Wilczek: Nichts wie weg

Der Aliens-Trainer schmeißt hin. Auch der Vorstand erwägt den Rückzug.

Er hat die Arme in die Hüften ge-stemmt, sein Blick ist leer. Die Augen sind zwar auf die Eisfläche gerichtet, doch das Spiel sieht er gar nicht. Enttäuschung, Wehmut, Abschied. Für Janusz Wilczek war es gestern Abend in Frankfurt die letzte Partie als Chef-Trainer. Zum Abschied gab es vor 50 Fans – ein Drittel aus Ratingen – einen 10:2 (3:0, 3:1, 1:4)-Sieg.

"Mein Vertrag läuft automatisch weiter. Es gibt keine Kündigung oder Verlängerung", hatte Janusz Wilczek Anfang Januar gesagt. Der Hintergrund: Der Coach verfügt über einen unbefristeten Vertrag als Nachwuchstrainer; für den Chef-Trainer hatte er etwas oben drauf bekommen.

Was Wilczek vor vier Wochen angekündigt hatte, ist jetzt Realität: Die Aliens müssen sich einen neuen Chef-Trainer suchen. Wilczek macht's nicht mehr. Die Serie von sechs Niederlagen hatte an seinen Nerven gezehrt und den Entschluss reifen lassen. Vize Wilfried Tursch und Schatzmeister Rainer Merkelbach ließen ihn in Ruhe weiterarbeiten. Am Mittwoch steckten die drei die Köpfe zusammen. Wilczek blieb hart. Gestern Abend nach dem Spiel in Frankfurt sagte er es der Mannschaft und verabschiedete sich von ihr.

Ziel erreicht, dennoch enttäuscht

Wilczek geht erhobenen Hauptes. Die Saison war schwierig, es gab viele Enttäuschungen. Das Saisonziel – die Oberliga-Aufstiegsrunde – wurde zwar erreicht, doch von da an ging's bergab. So wurde die Runde als schlechtestes NRW-Team auf Rang sieben beendet. Der Saisonverlauf war somit enttäuschend.

All das hat aber nicht nur an Wilczeks Nerven gezehrt, sondern auch an denen des Zwei-Mann-Vorstandes Tursch/Merkelbach. "Wir werden uns zusammensetzen und überlegen, ob wir weitermachen", sagte Wilfried Tursch, bei dem die Saison Spuren hinterlassen hat. "Wir sind als Aufsteiger gestartet und haben viel erreicht. Aber jetzt müssen wir überlegen, wie es weitergeht."

Führungslos in wichtigster Phase?

Sollten nach Wilczek auch Tursch und Merkelbach hinschmeißen, droht den Aliens ausgerechnet in der wichtigsten Jahreszeit das totale Chaos. In den nächsten Wochen werden die Weichen gestellt, müssen nämlich Trainer und Spieler verpflichtet werden, die dann von August bis März die Saison möglichst erfolgreich bestreiten.

Herr Tursch, ist das Ihr Ernst? "Ja, natürlich", antwortet der Vize und erklärt auch warum: "Die Aliens sind keine Pommes-Bude. Der Nachwuchs hat einen Etat von 130 000 Euro, die erste Mannschaft von 160 000 Euro. Das macht man nicht mal eben ne halbe Stunde nebenbei. Das kostet Zeit, Kraft, Nerven. Das ist aber mein Hobby. Und wir können das nicht zu zweit, auch nicht mit sechs oder sieben stemmen. Es ist schön, dass wir die Fans haben, aber es muss viel mehr passieren, in der ganzen Stadt. Da ist es nicht mit Sonntagsreden getan. So reicht das nicht." KOMMENTAR

(RP)