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Verbandsliga: TuS 08 Lintorf, TV Ratingen und SG Ratingen II gefordert

Handball : TuS Lintorf schiebt jeden Druck von sich

Am Samstag kommt der Tabellenzweite Bergischer HC II zum Spitzenspiel der Handball-Verbandsliga zum Tabellenfünften nach Lintorf. Der TuS 08 will sich keinen Druck machen, wäre aber bei einem Sieg im Meisterrennen. Der TV Ratingen empfängt im ETB Schwarz-Weiß Essen die Schießbude der Liga, die SG Ratingen II muss bei der MTG Horst antreten – in Überruhr.

Das Podest vor dem Eingang zur Lintorfer Sporthalle ist für die Handballer ein beliebter Punkt, an der frischen Luft tief durchzuatmen und ohne jeden Stress ihren Gedanken freien Raum zu lassen. So standen dieser Tage die Cracks des TuS 08 dicht beieinander, „fachsimpeln“ nennt man den Gedankenaustausch, schließlich steht am Samstagabend das Verbandsliga-Top-Heimspiel an gegen den Bergischen HC II. Anwurf ist um 18 Uhr. Manager Kalle Töpfer stand dort, dann der überall einsetzbare Ersatzkeeper Sven Voigtländer, Trainer-Assistent Dirk Bauerfeld gesellte sich umgehend dazu, ebenso der eigentlich wenig gesprächsbereite und lieber stets gut zuhörende Torjäger Sebastian Thole. Für Betreuer Dennis Braun ist dies überhaupt der Lieblingsplatz. Wird er irgendwo benötigt, er steht immer bereit, wenn es bei den Handballern irgendwo brennt. Und dann im Mittelpunkt die Frage: Wie ist dieser Bergische HC zu bezwingen?

Bauerfeld sagte dazu: „Ich habe aus ganz zuverlässiger Quelle erfahren, dass der BHC-Reserve ein Etat von 150.000 Euro zur Verfügung steht. Von solchen Summen können wir nicht einmal träumen, und die Bergischen sind damit eigentlich zum Aufstieg gezwungen.“ Eisiges Schweigen war zunächst überall zu vernehmen. Dann befand Töpfer: „Wir können nur gewinnen. Druck gibt es bei uns nicht, wir spielen befreit auf, und bei einem Sieg sind wir voll dabei im Kreis der Meister-Kandidaten.“ Sogar Torjäger Thole zeigte sich nun bereit, zu diesem Thema etwas zu sagen: „Ich habe zuletzt schlecht gespielt, das weiß ich am besten. Aber auf dieses Spiel brennen wir alle.“ Schlecht spielen, das kann der 23 Jahre alte Student aus Wuppertal überhaupt nicht, nur diese ständige enge Manndeckung, mit der fast alle Gegner ihn von Beginn an bekämpfen, die nervt einfach jeden Handballer.

Die sportliche Lage vor diesem vorletzten Hinrundenspiel ist klar. Ganz oben stehen die unbesiegten Bergischen Panther, dann dieser Bergische HC II mit seinen zwei Minuspunkten, und Lintorf ist Fünfter (sieben Miese). Aber die letzten drei Spiele wurden gewonnen, das Leistungsbarometer zeigt steil nach oben, und von der Heimschwäche, die den TuS 08 bisher arg quälte, will man am Breitscheider Weg überhaupt nichts mehr wissen. Obwohl die drei Niederlagen bisher alle in eigener Halle hingenommen werden mussten. Aber Braun betonte: „Das ist Vergangenheit. Das war einmal.“

Damit liegt er vielleicht sogar richtig, zuletzt gab es in Solingen mit 41:29 und in Wuppertal mit 28:19 klare Kantersiege. Ob Trainer Markus Wölke wieder dabei ist – er ist beruflich auf einer USA-Reise –, muss abgewartet werden, sonst bestimmen Kalle Töpfer und Dirk Bauerfeld die Richtlinien. Im personellen Bereich gibt es kaum Probleme. Jan Lenzen wird eventuell wegen seiner Gehirnerschütterung geschont, und Linksaußen Cedric Wentzel ist im Pokalspiel umgeknickt. Aber auch hier besteht die Hoffnung, dass die beiden Ex-Neusser auflaufen werden.

