Fußball Verkehrte Welt

1:2 verlor die SSVg Heiligenhaus gegen die SG Unterrath, die jetzt Bezirksliga-Spitzenreiter ist. Aus Sicht der Hausherren lief alles schief. Negativer Höhepunkt: Torjäger Aydogan verschoss einen Elfmeter.

Irgendwie war alles wie immer und doch alles etwas anders: Nach dem Abpfiff tanzte eine Mannschaft im Kreis auf dem Rasen und sang "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey" — doch diesmal waren es nicht die Hausherren an der Talburgstraße, sondern die Gäste. Die SG Unterrath hatte den bisherigen Tabellenführer SSVg Heiligenhaus mit 2:1 (2:0) geschlagen — und das, obwohl die beste Abwehr der Liga, die erst acht Gegentreffer in 20 Spielen hatte hinnehmen müssen, erneut nur drei Torschüsse zugelassen hatte.

Was diesmal anders war: Die ersten beiden Schüsse auf das Heiligenhauser Tor waren drin. Schuldlos war Torwart Senad Hecimovic, der sich vorkam wie in einem schlechten Film. Erst in der 40. Minute bekam er einen Ball auf's Tor, den er halten konnte — das war zugleich der letzte Schuss, den die Gäste auf sein Gehäuse abfeuerten. "So etwas habe ich auch noch nicht erlebt. Die haben zwei Chancen und machen zwei Tore. Danach war es natürlich schwer, weil die dann mit elf Mann hinten drin standen", analysierte Trainer Bernd Wagner.

Aus Sicht der Hausherren lief gestern einfach alles schief, was schief laufen konnte: Erst scheiterte Sezer-Ahmet Orhan mit einem wunderschönen Schuss aus 22 Metern am starken SGU-Keeper Matthias Schleicher, dann parierte dieser auch Hidayet Aydogans Kopfball. Nur wenige Sekunden später begann die nahezu hundertprozentige Chancenverwertung des Gegners.

In der Vorwoche hatten sie noch den Tabellenzweiten SC Velbert mit 5:0 abgeschossen — die SGU hat einen Lauf und bestätigte diesen gestern. Nachdem die Gäste auf 2:0 erhöht hatten, wurde Aydogan im Strafraum in die Zange genommen, den fälligen Elfmeter setzte er aber an den Pfosten. Dabei hatte der 24-Jährige gar nicht schlecht geschossen, es passte gestern einfach nur ins Bild, dass auch der sonst so sichere Schütze den Ball nicht versenkte. Mit Matthias Georg und Christian Kochs kam noch mehr Schwung ins Heiligenhauser Spiel, Ferhat Ural nutzte seine erste Chance zum Anschluss. Dass es nicht zu mehr reichte, lag daran, dass die SSVg kein Mittel fand, die dichte und robuste Abwehr des Gegners zu knacken. So schaukelte dieser den Sieg über die Runden und konnte dank der besseren Tordifferenz den Tabellenführer entthronen. Zumindest bis zum Nachholspiel der Heiligenhauser am Donnerstag, 10. April in Mettmann.

"Jetzt wird es wieder eng und das wollten wir eigentlich vermeiden", sagte Wagner, der sein Team überlegen sah. Spielerisch war es das auch — aber die Unterrather machten die entscheidenden Tore. Ein Privileg von Spitzenmannschaften, das die SSVg häufig genug in dieser Saison genoss. Doch gestern war eben alles etwas anders.

(RP)