Leichtathletik: Von Hügeln und Bergen

Leichtathletik : Von Hügeln und Bergen

Alexander Bartel und Eik Bermann vom Marathonteam absolvierten den Röntgenlauf über 63,3 Kilometer.

Als der Wecker am Sonntagmorgen gegen 5 Uhr klingelte, stellte sich natürlich sofort die Frage: Warum tut man sich das eigentlich an? Doch die Frage war wortlos beantwortet, als die Laufschuhe angezogen waren. Später am Tag stand auf einem Laufshirt "pigdogkiller" zu lesen. Das sind wohl alle Läufer — besonders, wenn es auf die Ultradistanz geht.

Alexander Bartel und Eik Bergmann haben sich auf den 63,3 Kilometer langen Röntgenlauf gewagt. Das mit den Startunterlagen ausgegebene, kurzärmlige Veranstaltungs-Shirt mit dem Skelett-Logo blieb jedoch im Schrank, stattdessen wurden zwei Langarm-Shirts übereinander angezogen, lange Hose, Kappe, Buff und Handschuhe. Außerdem gingen die beiden erst zehn Minuten vor dem für 8.30 Uhr vorgesehenen Startschuss ins Freie, um sich unnötiges Frieren zu ersparen.

"Da wir in jedem Fall eine Bestzeit auf dieser für uns neuen Strecke laufen werden, kommt es uns nicht auf eine günstige Startposition an", meinte Eik Bergmann vor dem Start. Die meisten anderen hielten es ebenso, so dass der Lauf ganz entspannt begann. Die beiden Ratinger genießen die Fünf-Kilometer-Runde durch den Ort in den ersten Sonnenstrahlen, die sich durch den Morgennebel drücken. Die Sorge breitet sich aus, dass sie sich zu warm angezogen haben. Doch kaum sind sie aus dem Ort heraus und hinauf in die Berge gelaufen, verdichtet sich der Nebel wieder und es wird richtig kalt. "Bis Kilometer 35 habe ich leicht gefroren, erst dann kam die Sonne wieder heraus", berichtet Eik Bergmann.

Unsere Laufstrategie war ganz klar auf Ankommen ausgerichtet. Ab Kilometer 15 setzten sie ihren Plan um, alle stärkeren Anstiege konsequent zu gehen. Einige Passagen sind so steil, dass es für sie gar keine andere Wahl gegeben hätte. Der Veranstalter scheint sich selbst nicht ganz sicher zu sein, wie hügelig seine Strecke eigentlich ist. Auf der Homepage ist von 1100 Höhenmetern die Rede, während in der Ausschreibungsbroschüre 860 Höhenmeter genannt werden.

Unterwegs treffen sie auf bekannte Gesichter. Arbeitskollegen sind im Läuferfeld, genauso wie Bettina Mecking vom ehemaligen RP-Marathonteam und ein Weggefährte vom 24-Stundenlauf in Breitscheid.

Nach dem Halbmarathon wird das Läuferfeld etwas übersichtlicher. Am Verpflegungsstand gönnen sich Bartel und Eikmann eine Pause bei selbstgebackenen Müsliriegeln, Speckfettbemmen und Bananen. Warmer Tee ist längst zum Standardgetränk des Tages geworden. Die emsigen und freundlichen Helfer, ohne die so eine Veranstaltung nicht möglich wäre, preisen ihn: Warmer Tee aus kalten Händen.

Es folgt Verpflegungspunkt auf Verpflegungspunkt. Gefühlt gibt es alle zwei Kilometer etwas zu essen. "Wir waren bald pappsatt und haben an den nächsten Ständen nur noch getrunken", sagt Alexander Bartel. So blieben Bratwurst, Salzstangen, Rosinen und Schokolade von ihnen unberührt. Auch verzichteten sie auf Bier und Prosecco und blieben beim warmen Tee.

Bei Durchlaufen des Marathonziels hatten sie die sehr hügelige, bunte Herbstlandschaft um die bergischen Talsperren schon 4:48 Stunden genießen können. Der nächste Meilenstein war eine Stunde später erreicht, als sie mit stolzgeschwellter Brust die 50-Kilometer-Matte übertraten. Die folgenden zehn Kilometer zogen sich ziemlich und manche leichte Steigung wurde zum Berg deklariert, damit sie gehen durften.

Die Geschwindigkeit des ersten Drittels konnte das Duo zwar nicht über die Gesamtdistanz halten, lief aber den Marathon über die beiden letzten Drittel mit nahezu konstanter Geschwindigkeit. "So konnten wir sogar der etwa vier Kilometer vor dem Ziel auf den Boden gesprühten Aufforderung "Endspurt!" Folge leisten", sagt Eik Bergmann. Nach 7:24:45 Stunden liefen die beiden jubelnd und mit feuchten Augen über die finale Matte. 63,3 Kilometer in sehr hügeligem Gelände waren geschafft.

Alexander Bartel hatte seinen ersten Ultra gefinisht. Unterwegs mochte er keine Prognose wagen, ob er jemals wieder so eine lange Strecke in Angriff nehmen will. Doch als er seinen Mitstreiter zwölf Stunden nach dem morgendlichen Aufbruch per Auto wieder zu Hause absetzte, lautete sein lakonischer Kommentar: "Zum nächsten Ultra fährst du."

(peer)
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