Die Formkurve des TV Ratingen zeigt steil nach oben. Trainer Jörg Schomburg und sein mitspielender Assistent Chris Schweinsberg haben den Handball-Verbandsligisten in die Verfassung gebracht, die man sich schon eher erhofft hatte. Denn nun, zwei Spieltage vor dem Hinrundenende mit Platz sechs, ausgeglichenem Punktekonto und neun Zählern aus den letzten fünf Spielen – das alles kann sich sehen lassen. Am Samstagabend zu ungewohnt später Stunde, 19.30 Uhr, Europaring, erwarten die Grün-Weißen die Schießbude der Liga, den ETB Schwarz-Weiß Essen. Ein Gast, der noch keinen Punkt verbuchen konnte. Alles andere als ein erneuter und deutlicher Zweier des Turnvereins wäre eine Riesenenttäuschung und die will man sich ersparen.

Aber Chris Schweinsberg hat schon viel im Handball erlebt, er hat gewisse Bedenken. „Jeder in Ratingen weiß, dass wir eine launische Diva sind“, so der 33-jährige Düsseldorfer. „Allein deshalb gibt es keinen Grund, den ETB zu unterschätzen. Erstmals in dieser Saison können wir unser Punktekonto positiv gestalten. Es sind alle an Bord, und so denke ich, dass wir der Favoritenrolle gerecht werden.“ Die ungewohnt späte Anwurfzeit ist darin begründet, dass auch die in der Landesliga im Abstiegskampf stehende Reserve einmal am Spätnachmittag spielen soll und nicht nur in den späten Abendstunden. Die Oberwinster-Truppe hat es mit dem Tabellenzweiten HSG Mülheim zu tun, Anwurf 17.30 Uhr. „Wir als erste Mannschaft erhoffen uns so, dass viele Kinder von den Reservespielern auch bei uns lautstark mitfiebern werden“, sagt Schweinsberg. Eine Dauerlösung in dieser Form ist jedenfalls nicht geplant.

Die MTG Horst muss ihre Heimspiele in der Handball-Verbandsliga seit geraumer Zeit an der Klapperstraße, wo die SG Überruhr beheimatet ist, bestreiten. Die einstige Horster Heimstärke ist dadurch mächtig beeinträchtigt, von den sechs Heimspielen der Hinrunde gingen vier verloren. Nun muss die SG Ratingen II dort antreten, am vorletzten Hinrundenspieltag und am ungewohnten Sonntag-Spätnachmittag (17.30 Uhr). Und nun unter Druck, denn fünf Niederlagen zuletzt erzeugten Abstiegsgefahr. Vom guten Saisonstart spricht gegenwärtg kaum noch einer an der Gothaer Straße. Die Ratinger sind Achter, 8:14 Punkte, Horst ist Elfter, hat einen Zähler weniger auf dem Konto. Die beiden Abstiegsränge sind nicht mehr weit entfernt.

Dennoch fährt die SG-Reserve recht zuversichtlich über die Ruhr. Denn Abwehrspezialist Salim Bakhsh ist wieder fit und ebenfalls der 22-jährige Jonas Pakullat. „Jetzt bieten sich endlich Alternativen an“, sagt dazu Trainer Rene Osterwind. „Wir kennen dieser Horster Truppe ganz genau, sie ist erheblich stärker, als es die Tabelle aussagt.“ Vor allem deren Rückraumwerfer Paul Griese kann jedes Spiel allein entscheiden. Wie man den Halblinken bekämpfen wird, wollte Osterwind freilich nicht verraten. Nur soviel: „Ein Plan dazu ist längst erstellt.“ Es scheint sich eine Spezialaufgabe für Bakhsh anzubieten, aber kaum durch enge Manndeckung, denn, so erklärt Osterwind: „Dann haben dessen Nebenleute zu viel Raum. Das ist zu einfallslos.“