilmittelverordnung oder Akutbeschwerden haben, brauchen ja auch in dieser Zeit weiterhin Behandlung“, erklärt der 51-Jährige.

Sein Team an beiden Standorten besteht aus 23 Therapeuten, hinzu kommen Trainer, auch sie trifft die Krise: Einige Therapeuten gehören selbst der Risikogruppe an und müssen sich an ein Arbeitsverbot halten, teilweise ließ sich auch Kurzarbeit nicht vermeiden, die Trainer können ihre Kurse nicht in gewohnter Form anbieten. Aber die Not macht erfinderisch: „Wir bieten Fitnessprogramme über Facebook und Instagram an, die man über PayPal bezahlen kann“, berichtet Heitbrink und ergänzt: „Wir wollen möglichst viele Leute erreichen und können auch online behandeln. Natürlich ist es direkt am Patienten besser, aber wir können zum Beispiel bei einer Fraktur auch online Hinweise geben, welche Bewegungen möglich und wichtig sind, oder in der Ergo-Therapie, in der es vor allem um das kognitive Gedächtnis geht, bieten wir Übungen mit Zahlengruppen an.“ Wichtig ist auch: „Gerade ältere Menschen haben Angst, allein zu sein, da hilft unser Angebot auch. Da müssen zwar anfangs vielleicht mal die Kinder oder Enkel helfen, damit das online klappt, aber dann funktioniert das gut“, sagt Heitbrink.

Er übernimmt in der Regel nicht nur die Betreuung der Handballer der SG Ratingen und des TV Ratingen, sondern auch von Bundeskader­athleten der Leichtathletik wie Julia Holzmann vom TVR und ist auch am Olympiastützpunkt Bochum aktiv. Mittlerweile könnte sich für etliche Sportler die Frage stellen, ob sie eine „Zwischen-Vorbereitung“ einlegen müssen, um nach der Corona-Zwangspause wieder auf einem vernünftigen Level zu sein. Denkbar wäre in diesem Zudammenhang auch mehr Kooperation zwischen den Vereinen und Trainern der sogenannten Sportstadt Ratingen, in der viel Potenzial vorhanden ist. Gedanken, die sich Heitbrink macht für die Zeit nach der Krise.

In der klassichen Vorbereitungszeit auf eine Saison ist sein Team schon breit aufgestellt, es gibt nicht nur das übliche Krafttraining in den Praxen, sondern auch selbst kreierte Kurse wie Fitness-Boxen, High-Intervall-Training, Personal- und Firmen-Fitness oder das „4-K-Training“, das die Bereiche Kraft, Kondition, Konzentration und Koordination bedient und das Heitbrink als Marke schützen lassen will. Darin werden nicht nur mit Kraftübungen die großen Muskelgruppen trainiert, es geht auch um koordinative Übungen, zum Beispiel im Box-Training. „Eine Rechts-ÖLinks-Kombination ist anspruchsvoller als stumpfes Bankdrücken. Bei unserem 4-K-Training werden bis zu 1400 Kalorien pro Stunde verbraucht“, sagt Heitbrink und ergänzt: „Damit hatten wir gerade gut angefangen, die Krise hat uns leider gestoppt. Aber danach werden wir wieder am Ball bleiben.“

Facebook: @physioratingen
Instagram: physio.ergotherapie.heitbrink